Seit Urzeiten hat der Mensch mit Infektionskrankheiten zu kämpfen. Sie haben das Leben unserer Vorfahren verkürzt, Eltern und Kindern früherer Generationen unermeßliches Leid gebracht. Massenepidemien wie Pest und Cholera entvölkerten ganze Landstriche und warfen ihre wirtschaftliche Entwicklung um Jahrhunderte zurück. Indem diese Krankheiten den Umgang mit angesteckten Mitmenschen prägten, haben sie sogar das soziale Verhalten beeinflußt, Moral und Ethik mitgeformt: Pathogene Mikroorganismen und ihre Wirkungen sind ein Faktor der Geschichte.
Dies aufzudecken und einem breiten Leserkreis darzustellen, hat sich Stefan Winkle, emeritierter Professor für Mikrobiologie in Hamburg, zur Aufgabe gemacht. Entstanden ist ein umfassendes Monumentalwerk über die Geißeln der Menschheit – von der ansteckenden Gelbsucht bis zur Wundinfektion, von den Geschlechtskrankheiten bis zum Typhus. Auch Tropenkrankheiten wie Malaria und Gelbfieber hat Winkle berücksichtigt; er weist dabei nach, daß ihre historische Wirkung nicht auf die Kolonialzeit beschränkt war.
Wie es sich für einen ehemaligen Hochschullehrer gehört, ist das Buch systematisch gegliedert und didaktisch hervorragend aufgebaut. Es beginnt mit einem Abriß des Verständnisses von Krankheit überhaupt vom Altertum bis zum Beginn der mikrobiologischen Ära. Im wesentlichen ist dies eine Geschichte des Unheils, das abstruse Theorien und religiöse Dogmen in vergangenen Jahrtausenden angerichtet haben. In weiteren 20 Kapiteln behandelt Winkle einzelne Infektionskrankheiten in jeweils chronologischer Abfolge. Plagen wie Lepra, Pest und Cholera, welche die Menschheit immer wieder in Angst und Schrecken versetzt haben, nehmen naturgemäß besonders breiten Raum ein.
Die mehr als 3200 Fußnoten (allein die zum Kapital über Lepra machen 14 Seiten aus) sind eine Art Buch im Buche. Stets relevant, häufig vergnüglich zu lesen, sind sie ein Fundus für weitere eigene Recherchen zum Thema. Sicherlich hätte der Autor – der Schluß drän