Lesermeinung - Sterne und Weltraum

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • Neue Neutrinos ?

    01.12.2011, Andreas Wörner, Gernsbach
    Eine Frage:
    In Nature Vol. 478 S. 328 werden Hinweise auf neue Neutrino-Sorte(n), die nur gravitativ wechselwirken, beschrieben.
    Wie wahrscheinlich schätzen Sie die Existenz neuer Neutrino-Sorte(n) ein?

    Währen diese mögliche Kandidaten für "Dunkle Materie", falls ihre Masse größer ist als die bisherigen Neutrinos?

    Vielen Dank für ihre Zeit und ihr Fachwissen.

    PS: SuW ist eine super Zeitschrift. Weiter so!

    Antwort der Redaktion:


    Der erwähnte Artikel in Nature kommentiert eine Arbeit von Joachim Kopp und Mitarbeitern (darunter Thomas Schwetz vom MPI für Kernphysik in Heidelberg) in der Zeitschrift Physical Review Letters. Diese Arbeit versucht, gewisse bisher unverstandene Mess-Ergebnisse an Neutrinos aus Kernreaktoren durch die Annahme von zwei zusätzlichen Neutrino-Sorten (zusätzlich zu den drei bekannten)zu erklären.



    Da sich nicht einmal der Elementarteilchen-Experte William C. Louis vom Los Alamos National Laboratory (der den kommentierenden Artikel in Nature geschrieben hat) eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit zutraut, dass diese Neutrinos tatsächlich existieren,
    trauen sich die Astronomen der SuW-Redaktion erst recht nicht, sich hierüber eine schnelle Meinung zu bilden.



    Ob die hypothetischen weiteren Neutrino-Sorten als Kandidaten für die Dunkle Materie in Frage kommen, hängt neben ihrer schieren Existenz auch noch von ihrer Masse ab. Und die ist ebenfalls noch ziemlich unklar, wenn ich die beiden Aufsätze in Nature und Physical Review Letters richtig verstanden habe. Wenn ihre Masse groß genug ist, dass sie im Universum typischerweise nur maximal mit einigen hundert bis einigen tausend km/s unterwegs sind (statt mit nahezu Lichtgeschwindigkeit wie die drei bekannten Sorten), dann würden sie im Prinzip als Dunkle Materie taugen.



    Ihr Leserbriefredakteur,

    Ulrich Bastian
  • Ist Krater Gale möglicherweise ein Doppelkrater?

    25.11.2011, Arthur Gülzow, 23795 Bad Segeberg
    Schon beim oberflächlichen Betrachten des Kraters ist mir die leicht ovale Form des Kraterrandes aufgefallen. Darüberhinaus scheint die obere Hälfte gegenüber der unteren leicht nach rechts versetzt zu sein. Könnte es sich hier um einen Einschlag zweier etwa gleichgroßer Körper gehandelt haben? Dabei wäre der obere, nördliche unter einem sehr spitzen Winkel von Norden her in den bereits bestehenden Krater geprallt und hätte den oberen, nördlichen Zentralberg quasi vor sich her und über das umgebende Geländeniveau hinaus geschoben, weil der Zentralberg des ersten Kraters ein starkes Hindernis darstellte. Die Farbe Dunkelblau kennzeichnet die tiefste Region im Krater, deshalb könnte dieses Szenario auch diese Eigenschaft erklären, denn die größte Wucht des Aufpralls hätte sich hier entladen und die meiste Energie freigesetzt.
    Gibt es bereits Überlegungen zu dieser Darstellung? Vielleicht helfen meine.
    Antwort der Redaktion:

    Beim Krater Gale muss man bei der Interpretation der Bilder und Karten berücksichtigen, dass er eine sehr alte Struktur aus der Frühzeit des Mars vor rund vier Milliarden Jahren ist. Er wurde somit von geologischen Prozessen wie Verschiebungen der Krusten und Erosion stark geprägt und präsentiert sich nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Insbesondere der jetzige Zentralberg, der höher ist als der Kraterrand, ist eine spätere Bildung. Er besteht aus geschichteten Ablagerungen, die nach der Kraterbildung in diesem abgelagert wurden. Spätere Abtragungen durch Wind und möglicherweise fließendes Wasser gaben dann dem Zentralberg und dem Krater Gale seine heutige Form.

    Bei einem späteren Einschlag müssten sich noch Spuren der Auswurfmassen finden und auch die geschichteten Ablagerungen im Zentralberg wären dann deutlich durch die gewaltigen Kräfte beim Einschlag gestört und zerrüttet worden. Die leicht elliptische Form von Gale lässt sich am leichtetesten durch einen relativ flachen Einfallswinkel des einschlagenden Himmelskörpers erklären. Ein andere Möglichkeit wäre, dass sich durch Kräfte aus dem Marsinneren die Kruste durch tektonische Bewegungen verformte und somit auch der Krater Gale in Mitleidenschaft gezogen wurde.

    Red.
  • Windkraftnutzung und Erdrotation

    18.11.2011, Martin Huber, Oppenau
    Eine Windkraftanlage nutzt die Luftströmung die durch Temperaturunterschiede in der Atmosphäre hervorgerufen werden. Die Temperaturunterschiede werden z.B. durch unterschiedliche Sonneneinstrahlung in den Polregionen und am Äquator, unterschiedliche Absorptionsvermögen von Landmassen und Meer, Tag und Nacht usw. hervorgerufen. Eine Windkraftanlage nutzt also letztlich Sonnenenergie. Dies kann man auch überall so lesen. Mir stellen sich nun folgende Fragen:

    Da die großräumigen Luftströmungen durch die Corioliskraft abgelenkt werden, ergibt sich z.B in unseren Breiten hauptsächlich Westwind. Die Corioliskraft ist eine „Scheinkraft“ die durch die Erdrotation hervorgerufen wird. Somit müsste im Westwind nicht nur Sonnenenergie enthalten sein, sondern auch Drehimpuls aus der Erdrotation? Wie groß ist der Anteil der Sonnenenergie und dem Drehimpuls im Wind in unseren Breiten und global gesehen? Wie groß ist der Verlust an Drehimpuls durch die natürliche Luftreibung an der Erdoberfläche? Kommt es durch die Nutzung der Windkraft zu einem zusätzlichen Verlust an Drehimpuls oder nutzt die Windkraftanlage nur Drehimpuls der durch die natürliche Reibung sowieso verloren wäre?
    Antwort der Redaktion:


    Herrn Hubers Analyse ist richtig. Die Antwort auf seine abschließende Frage lautet, dass die Windkraftanlage tatsächlich nur Drehimpuls nutzt, der durch die natürliche Reibung sowieso verloren gegangen wäre.



    Die Fragen nach der Größenordnung der beteiligten Energien, Drehimpulse und Reibungskräfte geben wir hiermit ich an die Lesergemeinde zurück: Die Westwindzone ist größenordnungsmäßig 30000 km lang, größenordnungsmäßig 2000 km breit und umfasst präzise 1kg Luft pro Quadratzentimeter. Diese bewegt sich im Mittel mit 10 km/h, und sie würde in größenordnungsmäßig einem Monat zum Stillstand kommen, wenn sie nicht ständig angetrieben würde. Aus diesen Angaben lässt sich mit ganz wenig Physik alles ausrechnen.



    Viel Spass beim Knobeln!
  • Stern hat einen weiteren Planeten?

    13.11.2011, Rainer Kruse
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als Anlage zu dieser Mail habe ich eine Kopie der Abbildung mit der Lichtkurve auf S. 85 von Sterne und Weltraum 10/2011 beigefügt. Mir fallen da Wiederholungen auf, die ich in der Anlage markiert habe. Meines Erachtens ist das ein Hinweis auf einen weiteren Planeten mit zwei relativ zum Planeten ziemlich großen Monden. Dieser Planet befindet sich viel näher am Stern als der im Artikel erwähnte Planet. Dreimal erscheint der Planet mit seinen Monden vor dem Stern. Die Monde haben sich in der Zeit relativ zum Planeten nur geringfügig bewegt.
    Antwort der Redaktion:


    Lieber Herr Kruse,



    ich sehe und verstehe, was Sie meinen. Aber diese Schwankungen liegen ganz klar innerhalb der Streuung der Messungen, das heißt innerhalb der Messunsicherheit. Sie können keineswegs als sichere Anzeichen für echte Helligkeitsänderungen gedeutet werden. Man kann in der Lichtkurve auch gegenteilige "Ausschläge" von gleicher Größe erkennen. Diese sind ebensowenig als Strahlungsausbrüche des Sterns anzusehen, wie die von Ihnen markierten "Ausschläge" als Helligkeitseinbrüche durch weitere Bedeckungen. Man muss jedwede Einzelheiten einer Messkurve stets in Beziehung zur Messgenauigkeit setzen, wenn man ihre Realität beurteilen will.



    Die Fehlerbalken in der gezeigten Lichtkurve geben die mittleren Fehler der Einzelmessungen an, wie sie sich aus der mathematischen Analyse der Einzelbilder ergeben. Die tatsächliche Streuung der Messpunkte um die eingezeichnete rote Interpretationskurve passt sehr gut zur Größe dieser Fehlerbalken. Außer dem einen kräftigen Bedeckungsminimum sind deshalb keinerlei weitere "echte" Einzelheiten aus der Lichtkurve ableitbar.



    Außerdem wäre ein Planet mit einer Umlaufzeit von nur eineinhalb Stunden um einen G-Stern astrophysikalisch und himmelsmechanisch unmöglich: Sein Bahnradius läge nur in der Gegend von 400 000 Kilometern, das heißt er müsste innerhalb des Sterns umlaufen.



    Herzliche Grüße,

    Ihr Leserbriefredakteur,

    Ulrich Bastian
  • Grüner Saum bei partieller Sonnenfinsternis

    12.11.2011, Dr. Alexander Haußmann, Dresden
    Zum Leserbrief von F. Heimerl in SuW 11/2011 zum grünen Saum der aufgehenden verfinsterten Sonne möchte ich anmerken, dass dieser nicht mit dem eigentlichen Grünen Strahl bzw. "Green Flash" identisch ist. Der grüne Saum ist eine direkte Folge der Dispersion (also Farbaufspaltung) der atmosphärischen Refraktion und praktisch immer bei sehr tiefstehender Sonne zu sehen, wenn unsere "Wetterküche" ausreichend durchsichtig ist.

    Damit jedoch eine auch für das Auge sichtbare Grünfärbung zustandekommt, braucht es noch Anomalien der Refraktion durch eine besondere Temperaturschichtung, z. B. über erwärmtem Meerwasser. Dann kann es passieren, dass sich für wenige Sekunden breitere Segmente der Sonnenscheibe abschnüren und grün färben (das "Grüne Segment") oder in ganz seltenen Fällen der eigentliche Grüne Blitz als aufragender grüner Fleck sichtbar wird. Siehe hierzu auch M. Minnaert, "Licht und Farbe in der Natur", §47 (eventuell sind die passenden Seiten bei Google Books einsehbar).

    Vor einigen Wochen konnte ich ein schwach ausgeprägtes Grünes Segment bei Sonnenuntergang fotografieren (http://www.astronomie-heute.de/artikel/1124629&_z=798889). Die Kombination eines ausgeprägten "Green Flash" mit einer partiellen Sonnenfinsternis dürfte sehr selten sein.
  • Archiv-Astronomie: Jede Software findet Ihren Himmel ...

    30.10.2011, Dipl.-Ing. J. Woker
    ... so könnte man einen bekannten Spruch zur Teleskopwelt ummünzen - erfreulich, dass die Entwicklung immer neuer und feinerer Rechenverfahren nun auch die ersten plakativen Ergebnisse bei der Suche nach Exoplaneten zeitigt.

    Nachhaltigkeit in der Datenverwendung lohnt sich; reden wir nicht an allen Ecken und Enden vom "Datamining"? Es wird Zeit, diese Methodik besser publik zu machen und vom Geruch des Staubigen zu befreien, denn in den Archiven der diversen Observatorien und Missionen liegen mit Sicherheit noch gigantische Informationsmengen, die bislang nicht gehoben wurden, weil die Werkzeuge dafür schlichtweg noch nicht existierten.

    Und - Demokratie des Wissens - da viele der Archive öffentlich sind, ist dies auch eine Chance für die vielen versierten Amateure mit Rechenkapazität, tätig zu werden wenn dem Auge der Blick zu den Sternen verwehrt ist. Man muss nicht von Geburt an regengeprüfter Sauerländer sein, um das beruhigend zu finden.

    Besonders lobenswert in dem Zusammenhang sind die Bemühungen, immer mehr Daten auch aus der vordigitalen Zeit zugreifbar zu machen, bevor der Zahn der Zeit die Emulsionen der alten Platten zersetzt.

    Auf jeden Fall ist es spannend zu sehen, was nun - lange Jahre nach dem Entstehen der Aufnahmen - aus den Hubble-Daten entsteht. Und es ist spannens abzuwarten, wer aus welchen Schätzen der Vergangenheit den nächsten "Schatz" hebt.
  • Der Nobelpreis 2011, Edwin Hubble und die Dunkle Energie

    26.10.2011, Hermann Hammer
    Zur Verleihung des Nobelpreises habe ich eine Frage:
    1929 hat Hubble die Expansion des Weltalls entdeckt. Seine Formel lautet: v = H r, die ich bis jetzt immer folgendermaßen interpretiert habe: Je
    weiter die Galaxien weg sind (je größer r ist), desto größer ist auch ihre
    Radialgeschwindigkeit v. Also müsste sich doch schon direkt nach Hubbles
    Entdeckung das Problem der dunklen Energie gestellt haben.

    Müsste also nicht Hubble schon längst den Nobelpreis für seine Formel
    erhalten haben?
    Oder gilt Hubbles Formel nur für einen eingeschränkten Bereich, den die
    drei frisch gekürten Nobelpreisträger jetzt auf das ganze Universum
    erweitert haben?
    Antwort der Redaktion:
    Viele - Experten wie auch Laien - finden zwar, dass Edwin Hubble einen Nobelpreis verdient gehabt
    hätte, aber seine Entdeckung war die der Expansion selbst, nicht ihrer
    Beschleunigung durch eine Dunkle Energie.



    Seine Formel gilt nicht nur für einen eingeschränkten Bereich, und Herr Hammer
    hat sie im Grundsatz richtig interpretiert: Je weiter eine Galaxie
    weg ist, desto größer die Radialgeschwindigkeit. Aber Hubbles Formel gilt für
    den Fall, dass man verschiedene Galaxien zur gleichen Beobachtungszeit
    miteinander vergleicht. Sie sagt zunächst einmal nichts
    darüber aus, was herauskommt, wenn man die gleiche Galaxie zu
    verschiedenen Zeiten beobachtet.



    Herr Hammer hat offenbar Hubbles Formel auch im letzteren
    Sinn verstanden. Das wäre dann allerdings nicht richtig.
    Hier ist es so, dass die Geschwindigkeit in einem "leeren" Universum (in
    dem gar keine wesentlichen Kräfte auf die Galaxien wirken) konstant
    wäre, in einem abgebremsten Universum (in dem die Gravitationskräfte
    alle anderen möglicherweise wirkenden Kräfte überwiegen) allmählich geringer
    würde, und in einem beschleunigten Universum (in dem eine andere -
    eine abstoßende! - Kraft gegenüber den Gravitationskräften überwiegt)
    allmählich zunähme.



    Und dass der letzte der drei denkbaren Fälle der in der Natur
    realisierte ist, das ist die neue Entdeckung, für die es den
    Physik-Nobelpreis 2011 gab. Wenn man einen beliebigen Astronomen vor der
    Veröffentlichunng der preisgekrönten Supernova-Messungen gefragt
    hätte, was er für die wahrscheinlichste Variante hält, dann hätte
    man im allgemeinen das abgebremste Universum als Antwort erhalten.



    Zusatzbemerkung für relativistisch Vorgebildete: Was in einem beschleunigten Universum mit zunehmendem Weltalter anwächst, das ist die Zeitableitung des Skalenparameters. Im lokalen Universum, wo die Begriffe Entfernung und Radialgeschwindigkeit noch einen wohldefinierten Sinn haben, ist diese Größe Äquivalent zur Radialgeschwindigkeit einer bestimmten Galaxie.
  • Exoplaneten, Buchbesprechung in SuW 9/2011

    22.10.2011, Marcus Lange
    Frau Liefke verweist am Schluss ihres Artikels summarisch auf englischsprachige Bücher zum Thema, nennt aber leider keinen Titel.
    Ich wäre dankbar, wenn Sie mir vielleicht ein oder zwei aktuelle, lohnende Titel auf englisch nennen könnten. Vielleicht könnten sie auch das eine oder andere in kommenden Ausgaben rezensieren.
    Oder könnte nicht SuW mal ein Sonderheft mit dem aktuellen Wissen über Exoplaneten herausbringen? Stoff genug für ein ganzes Heft dürfte es ja wirklich genug geben. Und Interesse dürfte auch da sein, da bisher noch nicht allzu viel zum Thema erschienen ist.
    Antwort der Redaktion:
    Hier sind zum Beispiel die Bücher von Mayor&Frei, "New Worlds in the Cosmos", Cambridge University Press, und von Seager, "Exoplanets", University of Arizona Press) zu nennen. Auf jeden Fall zu empfehlen ist "Transiting Exoplanets" von Carole Haswell, Cambridge University Press.
    Kürzlich ist ein sehr
    umfassendes Werk von Michael Perryman, "The Exoplanet Handbook" ebenfalls bei Cambridge University Press erscheinen.




    Carolin Liefke
  • Neutrinos von Swift J1644+57, dem Schwarzen Loch, das grade einen Stern verschluckt ?

    18.10.2011, Konrad Marek, Buchloe
    Gibt es nachweisbare Neutrinos von Swift J1644+57 dessen Gammastrahlung seit einem halben Jahr auf der Erde eintrifft ?
    Antwort der Redaktion:
    Nein, es sind keine Neutrinos von dort beobachtet worden. Die sind auch nicht zu erwarten. Erstens ist das Objekt viel zu weit entfernt, so dass selbst bei einer so gewaltigen Neutrino-Produktion wie der Bildung eines Neutronensterns während einer Supernova (hier wird schlagartig rund eine Sonnenmasse von Protonen in Neutronen verwandelt, und bei jeder einzelnen derartigen Umwandlung entsteht ein Neutrino!) keine zu beobachten wären. Zweitens werden bei dem Einfall von Material in ein Schwarzes Loch gar nicht viele Neutrinos erzeugt, so dass wir selbst dann keine sehen würden, wenn der Einfang des Sterns beim Schwarzen Loch im Zentrum unserer eigenen Milchstrasse, also sozusagen direkt vor unserer kosmischen Haustür stattfände.
  • Bahn des Erde-Mond-Baryzentrums

    14.10.2011, Dr. Georg Zemanek
    Ganz genau läuft nur das Baryzentrum, der gemeinsame Schwerpunkt Erde-Mond in einer Ellipsenform um die Sonne. Auch die Erde "wackelt" ähnlich wie der Mond am anderen Ende einer gedachten Hantel. Die rote Ellipse auf S. 10 des Oktoberhefts stimmt also nur für diesen Punkt. Ganz präzise gibt es die Ellipse theoretisch nie, denn auch der kleinste Planet zieht seinerseits an seinem Zentralgestirn - und auch noch an der Erde.
  • Gefahr oder Chance ? Konsolidierung auch in der Raumfahrt

    10.10.2011, Dipl.-Ing. Jörg Woker, Bad Ems
    Die ESO hat es vorgemacht. Aus einem OWL = 'Overwhelmingly Large Telescope' wurde ein E-ELT = European Extremely Large Telescope, und auch das wurde dann angesichts leerer Kassen nochmals ein wenig "eingedampft". Und - man glaubt es kaum - es ist derzeit das einzige Projekt dieser Klasse, das als solide finanziert gilt. Gut - Forschung darf man nicht rein kommerziellen Betrachtungen unterwerfen, das ist auch nicht die Idee meines Beitrags. Aber was man aus dem Beispiel lernen kann ist, dass es durchaus möglich ist sich unter Wahrung eines Maximums der Ziele an realistische Rahmenbedingungen anzupassen und nicht, wie zumindest meinem Empfinden nach in der Raumfahrt oft praktiziert, die Rahmenbedingungen ständig weiter explodierenden Projektdimensionen nachzuführen.
    Der derzeitige Zwang zum Wesentlichen ist gerade in so hochpolitischen Betätigungsfeldern wie der Raumfahrt mehr als wichtig, um den erwarteten Nutzen einer Mission und ihre voraussichtlichen Kosten in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen. Auch wenn dabei das eine oder andere Prestige-Projekt "den Bach hinunter schwimmt". Oft haben sich Missionen, die relativ bescheiden angedacht, aber gut ausgeführt wurden, wesentlich nützlicher gezeigt als protzige Superprojekte, die mangels ausreichender Untermauerung an teils lächerlichen Kleinigkeiten scheiterten.
    Ich teile die Ansicht von Herrn Althaus daher nur begrezt, dass die Aussichten für die Weltraumforschung insgesamt trübe sind. Neue "Player" tauchen in der Szene auf, und sicher wird derzeit manches altgewohnte Porzellan zerschlagen. Aber wie war das - 'Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt' … Manchmal liegt auch im Innehalten und der Rückbesinnung auf das Wesentliche die Kraft, einen neuen Fokus zu finden und dann mit erstarktem Elan neu anzufangen.
  • Ende mit Schrecken - oder Schrecken ohne Ende?

    23.09.2011, Dipl.-Ing. Jörg Woker, Bad Ems
    Man mag dem Verfasser nachsehen, dass die Erwartungshaltung bei Nachrichten zu den Prestigeprojekten der US-amerikanischen Raumfahrt in den letzten Jahren zunehmend düster ist, doch bei allem Respekt: Was sich da auftut ist ein reines Desaster. Leid können einem die Wissenschaftler, aber auch die Zulieferer tun, die seit langem am Gelingen des ambitionierten Projekts arbeiten. Doch daran zu glauben, dass das JWST jemals den Boden verlässt fällt zunehmend schwerer. Und es dann noch als sinnig zu betrachten, wenn es denn abheben sollte, vielleicht noch mehr. Wie kann es sein, dass sagen wir, irgendwann 10 Mrd. $ für ein Projekt aufgewendet werden, das gerade einmal 5 Jahre laufen kann, Service wegen unerreichbarkeit ausgeschlossen ist, und de facto alle anderen Aktivitäten der Raumforschung dafür im Nirvana verschwinden? Ähnlich wie bei den um Dimensionen an der Realität vorbei geplanten Nasa-Projekten zur bemannten Raumfahrt sollte ein grundlegendes Zurückführen zum Machbaren und ein auch wissenschaftlich sinniges Gesamtkonzept zur extraterrestrischen Forschung die Grundlage sein, auf der man sich die vorausliegenden Projekte ansieht, ihre Risiken und Nutzen abwägt und dann gegebenenfalls neu aufbaut. Mag eine neu zugeschnittene Mission eines JWST II möglicherweise anders aussehen, vielleicht nicht zum L2 fliegen sondern in einem Erdorbit bleiben - auf jeden Fall muss das Projekt aus den Schlagzeilen. So wie es ist, entwickelt es sich zum Negativ-Fanal der wissenschaftlichen Raumfahrt. Und das braucht, wenn wir ehrlich sind, niemand.
  • Das wäre ein herber Rückschlag

    16.09.2011, Rainer Höveler
    Wenn das James Webb Space Telescope nicht genehmigt würde, wäre das ein herber Rückschlag für die gesamte Astronomie. Das Ende von Hubble steht ja schon fest. Es bliebe dann nur noch die Beobachtung von der Erde aus, mit all ihren atmosphärischen Störungen. Wir müssten auf schöne Bilder à la Hubble verzichten.
    Hoffentlich kommt es nicht so weit.
  • Mysteriöse historische Kometenbeobachtungen

    08.09.2011, Göran Johansson
    Ich stehe vor einem Problem, von dem ich glaube, dass es mit Regiomontanus in Nürnberg verknüpft ist. Alexandre Pingré veröffentlichte 1783 seine berühmte "Cométographie". Der vermutlich älteste Eintrag in seiner Liste von historischen Kometensichtungen lautet: "Drei Tage vor dem Tode Methusalems war ein großer Komet im Sternbild der Fische zu sehen, unterhalb des Planeten Jupiter. In einem Monat oder 29 Tagen lief er durch alle 12 Zeichen des Tierkreises und verschwand am 16. April." Die jüngsten Einträge stammen aus dem 15. Jahrhundert.

    Ungefähr 100 Einträge in Pingrés Liste sind unerklärlich, insoweit sie nicht in bekannten antiken oder mittelalterlichen Quellen zu finden sind. Pingré verweist auf Quellen, die in Deutschland gedruckt wurden. Aus verschiedenen Indizien schließe ich, dass die Autoren dieser Quellen ihre Angaben letztendlich aus einem Manuskript zogen, das mit Regiomontanus zu tun hat. Wahrscheinlich ist es ein byzantinisches astrologisches Werk. Da die Beschreibungen sehr kurz sind, handelt es sich bei ihnen möglicherweise um Fußnoten in einem bereits bekannten aber bisher unbeachteten Manuskript.

    Mein Problem ist nun, dass ich griechische und lateinische Texte nicht im Original lesen kann. Deshalb suche ich Hilfe. Leider gibt es nur wenige Leute, die an Regiomontanus und mittelalterlichen Manuskripten interessiert sind. Vielleicht gibt es unter den Lesern von SuW Leute, die meine Indizien nutzen und zur Aufklärung der mysteriösen Kometenbeobachtungen beitragen können.

    Wer etwas mehr Information über meine Indizien haben will, der kann entweder mich direkt kontaktieren (Adresse siehe unten) oder zunächst den ausführlicheren englischen Text zu meinem Problem lesen, den ich unten anhänge.


    Göran Johansson
    Tordönsvägen 4 G, 1tr
    SE-222 27 LUND
    Schweden


    The following book has put me in a frustrating situation. A.G. Pingré, 1783, Comètographie ou Traité historique et Théorique des Cometes, Imprimerie royale, Paris, tome I.

    Pingré mentions many early comets. In some cases he gives reference to some text from Classical Antiquity. But when he can't give reference to some known text from Classical Antiquity, he instead gives reference to some early printed book. The following is the earliest record, as translated into English, from page 244 in Pingré's book. "Three days before the death of Mathusalem, a big comet could be seen in the constellation Pisces, below the planet Jupiter, in one month or 29 days, it went through the dozen of signs in the zodiac, it disappeared 16 of April."

    For many of the records, it is mentioned in what constellation the comet was seen, often also the duration but rarely the time of the year. And only constellations in the Zodiac are mentioned. There are roughly 100 records which are unexplainable. The youngest ones are from the 15th century.

    The problem is: What is the source for these comet records?

    I have tried to find whatever relevant that has been published. Which means that I have read the following books, and several more: Leandro Cantamessa: Astrologia opere e stampa. Milano 2007, Sara Schechner Genuth: Comets, Popular Culture, and the Birth of Modern Cosmology. Princeton 1997, Claudia Brosseder: Im Bann der Sterne. Philipp Melanchthon, Caspar Peucer und andere Wittenberger Astrologen. Berlin 2004, Paola Zambelli: Astrologi hallucinati. Stars and the End of the World in Luthers' Time. Berlin 1986, Günther Wartenberg and Hans-Peter Hasse : Caspar Peucer (1525 - 1602), Wissenschaft, Glaube und Politik im konfessionellen Zeitalter, 2004, Lynn Thorndike, A history of Magic and Experimental Sciences, Ernst Zinner, as translated by Ezra Brown: Regiomontanus: His life and work, Amsterdam 1990

    If somebody can tell me about any relevant modern text which I have missed, that would be nice.

    In practice Pingré borrowed these items from the following four books:

    Georgii Caesii, Catalogus omnium Cometarum, Norimbergae 1579 or 1589

    Davidis Herlicii, Descriptio Cometae, 1607

    Abrahami Rockenbackii, exempla Cometarum = De cometis tractus novus methodicus, Witebergae 1602/1619

    Henri Eckstormius, un Traite des Cometes, 1621? (presumably the book Historiae eclipsium, cometorum et parheliorum)

    The following books are also mentioned by Pingré, but one person who tried to help me stated that these authors in practice borrowed from those four mentioned right above:
    Johannes Hevelius, Cometographia, Gedani 1668

    Stanislaw de Lubienietz, Theatri Cometici pars Posterior, Lugduni-Batavorum 1666-1668

    Joanne Zahn, Specula Physico-Mathematico-Historica, Norimbergae 1696


    Lubienitz's book says that the first three persons to mention the Flood comets were Caesius, and Caspar Uttenhofer (presumably his book Judicium de nupero Cometa Astrologo Historicum, 1619), anonymnous Nürnberg mathematician (astrologer?)

    Since the books by Caesius and Uttenhofer were published in Nürnberg, the last author is possibly the same as one of those, even though it is written in such a way that I would prefer to assume that the anonymnous author was Zahn. The statement is also problematical since both Herlitz and Rockenback were published before Uttenhofer.

    Schechner Genuth's book told me that at least the Flood comet was also mentioned in: Conrad Dieterich, Ulmische Cometen-Predigt, 1618/1620

    I don't know Latin so I am the wrong person to read those early printed books, but if those authors had mentioned some known text from Classical Antiquity, Pingré would have told so. As far as I understand the situation, none of these authors mentioned where they found those records.

    To solve the problem, I try three different approaches.

    1. I have tried to find out what the authors had in common. This has given me the impression that the solution should be among the Wittenberg astrologers. Preferably Phillipp Melanchthon or Caspar Peucer.

    2. In 1524 many astrologers discussed the possibility that there would be a Flood, which would had given an ideal opportunity to discuss Noah's comet.

    But since I don't know Latin, I am the wrong person to check early printed books, so this has not helped me to solve the mystery. So I try a third possibility.

    3. Some details in the records have given me the impression that we are dealing with a text written in Greek, and presumably translated into Latin after the fall of Constantinople in 1453. So a prime suspect is cardinal Bessarion who was in contact with the astronomers Georg Purbach and Regiomontanus. And some of the Wittenberg astrologers used Regiomontanus's manuscripts. Bessarion's manuscripts are preserved in Biblioteca Marciana in Venezia, and a lot has been published, but I know neither Greek nor Italian, so I have not been able to check.

    Taking into account the differences between what the authors say, I would prefer to believe that we are dealing with a text written by somebody who used Arabic rather than Roman numerals. Regiomontanus was one of few 15th century scholars who both wrote in Greek and used Arabic numerals.

    There is also a logical reason why Regiomontanus would be related to these records. Regiomontanus wanted to measure distances to comets, so he needed positions. So a list with comets with known positions would had been interesting for him, even though the positions are very crude.

    After Regiomontanus died in 1476, his unpublished manuscripts were preserved in Nürnberg, which is the place were the unidentified records were first published. Caesius admits to have borrowed from Regiomontanus, but he doesn't give any details. And Zahn, who was the last to publish the comets is also related to Nürnberg.

    Yes, I understand a problem with suggesting Regiomontanus. Johannes Schöner tried to earn as much money as possible by printing works attributed to Regiomontanus, and he had access to the manuscripts left when Regiomontanus died. Schöner died in 1547. If Schöner didn't publish the comet text, then he probably didn't know about it.

    But, but, but. I feel that I have a number of clues which probably point in the right direction.

    From Cantamessa's book I discovered one thing. The time distribution for publishing astrological works is highly uneven. Those authors who published the unidentified comet records were active when the demand was largest for omens found in old manuscripts. So the source for the unidentified comet records may easily have been known both long before Caesius and long after Zahn.

    Brosseder mentions two interesting details in her book:
    Page 87: Schedel's Weltchronik (published in Nürnberg) mentions that in 1472 there appeared a comet in January in Taurus which was visible for 80 days. A record written in the same way as those mentioned above. Page 148: Camerarius found in Nürnberg a wonderful manuscript copied by Regiomontanus.

    Zinner mentions some interesting details in his book:
    Page 24: There was important German work in 16th century if the future can be predicted by planetary positions, conjunctions respectively comets. And the comet records in Pingré are written in such a way that I have the impression that we should look for the solution in some astrological manuscript.

    Pages 129-130: A prophecy has been falsely attributed to Regiomontanus since the middle of the 16th century, namely that the end of the world would come in 1588. The prophecy was written in Latin by the monk Johann Hilten from Eisenach und spread by Stöffler in German quatrain. I can easily imagine that Caesius checked Regiomontanus's manuscripts in order to find that prophecy, and instead found the comet list.

    Page 224: Catalogus Codicum Astrologorum Graecorum VII. Codices Germanicos descripsit Franciscus Boll. Brussels 1908. Item 42 is codex Norimbergensis. Bessarion and Regiomontanus are mentioned. The manuscript includes Tetrabiblos. I tried to find somebody who was willing to investigate the Greek text. But I was told that: 1. Nothing was noticed in 1940 when the manuscript was used in the creation of a modern edition of the astrological book, and: 2. It would take a week for somebody who knows Greek to go through the text.

    I don't know if the comets are in codex Norimbergensis. Or in some other surviving manuscript. But I think there is enough evidence for somebody to start a search.

    I would not be surprised if the text we are looking for was very short. It may be as little as 20 kilobytes. And it may easily have been unedited also. I can easily imagine that we are dealing with footnotes in the margins to some manuscript.

    I have also been thinking about another possibility. Regiomontanus died in Rome, visiting the pope for correcting the calendar. I can imagine that he had the comet text with him when he died. Decades later, somebody interested in Regiomontanus contacted the Vatican library. Due to this, the comet text, or a copy of it, was sent to Nürnberg. If the text reached Nürnberg no earlier than the mid 16th century, it would explain why Schöner didn't publish it.

    Yes, I know that many early printed books and Mediaeval manuscripts have been uploaded on the internet. And I know that catalogues for libraries and archives are also on the internet. I also know that microfilm copies of Mediaeval manuscripts can be purchased. But it doesn't help me since I am the wrong person to read old texts. Neither do I have any assistant who is willing to read old texts.
  • Buchrezension Sven Piper "Exoplaneten"

    04.09.2011, Dr.Dieter Horand, 41372 Niederkrüchten
    Schade, dass die Rezension von Carolin Liefke nicht früher erschien. Ich hatte mir das Buch wenige Wochen zuvor gekauft.

    Frau Liefkes Kommentar "Das Buch kommt leider kaum über das Niveau der Berichterstattung in einer Tageszeitung hinaus" ist fast eine Beleidigung aller Tageszeitungen.

    Dieses Buch ist ganz einfach Schrott, und der Preis (24,95 Euro) ist eine absolute Frechheit. Eigentlich müsste man das Geld vom Verlag zurück verlangen, zumal das Buch nicht nur "schlecht" (Zitat Carolin Liefke), sondern absolut miserabel lektoriert ist.