Lesermeinung - Sterne und Weltraum

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • 40 Jahre Pioneer 10, SuW 4/2012, S. 13

    31.03.2012, D. Schisler
    Bei meiner Frage geht es um die goldene Metallplakette die auf der Sonde angebracht ist oder besser gesagt um deren Inhalt.
    Es geht um die dortige Position der Sonne in Bezug auf das galaktische Zentrum und 14 Pulsaren.
    Pulsare werden doch sogenannte kosmische Leuchttürme genannt, und um sie zu sehen muss man schon in der Sichtlinie sein. Nun sagen wir mal, dass irgendeine außerirdische Lebensform in ein paar Lichtjahren Entfernung die Sonde entdeckt und versucht, die Tafel zu entschlüsseln. Dann sind eigentlich die Pulsare keine geeigneten Objekte, um zu zeigen wo wir uns befinden. In ein paar Lichtjahren könnte man einige wenn nicht sogar alle dieser Pulsare, die man bei uns beobachten kann, gar nicht sehen, weil sie sich gar nicht mehr in der Sichtlinie befinden. Oder?
    Antwort der Redaktion:
    Im Prinzip richtig. Allerdings liegen die Öffnungswinkel der Kegel, die von dem "Leuchtturm-Strahl" überstrichen werden, typischerweise in der Größenordnung von 30 Grad und die Pulsare typischerweise in Entfernungen von Kiloparsec (tausenden von Lichtjahren). Das heißt, dass die selben Pulsare zwar nicht überall in der Milchstra"se, aber doch immerhin über viele hunderte von Lichtjahren beobachtbar sind. Das größere Problem sehe ich darin, dass die Sonde Dutzende bis hunderte von Millionen Jahren braucht, um interstellare Distanzen zu durchlaufen und die reelle Chance zu gewinnen, in die Nähe eines anderen Sterns/Planeten zu kommen. Und bis dahin werden sich sowohl die relativen Lagen als auch die Frequenzen der Pulsare stark geändert haben.


    Ulrich Bastian
  • Plasmatornado auf der Sonne

    30.03.2012, magicpen
    Man sieht den Sonnenkörper langsam rotieren. Welchem Zeitraum entsprechen die 20 Sekunden des Videos in Realzeit?
    Antwort der Redaktion:
    Die Dauer des Videos in Realzeit beträgt zwölf Stunden.
  • Magnetfelder von Neutronensternen

    28.03.2012, Gerhard Scholtze
    Neutronensterne oder Pulsare haben ein extrem starkes Magnetfeld. Magnetfelder werden durch bewegte Ladungsträger, Elektronen oder Protonen verursacht. In einem Neutronenstern werden aber diese Ladungsträger zu Neutronen verschmolzen. Die Frage lautet daher, woher bezieht der Neutronenstern seine Magnetfelder, wenn er hauptsächlich aus Neutronen besteht?
    Antwort der Redaktion:
    Das ist eine sehr kluge Frage. Die Antwort ist jedoch in der Fragestellung bereits angedeutet: Sie liegt in dem Wort "hauptsächlich". Ein winziger Anteil des Materials besteht eben nicht aus Neutronen, sondern es gibt auch Protonen und Elektronen (hauptsächlich in den Außenbereichen) und Pionen (im Kern). Diese halten das Magnetfeld aufrecht, das schon vor der Bildung des Neutronensterns vorhanden war und durch den Kollaps des Vorläuferobjekts lediglich verstärkt wurde.
  • Konjunktion

    25.03.2012, Joachim Stingl
    Auch heute sind die beiden Planeten sehr schön sichtbar - zusätzlich noch eine tolle Mondsichel. Leider habe ich keine Möglichkeit, durch meinen Meade-Refraktor ein Foto zu machen. Daher nur ein Schnappschuss vom iPhone aus: http://m.flickr.com/photos/arandielle/6868981582/lightbox/
  • Keine "verschlüsselten Botschaften" bei Galilei

    24.03.2012, Prof. Dr. Hartmut Genest
    In unserer Enthüllungsgesellschaft wird immerzu etwas enthüllt oder ent- schlüsselt. Nun hat sich sogar "Sterne und Weltraum" diesem Trend geöffnet: Im Heft 1/2012 als Schlagzeile und redaktionell sanktionierte Spitzenmeldung: "Galileos O". Aber das Ganze ist keine tiefsinnige "metaphorische Verknüpfung" Galileis, sondern eine Schlamperei der Drucker. Des Pudels Kern ist ein verdoppeltes und dann verdrehtes "O" in Titel und Text, aus dem mit Phantasie und Kunst ein bewunderndes "l’O di Giotto" heraus - besser: hineinexegesiert wird.

    1. Zur Verdopplung des Namens
    Zunächst fällt auf dem Titelblatt des "Sidereus Nuncius" die Verdopplung des Vornamens Galileis auf (das O allein wird ja nicht verdoppelt). Die einfachste Erklärung dafür ist ein Druckfehler (Dittographie), der in der Eile des Druckens übersehen wurde und den auch Galilei vor dem Erscheinen des Buches nicht korrigierte. Erst nachträglich brachte er auf dem Dedikationsexemplar für die Accademia dei Lincei (SuW, S.44) eine handschriftliche Korrektur mit dem berichtigten Namen an: "Dies habe ich, Galileo Galilei, gemacht." Dieser Satz hat keinen Sinn als Widmung, sondern nur als Korrektur (vgl. SuW, S. 43 unten links). Immerhin hat der Druckfehler auf dem Titelblatt Leser irregeführt, wie ein Brief bezeugt, in dem Galilei als "Herr Galileo" bezeichnet wird (Galilei, Bd II, S.24f.).

    2. Zu "Galileis O"
    Sodann wird das O auf dem Titelblatt mit dem Oval identifiziert, das später im Text für den Planeten Jupiter steht. (SuW, S. 50f.). Aber auch das ist - zwar kein Druckfehler aber - ein Fehler des Druckers: Das Oval war damals gar nicht nötig, da die Abplattung des Jupiters erst Ende des 17.Jahrhunderts durch Cassini entdeckt wurde. Galilei hat den Jupiter gar nicht als Oval, sondern als Kreis gesehen, wie aus dem Faksimile seines Beobachtungstagebuches (Galilei, I,132f.) deutlich wird [vgl. Galileis Bemerkung "eine ovale Bewegung … scheint unvorstellbar und in nichts zu dem Beobachteten passend" Galilei, I, 143].
    Dabei fällt auf, daß das gedrehte Oval im gedruckten Text im Widerspruch zu den kleineren Kreisen im Beobachtungstagebuch steht. Wie kam dieser Fehler zustande?
    Man kann mit dem Astroprogramm "Redshift 7" sehr bequem die ganze Beobachtungsreihe Galileis nachvollziehen und mitmessen. So etwa die Stellungen von Planet und Monden am 22. Januar 1610 (Galilei I,129. vgl. StuW, S.49): Kallisto – Jupiter – Io – Europa – Ganymed. Der Durchmesser des Planeten beträgt rund 41 Bogensekunden, die Distanz Io-Europa rund 39 Bogensekunden. Damit erweist sich das im Druck verwendete Oval als viel zu groß. Immerhin fällt auf, daß Galilei keine Angabe zum Durchmesser des Planeten macht. Sollte er es so aus ästhetischen Gründen haben stehen lassen? Für einen Naturwissenschaftler kaum glaublich. Aber noch etwas anderes kann erwogen werden: Auf dem Titelblatt folgt auf den Namen "Galileo Galileo" in der nächsten Zeile der Ausdruck "Patritio Florentino" in deutlich kleinerer Schrift. Das "o" hier entspricht etwa der Größe des Planeten in Galileis handschriftlichem Beobachtungsprotokoll und nähert sich der Kreisform. Diese Letter ist entschieden die geeignete, um den Sachverhalt angemessen darzustellen. Warum wurde sie nicht gewählt? Sollte hier der eigentliche Fehler des Druckers liegen? Aber als Galilei ihn bemerkte, war es wohl schon zu spät: Zwar hätte man schnell ein neues Titelblatt drucken können – aber nicht ein ganzes Beobachtungstagebuch! So etwa könnte man sich die Vorgänge plausibel vorstellen – ohne nach "metaphorischen Verknüpfungen" zu greifen! Vielleicht sollte sich StuW doch nicht in die Welt der Hermeneutik begeben, sondern mit der Hermeneutik der Welt beschäftigen!
  • Marsfoto von Michael Jurkschat

    24.03.2012, Markus Kraffczyk
    Sehr anständiges Ergebnis! Meinen Glückwunsch!
    MfG
  • Marsfoto von Michael Jurkschat

    19.03.2012, Christian Wellmann
    Top Ergebnis! Mir gefällts.
  • sehr schöne Aufnahme von M1

    15.03.2012, R. Schmidt, Frankfurt
    Die Aufnahme ist ihm sehr gelungen.
  • Guter Beitrag

    08.03.2012, Michael
    Danke für den guten Hinweis. Dann muss nur noch das Wetter mitspielen.
  • "Apollo 15 auf der Spur" - sind die Spuren echt?

    08.03.2012, Holger Marten
    In ihrem Online-Beitrag vom 6. März 2012 zeigten sie ein schönes Bild der Landestelle von Apollo 15 auf dem Mond. Obwohl man auf diesem Bild erkennen kann, dass sich dort etwas befindet, was kein Naturphänomen oder ähnliches sein kann, gibt es immer noch Menschen, die eine Landung auf dem Mond für nicht durchführbar hielten und daher an eine Manipulation seitens der Amerikaner glauben. Da das natürlich Unsinn ist, stelle ich mir trotzdem die Frage, wie man denn nun eigentlich einen rationalen Beweis für eine Landung auf dem Mond antreten kann, um Zweiflern und Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn kurz mal auf dem Mond vorbeifliegen und selbst nachsehen geht ja nicht unbedingt. Und auch über die aktuellen Bilder vom LRO gibt es schon Manipulationsgerüchte. Es nervt einfach, wie versucht wird, überall eine Verschwörung zu sehen. Gibt es wissenschaftliche Beweise, die nicht wegzudiskutieren sind?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Marten,

    es gibt mehrere starke Argumente gegen angeblich simulierte Mondlandungen:

    Der Kalte Krieg in den 1960er und 1970er Jahren, bei dem sich die USA und die damalige Sowjetunion feindlich gegenüberstanden: Hätten die Sowjets seinerzeit mit ihren eigenen Raumfahrt-Empfangsanlagen nachweisen können, dass vom Mond keine Funksignale der gelandeten Astronauten kommen, wäre dieser Triumph einem militärischen Sieg nahegekommen.

    Auch auf den Bildern der chinesischen Raumsonde Chang'e-2 fanden sich Hinweise auf die Mondlandungen, so dass ein Manipulationsvorwurf gegen die Aufnahmen der US-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter absurd ist.

    Die auf dem Mond eingesammelten rund 381 Kilogramm Mondgestein: Proben dieser Gesteine wurden weltweit von hunderten von Wissenschaftlern untersucht und sie zeigen Eigenschaften wie chemische Zusammensetzung, radioaktive Alter und Mineralbestand, die sich auch bei großem Aufwand nicht fälschen lassen. Zu dieser Zeit standen der NASA übrigens keine unbemannten Raumsonden zur Verfügung, um Gesteinsproben vom Mond zu entnehmen und zur Erde zurückzuschaffen. Dies ist bislang nur mit den russischen Luna-Raumsonden gelungen, die aber jeweils nur wenige hundert Gramm Mondgestein zur Erde transportieren konnten.

    Dr. Tilmann Althaus, Redaktion "Sterne und Weltraum"

  • Positiv geladene Sonne?

    07.03.2012, Franz Großmann
    Sehr geehrte Damen und Herren von „Sterne und Weltraum“,
    ich unterrichte am Gymnasium Überlingen u.a. das Fach Astronomie. Gerne lese ich immer wieder Ihre astronomische Zeitschrift und dabei auch die Leserbriefe. Nun möchte ich eine fachliche Frage an Sie richten, die mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt.

    Wie wir wissen bläst die Sonne ständig den Sonnenwind ins All. Dieser beinhaltet u.a. Protonen und Elektronen. Unabhängig von der Ursache dieses Windes, erhalten genannte Teilchen Energie, die im Wesentlichen doch kinetische Energie ist, welche proportional ist zur Teilchenmasse und zum Quadrat der Teilchengeschwindigkeit. Ich gehe davon aus, dass viele dieser Teilchen eine Geschwindigkeit erhalten, die größer als die Fluchtgeschwindigkeit der Sonne ist. Sie sind somit im Prinzip in der Lage, das Sonnensystem ein für allemal zu verlassen. Nun ist das Proton grob 2000-mal massereicher als das Elektron. Also hat es – bei gleicher kinetischer Energie – eine erheblich geringere Geschwindigkeit als das Elektron. Daraus folgt doch, dass deutlich mehr Elektronen die Fluchgeschwindigkeit erreichen oder überschreiten als Protonen. Dies wiederum bedeutet eine zunehmende positive Ladung der Sonne, bis schließlich die Coulombkräfte ein neues Gleichgewicht herstellen. Also: Die Sonne – und im Übrigen auch die Sterne! – müssten doch eine gewisse positive Überschussladung tragen, was aber nach meiner Kenntnis nicht der Fall ist. Wo liegt mein Denkfehler bzw. wie verhält es sich mit dem Sonnenwind?

    Mit freundlichem Gruß
    Antwort der Redaktion:
    Einen Denkfehler hat Herr Großmann nicht begangen. Er ist lediglich von etwas falschen Voraussetzungen ausgegangen. Der Sonnenwind ist ein Gasstrom, in dem alle Teilchen die gleiche Geschwindigkeit besitzen, also die Protonen zweitausendmal mehr kinetische Energie. Und es sind nicht "viele" dieser Teilchen, die die Fluchtgeschwindigkeit ereichen, sondern alle.



    Seine dahinterstehende physikalische Überlegung ist aber völlig richtig. Wenn das kein Abströmen, sondern ein Verdampfen wäre, dann würden mehr Elektronen schneller entweichen - und die Sonne wuerde ein klitzekleines bisschen positiv geladen. Aber wirklich nur ein klitzekleines bisschen. Denn die elektrostatische Anziehung würde blitzschnell jeglichen Gasdruck und jegliche gravitativen Unterschiede ausgleichen. Die elektrostatische Anziehung ist nämlich eine ungeheuer starke Kraft.



    Und jetzt kommt's: Wieso verdampft die heiße Korona nicht, sondern strömt neutral und geordnet ab?
    Genau wegen der elektrostatischen Anziehung zwischen Elektronen und Protonen. Die heissen Elektronen würden ja gerne schneller entweichen als die genau so heißen (und deshalb langsameren) Protonen. Aber sobald sie das versuchen, werden sie von den Protonen elektrostatisch gebremst und können im Endeffekt nur so schnell weg wie die Protonen mitgehen. Die Elektronen schaffen es nicht mal, den Protonen auch nur um einen Meter vorauszueilen, aber ein klitzekleines bisschen hinken die Protonen tatsächlich hinterher.



    Um diese paar Ecken rum hat Herr Großmann also vollkommen recht. Die Sonne ist ein klitzekleines bisschen positiv geladen. Aber es ist für alle praktischen und astrophysikalischen Zwecke völlig irrelevant.



    Herzliche Grüße,
    Ihr Leserbriefredakteur,
    Ulrich Bastian
  • IceMole - Ein Maulwurf für Enceladus

    05.03.2012, siggi exner
    Wie will man eigentlich verhindern, dass das Verbindungskabel während des Abstiegs in weit über 100 Meter dicken Eis einfriert? Das Schmelzwasser des IceMole wird doch in das Bohrloch gedrückt. Dort müßte es doch bei diesen tiefen Temperaturen recht schnell wieder gefrieren.
    Antwort der Redaktion:
    Ein Einfrieren des Verbindungskabels wäre nicht weiter schlimm, da der IceMole ja nicht wieder zur Muttersonde zurückkehren soll. Das Gerät führt seine Untersuchungen vor Ort im Eis oder im Wasser durch. Dabei ist nur wichtig, dass Strom durch das Kabel zum IceMole fließen kann und Messdaten zur Muttersonde übertragen werden. Dies ist auch über ein fest eingefrorenes Kabel möglich.

    Tilmann Althaus, Redaktion "Sterne und Weltraum"
  • Sonnenaktivität: verwirrende Darstellung

    03.03.2012, Hubertus Woehl, Freiburg
    Es ist korrekt, dass in der monatlichen SuW-Seite "Sonnenaktivität aktuell" immer wieder auf die starken Schwankungen der Sonnenaktivität hingewiesen wird. Zuletzt (SuW 2/2012, S.64) wurde auch betont, dass über längere Zeiträume gemittelt werden müsse, um Trends im Aktivitätszyklus der Sonne festzustellen. Die SIDC-Daten, die in den dazugehörigen SuW-Graphiken verwendet werden, sind aber Monatsmittelwerte und nicht geeignet, mit "Prognose"-Daten verglichen zu werden. Sie geben ein verwirrendes Bild, weil die "Prognose" scheinbar falsch ist.

    SIDC (sidc.oma.be) liefert auch gleitend gemittelte Monatswerte (über 13 Monate mit halber Gewichtung des ersten und letzten Wertes), die seit Jahrzehnten von Sonnenforschern verwendet werden, um Trends der Aktivität festzustellen und Prognosen zu erstellen. Mit dem dort zuletzt gegebenen Wert von 53.2 für Juni 2011 sind viele der Prognosen für den Verlauf des 24. Zyklus noch vereinbar.

    Wie sich der Abfall der Sonnenaktivität am Ende des 23. Zyklus, im Minimum und nun im Anstieg des 24. Zyklus im Vergleich zu den Jahren um die Minima der vergangenen 10 bzw. 20 Zyklen verhält, wird - monatlich aktualisiert - von mir hier gegeben: http://www3.kis.uni-freiburg.de/~hw/whatsnew.html

    Der Abfall und insbesondere der Anstieg zeichnen sich durch niedrige und sich sehr monoton ändernde gleitende Mittelwerte aus.
  • Startdatum SpaceX/Dragon

    01.03.2012, Tim
    Hallo SuW Redaktion,

    Das Startdatum der SpaceX-Demo wurde leider erneut wegen technischer Probleme verschoben. Der neue Termin ist der 30. April, dies entspricht einem Andocken an die ISS am 2. oder 3. Mai.

    Gruesse,

    Tim
  • Nebra-Scheibe: Einfach nur Sonne, Mond und Sterne?

    28.02.2012, Hartmut Genest
    Sowohl in einzelnen Beiträgen in "Sterne und Weltraum" als auch im Ausstellungskatalog "Der geschmiedete Himmel" wird von W. Schlosser bzw. B. Steinrücken eine Deutung der Nebraer Himmelsscheibe gegeben, die davon ausgeht, daß auf der Scheibe der Mond in zwei Phasen, die Plejaden und Einzelsterne sowie andere Elemente dargeboten werden. An diese Voraussetzungen werden weitreichende astronomische Deutungen geknüpft. Ich halte diesen Ansatz für einen Holzweg und möchte eine Deutung skizzieren, die davon ausgeht, dass auf der Scheibe Sonne, Mond und Sterne sowie weitere Elemente dargestellt sind.


    Die ursprüngliche Scheibe (Phase I) war eine kunstvoll geschmiedete wertvolle Weihegabe, die das wiedergab, was eben am Himmel zu sehen ist und was noch heute jedes Kind. weiß: Sonne, Mond und Sterne. Da der Himmel für die Erde in Theorie und Praxis von großer Bedeutung war, lag es nahe, eine solche ästhetisch-symbolische Darstellung als Gabe an einen Priester oder Fürsten, die ja die Verbindung von Himmel und Erde vermittelten, anzufertigen und zu überreichen. Wenn das so ist, dann war diese Scheibe keine Sternkarte und auch kein Kalender sondern wurde im Palast oder im Heiligtum abgelegt, zu didaktischen Zwecken in der Hand gehalten oder bei kultischen Riten über dem Kopf getragen.


    In einer landwirtschaftlich orientierten Kultur war die golden strahlende Sonne die Regentin des Tages, der wechselnde Mond bestimmte die Nacht. Auch das Jahr bzw. der Monat oder die Wochen wurden durch diese Gestirne angezeigt. Bis heute ist die Beobachtung der schmalen Sichel des zunehmenden Mondes als Zeichen des Beginns des neuen Monats (etwa im Islam) wichtig. Nur diese schmale Sichel zeigt das Phänomen des aschgrauen Mondlichtes und der Überstrahlung (Irradiation) der Mondscheibe (Vgl. AH 3/2005, S. 60 und 71), was zu der größeren Darstellung der Mondsichel beigetragen haben mag. In einer landwirtschaftlichen Kultur kann die Sichtbarkeit der Plejaden als Zeichen für den Beginn bzw. das Ende der Feldarbeiten dienen und darauf beziehen sich die vielen historischen Zeugnisse (zB. Hesiod, Werke und Tage, V.383-391) ohne jede Bezugnahme auf die Stellung des Mondes!


    Eine neue semantische Ebene erreicht die Darstellung auf der Himmelsscheibe, als die seitlichen Horizontstreifen angebracht wurden (Phase II). Hier wird nicht nur der Himmel betrachtet, sondern auch vermessen! So zeigt etwa der Kreisgraben von Goseck eine astrometrische Großanlage, die es erlaubte, die entscheidenden Daten der Sonnenbewegung am Firmament und damit die Jahreszeiten und die Stellung der Sonne zu bestimmen. Einen Reflex dieser Erkenntnisse stellen die beiden Randstreifen der Scheibe dar, umfassen sie doch einen Winkel von ca. 83 Grad, was den Azimutdifferenzen der Sonne am 21. Juni und 21. Dezember ziemlich genau entspricht (ca. 84 Grad). Aber auch dadurch gewann die Scheibe keine neue Funktion (etwa der Peilung), sondern nur eine Ergänzung und Vertiefung des auf der Scheibe dargestellten Weltbildes. Immerhin gab es auf der Scheibe nun etwas anschaulich zu sehen, was man sonst am Himmel nicht sehen konnte: den Lauf der Sonne, wie er sich an ihrer Horizontstellung zeigte. Der kosmologische Gehalt des Weltbildes überschritt das Augenscheinliche und stellte wesentliche kosmische Zusammenhänge dar.


    Die Hinzufügung der Himmelsbarke (Phase III) ist nicht eine irrationale "Mvthologisierung" (H.Meller) der Himmelsscheibe, sondern markiert eine weitere semantische Ebene des Weltbildes: Jetzt wird nach der ‚Dynamik’ des Himmelsgeschehens gefragt: Wie wird das Ganze bewegt? Diese Ur-Kräfte sind natürlich nicht sichtbar oder durch Messung darstellbar, sondern in bestimmter Weise spekulativ. Was bedeuten Himmelswagen oder Himmelsbarke? Zunächst einmal wird hier (im Gegensatz zum Mythos) Unbekanntes, Überirdisches durch bekanntes Irdisches erklärt, was ja eher eine Rationalisierung bedeutet. Und dann ist der Sinn der Kombination von Pferd und Wagen bzw. Ruderer und Barke ja der, daß hier eine lebendige Kraft und eine gebahnte Richtung kombiniert werden, um die gewaltige, aber regelhafte Bewegung der Himmelskörper zu erfassen. Wobei die Barke ein weiteres kosmologisches Element erfaßt: im Himmelsblau zeigt sich der die Erde umfassende Himmelsozean, auf dem die Himmelskörper bewegt werden. Die schließliche Durchlöcherung der Scheibe (Phase IV) deutet wohl auf eine Änderung in ihrer Handhabung: sie wurde befestigt. Dass es so viele Löcher sind und diese auf der Rückseite geglättet wurden, kann man wohl am besten so verstehen, daß die Scheibe auf eine Textilie (ein liturgisches Gewand) genäht wurde und so ihre kultische Verwendung auf einer Amtstracht fand.
    Irgendwann (Phase V) ging der linke Horizontstreifen verloren oder er wurde beseitigt. Eine bewusste Unbrauchbarmachung (vgl. den Sonnenwagen von Trundholm) hätte wohl tiefer in die Darstellung eingreifen müssen. Und die aufrechte 'Beisetzung' der Scheibe in einem Hort zeigt, daß sie sich weiter einer hohen Wertschätzung erfreute.


    So zeigt sich, dass eine Ausdeutung der Scheibe, die von "Sonne, Mond und Sterne..." ausgeht, natürlich und plausibel ist und nichts in die Darstellung hineinliest, was nicht unmittelbar in ihr gegeben ist.



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