Anscheinend handelt es sich bei der Entdeckung überlichtschneller Neutrinos um einen Messfehler, verursacht durch das neuartige GPS-System, das die exakte Flugzeit der Neutrinos bestimmt. In einer Stellungnahme sagt die OPERA-Kollaboration, die das ursprüngliche Ergebnis publiziert hatte, dass sie zwei mögliche Fehlerquellen in dem System identifiziert haben. Sie bestätigen damit eine Meldung auf der Webseite von "Science", dass ein Fehler in einer Kabelverbindung gefunden worden sei. Außerdem gebe es ein Problem mit einem Oszillator, der die hochpräzisen Zeitstempel für Neutrinoereignisse produziert. Die Wissenschaftler hatten im September 2011 Messergebnisse öffentlich gemacht, nach denen Neutrinos aus dem Beschleuniger CERN bei Genf 60 Nanosekunden früher in Gran Sasso eintrafen, als sie mit Lichtgeschwindigkeit für die Strecke gebraucht hätten.
Unter Berufung auf Quellen im Umfeld der beteiligten Wissenschaftler berichtete "Science" bereits gestern, die Ursache des Fehlers sei ein Glasfaserkabel, das einen Computer mit einem GPS-Gerät verbindet. Dieser Teil der Anlage wird für die korrekte Erfassung der Ankunftszeit der Neutrinos benötigt. Nachdem diese Verbindung überprüft worden war, stellten die Forscher fest, dass die Daten 60 Nanosekunden weniger für die Strecke durch das Kabel brauchten als erwartet – demnach könne dieser Fehler die ursprünglichen Messergebnisse vollständig erklären. (Anm. d. Redaktion: In späteren Berichten heißt es, die Flugzeit sei unter Berücksichtigung dieses Fehlers noch kürzer als zuvor gemessen. Wir warten den offiziellen Bericht ab.) Welche Rolle der zweite mögliche Fehler spielt, ist noch unklar – die Kollaboration verweist auf einen ausführlichen Bericht über die Befunde, der in Kürze erscheinen soll. Allerdings betonen die Forscher, dass diese Erkenntnisse bislang vorläufig sind. Die Messungen sollen nun wiederholt werden, sobald ein weiterer Neutrinostrahl zur Verfügung steht.
Viele Forscher hatten bereits gemutmaßt, dass ein technischer Fehler hinter dem Ergebnis steckt, denn gemäß der speziellen Relativitätstheorie sollten Neutrinos nicht schneller fliegen können als mit Vakuumlichtgeschwindigkeit. Einige Mitglieder der Kollaboration hatten sich deswegen dagegen ausgesprochen, das Ergebnis zu publizieren, bevor alle Fehlerquellen überprüft seien. Zusätzlich konnten Theoretiker schon bald zeigen, dass die Energieverteilung der Neutrinos nicht mit der Hypothese der Überlichtgeschwindigkeit vereinbar war.


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1. hm...
22.02.2012, franticich bleibe gespannt....
2. Albert
23.02.2012, ford prefect3. Sixty Symbols
23.02.2012, omnibus56Alle Theorien sind bekanntlich in dem Sinne nur "vorläufig", als dass die Abwesenheit eines sie widerlegenden Experiments nicht beweisbar ist. Das Neutrinoexperiment hätte also durchaus dieses widerlegende Experiment sein können.
Aber bei Sixty Symbols machte sie darauf aufmerksam, dass man bei der Supernova SN1987A die Neutrinos genau zu der Zeit gemessen hatte, die mit "fast" aber unter-lichtschnellen Neutrinos verträglich war. Wären Neutrinos so schnell wie die CERN-Forscher meinten gemessen zu haben, hätten die Neutrinos 3 Jahre früher hier sein müssen.
Diesen Widerspruch fand ich "schlagend".
4. Die Zeitmessung galt früh als kritisch
23.02.2012, Carsten HuchoSiehe auch hier http://www.smarts-club.com/2011/10/relativity-remains-relatively.html
5. Ist auch besser so.
24.02.2012, Luftwaffle6. GPS-Daten?
25.02.2012, Mader JustinDann aber wären die Neutrinos noch schneller gewesen als vermutet. Ein Logikfehler?
Siehe auch http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,8481088,00.html