Etwa drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Tinnitus. Sie hören ein Pfeifen, Brummen, Zischen, Rauschen oder Klopfen – ohne äußere Schallquelle. Während manche sich mit den Ohrgeräuschen arrangieren, leidet etwa jeder Vierte beträchtlich darunter. Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen treten oft hinzu und machen das Leben zur Qual. Über neue Therapiewege berichten die Mediziner Tobias Kleinjung und Berthold Langguth vom Tinnituszentrum der Universität Regensburg in der neuen Ausgabe von Gehirn&Geist (1-2/2011).

Neurologen wissen schon länger, dass Tinnitus nicht im Gehör entsteht, sondern im Gehirn. Allerdings können Hörstörungen durchaus das Klingeln im Ohr auslösen: Jene Tonfrequenzen, die am schlechtesten wahrgenommen werden, entsprechend meist der Tonhöhe des Phantomgeräuschs. Offensichtlich versucht das Gehirn, die fehlenden Signale aus dem Ohr auszugleichen – und schießt dabei übers Ziel hinaus.

Kleinjung und Langguth griffen bei Studien an Patienten in diese Fehlschaltung ein, indem sie die Hörzentren der Betreffenden starken Magnetfeldern aussetzten. Diese Transkranielle Magnetstimulation (TMS) konnte die Beschwerden in einigen Fällen tatsächlich deutlich reduzieren.

Einen anderen Weg beschritten Forscher der Universität Münster: Sie beschallen ihre Patienten mit deren Lieblingsmusik, bei der die Frequenzen rund um den Tinnituston zuvor herausgefiltert wurden. Ähnlich funktioniert ein Tinnitus-Neurostimulator, den das Forschungszentrum Jülich entwickelt hat. Auch hier hören die Patienten exakt eingestellte Schallfrequenzen ober- und unterhalb des Tinnitustons. Beide Methoden zeigten bislang bereits gute Erfolge.

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