Wer sich heute den Doktortitel nicht ehrlich erarbeitet, muss damit rechnen, enttarnt zu werden. Früher aber waren gekaufte akademische Würden durchaus üblich und eine wichtige Geldquelle für die Universitäten. Bis sich Wissenschaftler wehrten.
Ralf Heß
Wer einen Doktortitel trägt, hat viele lange Nächte in dunklen Laboren oder vor dem heimischen Rechner hinter sich. So zumindest war die allgemeine Vorstellung bis zu den Skandalen um die aberkannten Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan. Der Handel mit Doktortitel oder der Verdacht einer allzu leicht vergebenen Doktorwürde sorgt in den Medien immer wieder für einen Aufschrei der Entrüstung. Dabei ist das Phänomen dieses akademischen Titelhandels weder neu, noch wurde es in der Vergangenheit als sonderlich anrüchig betrachtet. Nicht grundlos sagt Ulrich Rasche, Historiker an der Universität Wien, daher: "Der aktuellen Debatte um den Doktorschwindel fehlt die historische Dimensionierung." Mit seinem Aufsatz Geschichte der Promotion in absentia legte er eine Studie vor, in der er die Entwicklung der Promotion untersuchte, und förderte dabei erstaunliches zutage.
Bereits im 18. Jahrhundert wurde an vielen Universitäten die Möglichkeit geschaffen, eine Promotion zu erlangen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen (in absentia). Es genügte eine entsprechende berufliche Stellung zu haben, in der eine akademische Ausbildung vorausgesetzt werden konnte. Der Anwärter...
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