Umfrage | 17.09.2010

Das Chaos in der Ordnung

Die Themen unserer Wunschartikelrunde reichten von Mathematik über Molekularbiologie bis hin zur Pilzforschung und Schmerzmedizin. Chefredakteur Reinhard Breuer berichtet über Ihre Favoriten und gratuliert der Gewinnerin.
Was ist ein Spektrum-Thema? Das werde ich manchmal von Wissenschaftlern gefragt, die sich überlegen, uns einen Artikel anzubieten. Scherzhaft erwidere ich dann: Ein Spektrum-Thema ist eines, das Spektrum-Redakteure dafür halten!

Da klingt zwar flapsig, ist aber nicht völlig verkehrt. Denn was, wenn nicht Themen, die die Interessen und, ja, auch Vorlieben der Redakteure widerspiegeln, bildet die Mischung von Artikeln, die wir Ihnen jeden Monat als Lektüre anbieten? Insofern ist "Spektrum" auch ein Liebhaberstück - ein Stück für die Liebhaber von Wissenschaft.

Was also offerierten wir in dieser 16. Wunschartikelrunde an Themen und wie haben Sie abgestimmt? Eindeutiger Gewinner war der Artikel über experimentelle Mathematik - für mich eine ziemliche Überraschung. Aber vielleicht haben bereits die großen Namen Fermi und Ulam im Titel dazu beigetragen, ein Thema aus der Wissenschaftsgeschichte, in dem es um Chaos und Ordnung vor allem in nichtlinearen Strömungen geht, so hoch zu favorisieren. Jedenfalls erscheint der Beitrag in unserem Novemberheft und berichtet, wie eine Entdeckung aus dem Jahr 1955 die Forscher noch heute in Atem hält und dem Computer einen gleichberechtigten Platz neben Theorie und Experiment in der Wissenschaft verschafft hat.


Mit fast 350 Stimmen machte "Fermi, Pasta, Ulam" das Rennen. Insgesamt votierten 495 Teilnehmer (Mehrfachnennungen waren möglich).

Den zweiten Platz errang sozusagen ein Blick ins Innere der Zellmaschinerie: Es geht um den Energiespeicher ATP. Der hortet aber nicht nur die Energie für die Prozesse im Zellinnern, sondern dient - was weit weniger bekannt ist - zugleich als Botenmolekül und zeigt damit die geniale Multifunktionalität dieser Zellkomponenten. Und vor allem: Dieses zweite Leben des ATP ermöglicht neue Ansätze zur Therapie verschiedenster Krankheiten.

Wie immer war ich neugierig, wer in der Abstimmung als "Absteiger" unterliegt. Nun, leider war es die Trüffel, genau: jene seltene Pilz, der manche köstliche Speise noch köstlicher macht. Ihre Funktion in der Natur liegt natürlich weniger im Kulinarischen, sondern in ihrer Rolle in vielen Ökosystemen. Mal sehen, ob dieser ökologische Leckerbissen wirklich so einfach an Ihnen vorbei gehen sollte. Jedenfalls hätten die Spektrum-Redakteure dieses Thema weit höher platziert - schließlich geht es um ein Liebhaberthema!

Gewonnen hat diese Wunschartikelrunde übrigens Regina Hutsch aus Hannover. Herzlichen Glückwünsch! Wir freuen uns, Sie zu einem Wochenende nach Heidelberg nebst Besuch der "Spektrum"-Redaktion einzuladen!

Reinhard Breuer
Chefredakteur

Diese Themen hatten wir zur Wahl gestellt:
Fermi, Pasta, Ulam und die Geburt der experimentellen Mathematik
Ein Computerexperiment von 1955 war der Ausgangspunkt einer Revolution in der Physik und der angewandten Mathematik: Nichtlineare Systeme enden keineswegs immer im Chaos, sondern können überraschende Strukturen zeigen.

Das Doppelleben des ATP
Das Molekül ATP dient Organismen als universeller Energielieferant für biochemische Reaktionen. Weniger bekannt, aber ebenso wichtig, ist seine Rolle als Botenmolekül, das Informationen zwischen einzelnen Zellen vermittelt. Diese Doppelfunktion eröffnet neue Wege, Krankheiten zu behandeln.

Könnte Maniok die Welternährung sichern?
800 Millionen Menschen ernähren sich weder von Weizen noch von Mais oder Reis: Ihr Grundnahrungsmittel heißt Maniok. Hat die tropische Stärkeknolle das Potential, dem Getreide den Rang abzulaufen?

Das Ende der ewigen Schmerzen
Selbst wenn eine Verletzung bereits geheilt ist, leiden viele Menschen weiterhin unter chronischen Schmerzen. Ein neues Medikament könnte das für die fehlerhaften Schmerzsignale verantwortliche Protein ausschalten und Patienten Linderung bringen.

Die verborgene Welt der Trüffel
Uns gelten sie vor allem als hochgelobte Delikatesse. Dabei verkennen wir, dass die unterirdisch wachsenden Pilze in vielen Ökosystemen eine unerlässliche Rolle spielen - für andere Pflanzen ebenso wie für Tiere.

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