Umfrage | 03.12.2010

Das Wesen der Wenigborster

Sie hatten die Wahl zwischen Evolution und Raumfahrt, Würmern und Botox und auch der Laserforschung. Reinhard Breuer stellt die Ergebnisse der 17. Wunschartikelrunde vor und gratuliert dem Gewinner.

Viele Forscher sagen, die kulturelle Evolution unserer Gesellschaft habe die biologische Evolution des Menschen abgelöst. Das stimmt natürlich nicht, denn warum sollten Moleküle und Zellen und Lebewesen aufhören, sich gemäß den Gesetzen von Mutation und Selektion weiter zu verändern, selbst wenn sich letztere in einen kulturellen Beschleunigungsprozess befinden?

Dennoch lässt sich fragen, wie derzeit die biologische Evolution unsere Art weiter verändert, und ob es nicht doch Rückwirkungen durch unsere Lebensform geben könnte. Damit befasste sich ein Vorschlag unserer 17. Wunschartikel-Runde: "Wie schnell ist die menschliche Evolution heute?" 338 Leserinnen und Leser haben an der umfrage teilgenommen, und fast 62 Prozent der Stimmen (es war möglich, mehrere Artikel auszuwählen) gingen an diesen Beitrag und haben ihn damit auf Platz 1 gehoben.

Ich gestehe, ich hätte auch so abgestimmt – ist dies doch ein Thema, das ich bisher noch nicht wirklich behandelt und diskutiert sah. Also versprochen: Wir tun es, und zwar bald in diesem Theater!

Und noch ein Geständnis: Auf dem zweiten Platz hätte ich mir diesmal etwas ganz anderes gewünscht. Aber dass Sie nun mit mageren neun Prozent die "Regenwürmer" abstrafen? So nicht, Freunde! Denn in dem Artikel, dass kann ich verraten, geht es nicht um lästige Feinde aller Kleingärtner, sondern um ein Lieblingsobjekt von Charles Darwin – eben den Regenwurm! Was der Altmeister der Evolution über diese Wenigborster (ja, so heißt die Ordnung, der sie angehören) einst dachte und was heutige Biologen dazu zu sagen haben – das ist ein lehrreiches Kapitel im Nachdenken über die Natur.

Andererseits bin ich mit Ihrem 2. Platz (45 Prozent) dann doch wieder einverstanden: Es geht um die stärksten gepulsten Laser der Welt und um ihre Zukunft. Der erste Exawattlaser ist bereits geplant und in Europa geht es mit der "Extreme Light Infrastructure" voran. Von solchen Geräten profitiert die physikalische Grundlagenforschung, wenn sie die Wechselwirkung von intensivstem Licht mit Materie untersucht oder Atome kontrolliert fusionieren will. Mit ihnen kann man aber auch ultraschnelle chemischer Reaktionen untersuchen und vieles mehr. Von der Technik, die all das möglich macht, handelt dieser Beitrag. Er zeigt im typischen Spektrum-Stil, wohin die Reise führen wird, wenn es gilt, die Welt von morgen zu erkennen und zu gestalten.



Mit über 200 Stimmen machte das Thema "Evolution" das Rennen. Insgesamt votierten 338 Teilnehmer (Mehrfachauswahlen waren möglich).

Gewonnen hat diese 17. Wunschartikelrunde Stefan Mück aus Wuppertal. Herzlichen Glückwunsch aus der Redaktion – wir freuen uns auf Ihren Besuch in Heidelberg!

Reinhard Breuer
Chefredakteur


Folgende Themen hatten wir Ihnen zur Wahl gestellt. Mehrfachauswahlen waren möglich.

Wie schnell ist die menschliche Evolution heute?
Neue genetische Merkmale haben sich nur in Ausnahmefällen erst kürzlich - also in den letzten Jahrtausenden - in menschlichen Populationen durchgesetzt. Die meisten unserer genetischen Anpassungen sind offenbar wesentlich älter. Selektionsprozesse greifen demnach längst nicht so stark, wie Forscher bisher glaubten.

Der Puls des Lichts
Wann knacken Hochleistungslaser die Exawattgrenze? Eine Geschichte der Laserforschung zeigt, wie es - ausgehend von bescheidenen Anfängen - einige wenige technologische Durchbrüche erlaubt haben, die Leistung der Instrumente alle zehn Jahre zu vertausendfachen. Immer kürzer, immer energiereicher werden ihre Pulse und machen es so möglich, die Bausteine unserer Welt immer genauer zu untersuchen.

Die Eroberung des Sonnensystems
350 Jahre lang waren es vor allem bodenbasierte Teleskope und theoretische Überlegungen, mit denen wir das Sonnensystem erkundeten. Dann begann mit dem Zeitalter der Raumfahrt eine besonders ereignis- und erkenntnisreiche Phase der Forschung. Und heute hoffen wir, dass uns Exoplaneten eines Tages ebenso vertraut sein werden wie es Mars und Saturn schon jetzt sind. Ein Blick auf Vergangenheit und Zukunft der Planetenforschung

Kriminelle Geschäfte mit Botox
Botulinumtoxin ist das wirksamste Gift, das wir kennen. Einerseits wird es in winzigsten Mengen gegen Falten gespritzt, andererseits ließen sich bereits mit einem Gramm über eine Million Menschen vergiften. Als biologische Waffe wird es darum nicht nur von den USA erprobt. Auch Terroristen kämen leicht an die Substanz.

Wie man Regenwürmer aus der Erde lockt

Regenwürmer gehörten jahrelang zu Charles Darwins beliebtesten Forschungsobjekten, sogar in seinem Schlafzimmer durften sie leben. Nun haben Wissenschaftler einige seiner berühmtesten Wurmbefunde akribisch überprüft.





















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