Im Herbst 2005 machte Alan Irvine, Hautarzt am Trinity College in Dublin, eine wichtige Beobachtung. Ihm fiel auf, dass Patienten mit Ichthyosis vulgaris, einer Erkrankung mit trockener und schuppiger Haut, überdurchschnittlich oft auch unter Neurodermitis litten und zu Überempfindlichkeitsreaktionen neigten. Dieser Befund deutete auf einen völlig neuen Erklärungsansatz hin: Waren die allergischen Symptome der Patienten vielleicht von den Hautproblemen verursacht worden? Könnten auch andere Allergien wie Asthma, Heuschnupfen und Lebensmittelüberempfindlichkeiten vielleicht auf Schäden in der Oberhaut zurückgehen – und nicht auf eine fehlgeleitete Immunabwehr, wie bislang angenommen?

Beide Konzepte müssen sich nicht unbedingt ausschließen. Haut- und Immundefekte könnten gemeinsam zum Entstehen von Allergien beitragen. Anscheinend spielt die Haut dabei jedoch die entscheidende Rolle. Darauf deuten mehrere Beobachtungen hin – etwa die, dass Neurodermitiker häufig an diversen Allergien leiden. Deshalb zielen neue Therapien gegen allergische Erkrankungen oft auf Vorgänge in der Oberhaut ab.

Nach herkömmlicher Auffassung haben manche Menschen den Hang, an Allergien zu erkranken, weil ihr Immunsystem erblich bedingt dazu neigt, auf körperfremde Substanzen überempfindlich zu reagieren. Diese genetische Anlage – die so genannte Atopie – beruht demnach vor allem auf der Aktivität von Th2-Lymphozyten und Antikörpern des Typs IgE. Doch schon vor zehn Jahren zeichnete sich ab, dass dieses Bild unvollständig ist …