Impfungen können Nebenwirkungen haben - und Mediziner sollten das immer im Blick behalten. Ein unbegründeter Verdacht darf ihren nüchternen Blick dabei aber nie trüben.
Die Autorin ist freiberufliche Autorin aus Burlingame, Kalifornien
John Salamone ist nun wahrlich kein Impfskeptiker. Er glaubt nicht an dubiose Behauptungen, dass Impfstoffe Gift für Kinder seien oder gar für Autismus und andere Störungen verantwortlich wären. Aber tragischerweise musste gerade er erfahren, dass seltene Nebenwirkungen durchaus auftreten können. Sein Sohn David war 1990 noch ein Baby, als ihm nach einer Polioschluckimpfung die Kräfte schwanden und er zuletzt nicht mal mehr krabbeln konnte. Nach etwa zwei Jahren mit Physiotherapie und Arztbesuchen musste Salamone erkennen, dass der Kleine auf Grund seines gestörten Immunsystems nach der Impfung an Poliomyelitis erkrankt war. "Wir haben ihn damals schlicht mit Polio infiziert", meint Salamone, der inzwischen in Mount Holley in Virginia im Ruhestand lebt.
Eine durch die Impfung ausgelöste Poliomyelitis ist ein bekanntes Impfrisiko, das bei etwa einer von 2,4 Millionen Impfungen, insbesondere bei gleichzeitigen Immundefekten, auftritt. Einen sichereren, inaktivierten Polio-Impfstoff gab es zwar schon damals, aber die Schluckimpfung war billiger, einfacher und angeblich wirksamer gegen Krankheitsausbrüche. In den 1980ern war die Poliomyelitis in den USA fast ausgerottet, und alle neuen Fälle fielen auf den Impfstoff zurück. Salamone und andere Eltern kämpften schließlich dafür, dass in den späten 1990ern in den USA auf eine sicherere Impfstoffvariante umgestellt wurde.
Weil Impfstoffe Gesunden und oftmals Kindern gegeben werden, müssen sie höhere Sicherheitsstandards erfüllen als die meisten pharmazeutischen Produkte. Die tatsächlich abgewehrten Krankheitserreger kann man nicht sehen; und da die Erkrankungen seltener werden, gerät das Ziel der Impfungen häufig in Vergessenheit. Nur die Risiken, so niedrig sie auch sein mögen, bleiben der Öffentlichkeit noch präsent. Zudem gibt...
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