In uns allen schlummert noch der Steinzeitjäger - so lautet das Credo der Evolutionspsychologen. Doch der populären Theorie ist wohl das wissenschaftliche Fundament weggebrochen.
Der Autor ist wissenschaftlicher Projektmanager im Bereich Geowissenschaften an der University of Edinburgh sowie freiberuflicher Publizist (www.science-texts.de)
Weshalb führen wir Krieg, obwohl uns dies mehr schadet als nutzt? Wieso werden wir rot, wenn wir beim Lügen ertappt werden? Warum finden wir den einen attraktiv, den anderen aber überhaupt nicht - gehen aber selbst dann noch fremd, wenn der Traumpartner längst an unserer Seite weilt?
Kurz: Warum ist der Mensch nur so, wie er ist? Die Erklärungen wechseln sich seit Jahrhunderten ab, vor rund zwanzig Jahren fanden Biologen eine Antwort mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit: Merkwürdig sind diese Verhaltensmuster nur, wenn man sie im Kontext unserer heutigen Lebenswelt betrachtet. Schaut man jedoch auf die Evolutionsgeschichte des Menschen, lassen sie sich entlarven als evolutionäre Anpassung an diejenige Umwelt, in der der Homo sapiens einst groß geworden ist.
Zu einem einflussreichen Ansatz wurde diese so genannte Evolutionspsychologie durch das 1992 erschienene Werk "The Adapted Mind" von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby [1, 2]. Seither wurde sie vor allem von Cosmides und Tooby und ihren Mitarbeitern an der University of California in Santa Barbara vorangetrieben. Autoren wie David Buss oder Steven Pinker machten sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt; zahllose Ratgeberbücher fanden in ihr eine ansprechende und oftmals auch sehr großzügig einsetzbare Argumentationsgrundlage.
Ihr Grundgedanke ist dabei durchaus einleuchtend: In den letzten paar tausend Jahren, so die Evolutionspsychologen, habe sich unser Leben rapide verändert - viel zu schnell, als dass die Evolution schritthalten könnte. Und dass unser Gehirn und damit auch wesentliche Aspekte unseres Verhaltens einem biologischen Anpassungsprozess unterworfen waren, bezweifelt ohnehin kaum jemand.
Vier wankende Säulen
Doch um konkrete Aussagen machen zu können, muss die Evolutionspsychologie vier starke Grundthesen annehmen. Und genau an dieser Stelle...
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