Während der Hauptphase der Eruption, die vermutlich nur drei Tage dauerte, wurden 20 Kubikkilometer an Asche und erbsen- bis nussgroßen "Lapilli" – zu Bims erstarrte Fetzen aufgeschäumten Magmas sowie Schieferund Sandsteinfragmente vom alten Untergrund – aus dem Krater geschleudert. Das Auswurfmaterial könnte 200 Milliarden Bierfässer von 100 Liter Fassungsvermögen füllen. Die Landschaft östlich des Kraters, wo die Hauptmasse des Fallouts niederging, veränderte ihr Aussehen radikal. Eine Fläche von 1400 Quadratkilometern, was etwa 20 0000 Fußballfeldern entspricht, wurde unter einer viele Meter dicken Bimsschicht begraben. In Kraternähe türmten sich die vulkanischen Auswurfprodukte (Tephra) teils mehr als 50 Meter hoch.
Die senkrecht nach oben steigende Eruptionswolke erreichte mehrfach Höhen von mehr als 20 Kilometern. Ascheregen ging über weiten Bereichen Mittel-, Nord- und Südeuropas nieder. Sogar noch in Südschweden


Cornelia Park beschäftigt sich seit
vielen Jahren mit der Laacher-Seeeruption,
finanziell unterstützt von
der Deutschen Forschungsgemeinschaft
und der Sparkasse Koblenz.
Derzeit erforscht sie am Leibnizinstitut
für Meeresforschung (IFM GEOMAR)
in Kiel die Kraternahen
Auswirkungen der von dem Ausbruch
verursachten Klimaänderung.

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1. Flussbautechnisches
31.03.2009, Dipl-Ing. Michael SchindlerBei der Blockade des Rheintals dürfte es sich als Ablagerung eines pyroklastischen Stromes eher um einen Hügel als um einen steilen Damm (wie er etwa in der Hochwasserverbauung oder bei ehemaligen Endmorenen von Gletschern auftritt) gehandelt haben.
Deshalb ist völlig klar, dass der See noch lange bestehen bleibt, denn das beim Dammbruch (verursacht vermutlich durch Überlauf an der unbefestigten Dammkrone) bewegte Dammmaterial kann aufgrund des geringen Gefälles nicht sofort abtransportiert werden. Es ist daher zu erwarten, dass der Ablaufkanal durch Ansammlung abgetragenen Materials unterhalb des Dammes schnell so flach wird, dass ein weiterer Materialabtrag nicht möglich ist.
Bei Bims wird aufgrund des geringeren spezifischen Gewichtes der Schuttkegel etwas flacher sein als die alpinen Bachschuttkegel (z.b. die beiden Halbinseln des Wolfgangsees in Österreich). Bis zu dieser Neigung wird ein Damm schnell abgetragen, danach langsam.
Selbst ein Dammbruch bei einem Gletschersee, bei dem oft ein sehr steiler Abfluss hinter dem Damm liegt, so dass das Dammmaterial weit verfrachtet wird, verläuft flussab nicht plötzlich wie ein Tsunami sondern eher wie ein schnell steigendes Hochwasser.
Die Autoren erwähnen auch hohe Fließgeschwindigkeiten. Bei flachen Gewässern findet – speziell in Schuttablagerungen - oft eine Verlagerung des Flussbettes statt. Dadurch ist die Fließgeschwindigkeit im gerade nassen Teil des Tales hoch, ohne dass riesige Wasservolumen nötig sind. Siehe z.B. die norditalienischen Flüsse aus den Alpentälern wie dem Tagliamento oder Livenza.
Weil ich gerade das Wasservolumen erwähne: Auf S. 85 am Anfang steht: “Aber während der Laacher-See-Eruption wurde ja nicht mehr Wasser aus dem Oberlauf angeliefert”. Die Eruption war im Frühjahr und die Ascheablagerungen gingen Richtung Turin (Grafik Seite 82). Wenn man einige Millimeter Asche auf die im Frühjahr um diese Zeit noch großen schneebedeckten Gebiete der Alpen im Oberlauf streut, hat das sicher Auswirkungen auf die Abschmelzrate.
Zur Schichtenfolge auf S. 83 ist mir eingefallen, dass die mit ULST-A bezeichnete Schicht unterhalb des Bimsfloßes wahrscheinlich beim gleichen Auswurf entstanden ist wie das Bimsfloß. Der See hat nur einfach den schwimmfähigen Bims von den nicht schwimmfähigen Anteilen getrennt.
Einzelne Flutwellen könnten aufgrund des Bimsfloßes entstanden sein. Ich möchte nur den Begriff “Eisstoß” (http://de.wikipedia.org/wiki/Eissto%C3%9F) erwähnen; andere schwimmende Festkörper können das sicher auch.
2. Doch Tote durch Laacher Ausbruch?
23.04.2009, Dr. Rolf Pausch, KölnAls Studenten haben wir ab 1968 in mehreren Kampagnen des Kölner Instituts für Ur- und Frühgeschichte einen steinzeitlichen Siedlungsplatz in Gönnersdorf oberhalb des Neuwieder Beckens ausgegraben, der von einer etwa meterdicken Schicht Bims des Laacher Ausbruchs überdeckt war. Zutage kamen neben Steinwerkzeugen, bearbeiteten Knochen und gelochten Perlen vor allem ca. 250 Ritzzeichnungen auf Schieferplatten von Wildpferden und Mammut sowie 'Venus'-Darstellungen, die heute in der internationalen Fachwelt als Gönnersdorf-Typ bekannt sind. Erkennbar waren auch die Pfostenlöcher von zeltartigen Behausungen die mit Schieferplattenlage und Feuerstellen ausgestattet waren.
Die Fundschicht lag etwa 30 cm unterhalb der Bimsablagerung, ist also nicht direkt durch den Vulkanausbruch verschüttet worden, wenngleich die Bimsschicht wesentlich zu ihrem Erhaltungszustand beigetragen hat. Sie ist also wohl etwa 1000 Jahre älter als der Laacher Ausbruch.
Die Fundstelle lag auf einem exponierten Platz etwa 50 m über dem heutigen Flussbett mit einem herrlichen Blick in das Rheintal (was wir als Ausgräber beim abendlichen Bier außerordentlich genossen haben). Diese Qualitäten wussten auch die Steinzeitmenschen schon zu schätzen. Solche Plätze sind daher oft über Jahrtausende immer wieder genutzt worden. Wie die Funde zeigen, ist auch die von uns ausgegrabene Siedlungsstelle in Gönnersdorf offensichtlich nicht nur ein flüchtiger Lagerplatz gewesen.
Die Aussage des Beitrags, der Laacher Ausbruch habe offenbar keinerlei Menschenleben gefordert, erscheint daher nicht sonderlich plausibel. Angesichts der weiträumigen Verwüstung, die der Vulkan im Umkreis von vielen Kilometern angerichtet hat, ist es u.E. durchaus wahrscheinlich, dass auch aktuell genutzte Siedlungen und mithin auch die dort lebenden Menschen von dem Auswurfmaterial verschüttet wurden. So wie unser damaliger Fundplatz zufällig bei Ausschachtarbeiten für den Keller eines Hauses entdeckt wurde, scheint es durchaus möglich, dass unter den vielen Quadratkilometern, die von dem Auswurfmaterial bedeckt sind, noch ein steinzeitliches Pompeji zu finden ist.
Wir haben seinerzeit als zwar interessierte, aber fachfremde Studenten an den Grabungen mitgearbeitet. Die Ergebnisse sind durch den damaligen Grabungsleiter, Dr. Gerhard Bosinski, inzwischen emeritierter Professor für Ur- und Frühgeschichte, ausführlich publiziert. Sie bilden den Kern des 'Museums für die Archäologie des Eiszeitalters' in Schloss Monrepos, Neuwied/Rhein.