Die Forscher untersuchten dazu Phonolithe der vier stärksten explosiven Ausbrüche des Vesuvs – des Mercatos, der vor knapp 7800 Jahren stattfand, von Avellino vor 5600 Jahren, jenem von Pompeji sowie den von Pollena, der sich 472 n. Chr. ereignete. Das ausgewählte Gestein gehörte jeweils zum ersten magmatischen Material, das aus dem Krater geschleudert wurde, und stammte aus den obersten Bereichen der Magmenkammer. Das macht die grüngrauen Phonolithe zu den am besten entwickelten vulkanischen Produkten der Eruption, die zudem kaum durch frische Schmelzen beeinflusst wurden.
So ähnlich sich die auch Klingstein genannten mineralogischen Zeugen äußerlich sind, über geochemische Details kann man ihren Entstehungsort in der Erdkruste relativ genau eingrenzen und damit die ungefähre Tiefe der verantwortlichen Magmakammer ermitteln. Davon hängt wiederum ab, wie sich die Gesteinsschmelze zusammensetzt und welcher Eruptionstyp zu erwarten ist. Kieselsäurereiche und damit gasreiche felsische Magma gebiert sich zäh und verstopft gerne den Schlot des Vulkans, was heftige Explosionen nach sich zieht. Sie werden nach ihrem Erstbeschreiber auch plinianische Eruptionen genannt und haben in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise den Gipfel des Mount St. Helens oder des philippinischen Pinatubos abgesprengt. Kieselsäurearme basaltische Magma hingegen ist eher dünnflüssig und läuft mehr oder weniger regelmäßig und harmlos aus, wie auf Hawaii zu beobachten ist.
Um die Magmakammer unter dem Vesuv zu verorten, führten die Geologen mit ihren Gesteinsproben mehr als 200 Kristallisationsexperimente unter unterschiedlich hohen Drücken und Temperaturen durch, um die damals jeweils herrschenden Bedingungen zu ermitteln. Zum Zeitpunkt der Pompeji-Explosion lasteten beispielsweise rund 200 Megapascal auf dem unterirdischen Glutofen – ebenso wie während des Mercatos und des Avellinos. Im Klingstein des Pollena-Ausbruchs jedoch kommen die Mineralien Clinopyroxene (kettenförmige Silikate) und Nephelin (ein Gerüstsilikat) nebeneinander vor – was nur bei einem Druck von etwa 100 Megapascal möglich ist. Bestätigt wird dieses abgesenkte Druckniveau auch noch durch weitere seltene Mineralbeigaben wie Leucit und Gaseinschlüsse im Gestein.
Zwischen 1631 und 1944 wiederum wechselte der Vulkan zum strombolianische Ausbruchstyp, bei dem in unregelmäßigen Abständen immer wieder kleinere Eruptionen auftreten: Sie befördern Gas, Lava, Schlacken und Aschen so häufig aus dem Schlot, dass sich kein Überdruck aufbauen kann, der sich dann katastrophal entlädt. Das deutet letztlich auf einen Innendruck von weniger als 100 Megapascal hin, weshalb sich die Magmablase wohl noch weiter nach oben bewegt hat.
Seit Ende des 2. Weltkriegs herrscht jedoch wieder trügerische Ruhe, welche die Geologen noch nicht zu deuten wissen. Vordringlich sollte deshalb der Frage nachgegangen werden, ob derartige abrupte Aktivitätswechsel den früheren heftigen Entladungen vorangegangen sind, so Scaillet. Plinius ist dafür allerdings leider nur von historischem Wert.






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