Dennoch bebt auch der Santiaguito beständig bis zu 40-mal am Tag, wenngleich immer nur relativ schwach. Um mehr über dieses Wesen des Vulkans herauszufinden, wagten Jeffrey Johnson vom New Mexico Tech in Socorro und seine Kollegen aus sicherer Distanz eine Erkundung des Caliente-Doms. Diese Gesteinsaufwölbung inmitten des Kraters bildet gegenwärtig den aktivsten Teil des Bergs und nimmt bereits eine Fläche von 30 000 Quadratmetern ein.
Ausgerüstet mit hochauflösenden Video- und Wärmebildkameras sowie Dopplerradar beobachteten die Forscher Sensationelles, was zuvor noch kein Vulkanologe gesehen hatte: Ein- bis zweimal die Stunde pulsiert der Berg und wuchtet mit der Kraft von bis zu drei Milliarden Newton den Dom mitsamt seinem grob geschätzten Gewicht von ein bis zehn Millionen Tonnen innerhalb von Sekundenbruchteilen nach oben und seitwärts, bevor er wieder nach unten sackt: Über den Tag hinweg sorgen diese Regungen trotz ihrer kurzen Dauer für den größten Teil der Massebewegungen des Doms, die zum Kraterrand gerichtet sind – zumeist in Form metergroßer Felsbrocken, die durch die rasche höhenwärtige Beschleunigung aus ihrer Verankerung gerissen werden und die Flanken der Gesteinsaufwölbung hinabpurzeln. Bisweilen stemmt der Santiaguito sogar Gesteinsplatten mit 100 Meter Durchmesser unzerstört nach oben.
Begleitet werden diese Aufwallungen stets von langperiodischen Erdbeben, die nur im unmittelbaren Umfeld des Vulkans für Menschen spürbar sind, aber von Seismografen verlässlich aufgezeichnet werden. In den meisten Fällen kennt man ihren genauen Ursprungsort und Auslöser nicht, da das Gestein und Schlotsystem des Bergs die Erdbebenwellen vielfach bricht und streut, so dass sie sich kaum lokalisieren lassen – zumindest bislang. Die Messdaten am Santiaguito deuten nun allerdings daraufhin, dass sie eng mit den Hebungen des Doms zusammenhängen.
Wer übrigens selbst einmal dem atmenden Berg bei der Arbeit zusehen will, kann dies wie die Geologen relativ leicht bewerkstelligen: In zweieinhalb Kilometer Abstand wacht der Vorläufer des Vulkans, der ruhende Santa Maria, über seinen Nachwuchs. Sein Gipfel ist 1200 Meter höher und gewährt einen optimalen Blick auf den Dom des Caliente.






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