Ein Bild mit Erinnerungswert? Immer wieder leidet Spanien unter Trockenheit und Dürre. Um Wasser zu sparen, werden dann bisweilen auch städtische Brunnen ausgeschaltet.
Doch die Trockenheit allein war nicht ausschlaggebend für den Notruf: "Die Versorgungskapazitäten der Stadt wuchsen nicht so schnell wie ihre Bevölkerung, die zwischen 1998 und 2008 von 4,2 auf 4,9 Millionen Menschen zunahm. In Zeiten mit normalen Niederschlägen verursacht dies zwar noch kein Problem. Sobald sie aber ausbleiben, schwinden die Vorräte rasch", erklärt der Geograf David Saurí von der Universitat Autònoma de Barcelona. Sein Kollege Ramón Llamas, Geologe von der Universidad Complutense de Madrid, sieht zudem noch politische Fehler der Vergangenheit als Auslöser: "Der Mangel folgte aus einer früheren extremen Verweigerungshaltung einiger Aktivisten, die sich gegen jeden Transfer aus dem Ebro-Fluss nach Barcelona aussprachen."
Das Vorhaben, aus dem wasserreichsten Fluss Spaniens etwas abzuzweigen, um den durstigen Süden und die Metropolen des Landes zu versorgen, war eines der Lieblingsprojekte der konservativen Regierung unter Ministerpräsident José María Aznar. Als sie 2004 abgewählt wurde, legte es der sozialistische Nachfolger José Luís Rodríguez Zapatero vorerst zu den Akten – sehr zur Verärgerung von Llamas: "Diese Leute waren verantwortlich für die lächerliche Situation, Wasser per Schiff zu importieren."
In diesem Punkt dürfte ihm Dorothea August, zuständig für das Thema Süßwasser beim WWF Deutschland zustimmen: "Der Transport mit Tankern ist nicht nur unverhältnismäßig und teuer, sondern ein Armutszeugnis dafür, wie ineffizient mit den Wasservorräten in Spanien umgegangen wird." Ein Vorwurf, den Saurí wie auch Llamas für Barcelona allerdings nicht unbedingt gelten lassen: "Der Pro-Kopf-Verbrauch in Barcelona gehört zu den niedrigsten in Europa, und er sank noch von 130 Liter pro Person und Tag vor der Dürre auf nur 110 danach. Die katalanische Wasserbehörde ließ 650 000 Sparausrüstungen für Wasserhähne verteilen, von denen die meisten tatsächlich verwendet wurden. Es gab Aufklärungskampagnen und Programme, Regen- sowie aufbereitetes Abwasser wiederzuverwerten", zählt David Saurí auf. Und Llamas ergänzt knapp: "Barcelona leistet gute Arbeit – mehr lässt sich dadurch kaum mehr erreichen."
Ob dies allerdings in der Zukunft ausreicht ist fraglich – trotz der guten Voraussetzungen, welche die Wirtschaftsmetropole auch bei weiter wachsender Bürgerschaft hat, meint der Geowissenschaftler Saurí aus Barcelona: "Zunehmend wohnen hier ältere Menschen und Einwanderer – beides Gruppen, die Wasser eher nicht vergeuden. Zudem herrscht im Großraum eine sehr dichte Bauweise mit kleinen Appartements vor. Es fehlen die Häuser mit verschwenderischen Gärten und Swimmingpools."
Seit langer Zeit bestehen Pläne, aus Spaniens wasserreicherem Norden in den durstigen Süden zu leiten. Opposition gibt es dabei vor allem gegen die Entnahme von Wasser aus dem Ebro, dessen Delta eine der wichtigsten Naturlandschaften des Mittelmeers und ein bedeutendes Reisanbaugebiet ist.
Ramón Llamas mahnt zudem eine Umkehr der bisherigen Wasserpolitik an: "Wir müssen wegkommen von der bewässerten Landwirtschaft, die zu viel Ressourcen verschlingt, aber relativ wenig einbringt. Stattdessen sollten die Vorräte den Städten und der Industrie zufließen. Das wäre die billigste und effektivste Lösung. Doch dieser Bewusstseinswandel braucht viel Zeit." In diesem Jahr hat das Wetter Barcelona immerhin eine Atempause geschenkt: Starke Regenfälle im Winter haben die Reservoirs wieder etwas aufgefüllt.






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