a) Ähzebär b) Nubbel c) Rurmanes d) Azazel e) Hoppeditz
Antwort:
Kein Narr, sondern ein biblischer Wüstendämon ist Azazel. Dennoch findet sich manche Verbindung zu heutigen karnevalistischen Gestalten.
Erklärung:
Azazel (hebräisch, auch Asasel, Azaël, Asael) soll der Anführer der gefallenen Engel gewesen sein, die sich mit Menschenfrauen vereinigten. Dabei lehrte Azazel die Menschen den Gebrauch von Waffen, die Bearbeitung von Metallen, Edelsteinen und Färbemitteln sowie die Kunst des Schminkens und führte sie so ins Verderben. Letztendlich setzte Gott Azazel in der Wüste gefangen, wo dieser bis zum Jüngsten Tage bleiben sollte, um dann ins Ewige Feuer geworfen zu werden. So jedenfalls wird es im Buch Henoch beschrieben, einem apokryphen Text. Diese bibelnahen Schriftstücke wurden nicht in den biblischen Kanon aufgenommen.
Laut dem dritten Buch Mose wählte der Hohepriester zum jüdischen Sühnefest (Yom Kippur) einen von zwei Böcken als Opfergabe. Den anderen belud er mit den Sünden des Volkes und schickte ihn in die Wüste zu Azazel.
Diese Rolle des Sündenbocks übernehmen im Karneval regional geprägte Puppen. Indem diese verbrannt oder beerdigt werden, reinigt sich die Festgesellschaft pünktlich zur anstehenden Fastenzeit. Im rheinischen Karneval und insbesondere in Köln ist dies der Nubbel, eine bekleidete Strohpuppe, die während der Karnevalstage über Kneipentüren oder aus Fenstern hängt. Um Mitternacht am Karnevalsdienstag wird sie dann bei Kerzenschein zu Grabe getragen. Wenn der Redner seine Anklageschrift vorträgt, meistens auf Kölsch und häufig gereimt, verteidigt ihn die Menge zuerst noch unter lautem Wehklagen. Doch schließlich wendet sich das Blatt: "Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer hat Schuld, dass wir fremdgegangen sind?" - "Dat wor der Nubbel! Der Nubbel hat Schuld!" Und so muss er brennend sterben.
Schon im 19. Jahrhundert war der kölsche Begriff Nubbel gebräuchlich. Er wurde benutzt, wenn man keine näheren Angaben machen konnte oder wollte: "dä es beim Nubbel" (irgendwo), "dat wor dä Nubbel" (irgendwer).
Im Düsseldorfer Raum heißt die typische Narrenfigur Hoppeditz. Bereits 1841 wurde dem Erzschelm auf dem Karlplatz ein Denkmal gesetzt, das allerdings keine 20 Jahre dort stand. Schließlich geriet die Figur in Vergessenheit, bis der Hoppeditz in den 1930er Jahren wieder auflebte. Seitdem holt ihn die Karnevalsgesellschaft jedes Jahr am 11.11. aus dem Sarg, um daraufhin den Stadtoberhäuptern in einer Rede die Leviten zu lesen.
Am Aschermittwoch muss allerdings auch der Hoppeditz wieder sterben. Ursprünglich zogen die Narren nach einem offiziellen Fischessen, mit dem die Fastenzeit begann, zu seiner Beerdigung. Dort verbrannten sie symbolisch die Strohpuppe des Hoppeditz, um anschließend ihren Kummer in den umliegenden Gastwirtschaften zu ertränken. Heute läuft die Prozedur hauptsächlich innerhalb der jeweiligen Karnevalsgesellschaften etwas feiner ab.
Die älteste bekannte Karnevalsmaske ist die des Ähzebärs. Sie stellt den Winter höchstpersönlich dar, und die Ganzkörperkostümierung besteht einheitlich aus Erbsenstroh. Dabei ist der Ähzebär nicht nur eine Karnevalsgestalt, sondern auch eine der Fruchtbarkeit, wie es auch der alternative Karnevalverein Ähzebär un Ko e.V. interpretiert:
"Die Menschen han mich un die Erbsen mim Winter jleichjesetzt,
weil, wenn ich nach meinem Winterschlaf aus der Höhle raus komme un die Erbsen aus ihren Schoten, dann wird et wieder wärm. Die Erbsen sin ja allt immer en Fruchtbarkeitssymbol, un der Fastelovend is en Fruchbarkeitsfest, mit dem der Winter ausjetrieben wird.
Früher wurden auch keine Kamellen, sondern Erbsen jeworfen, un die Jecken hatten Rasseln aus Schweinsblasen mit Erbsen drin."
Die Umzüge der Ähzebären haben im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Varianten entwickelt. Oft zieht er mit wenigen Musikern durchs Dorf und bettelt um Lebensmittel, Geld und ähnliches - häufig fordert er sie sogar. Auf den Ähzebär sollen alle anderen Karnevalsfiguren zurückgehen beziehungsweise vereinigt er sie in sich.
Vor dem 2. Weltkrieg gab es auch in Merken - einem Stadtteil von Düren - die Tradition des Äzzebärs, eine der unzähligen Schreibweisen. Wie lange dieser alte Brauch bereits existierte, weiß heute niemand mehr. An jedem Karnevalsdienstag wurde der Äzzebär an einer langen Kette durch Merken geführt und verteilte Süßigkeiten an die Kinder. Schließlich schlief der Brauch ein, und erst 1995 zog wieder ein in Stroh gewickelter Äzzebär durch die Straßen. Er wurde auf den Namen Rurmanes getauft und nur wenige Stunden danach um Mitternacht feierlich verbrannt. Damit war der Winter endgültig vertrieben.
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