Die widerwärtige Fratze erinnerte entfernt an meinen Mathelehrer. Durch das Tosen einer Wagneroper drang der Ruf der Bestie an mein Ohr: "Noch 5 Minuten, Winters. Noch 5 Minuten!" Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen, damals – volle 25 Jahre vor dem Erscheinen des Artikels auf S. 36, in dem uns Mathias Berger und Claus Normann die Verbesserung der Hirnleistung mittels Psychopharmaka als "aktuellen Trend" vorstellen.
Mein Mitschüler Ruben war in Sachen mathematische Begabung das Kellerkind unserer Klasse. Ich als Supergymnasiast hatte mich deshalb kurz vor den Abiprüfungen in einem Akt der Nächs­tenliebe dazu bereit erklärt, gemeinsam mit ihm Formeln und Funktionen zu pauken. Alsbald gefror mir jedoch das Blut in meiner sozialen Ader: Ruben schien buchstäblich im Schlaf zu lernen und war mir schon bald überlegen! …