Seit Anfang des Monats nun können interessierte Laien auch Forschungsprojekte finanzieren. Bei der SciFund Challenge, ins Leben gerufen von den beiden Biologen Jai Ranganathan und Jarrett Byrnes vom National Center for Ecological Analysis and Synthesis der University of California in Santa Barbara, werben insgesamt 49 verschiedene Forschungsvorhaben um das Geld des Publikums. Die beteiligten Wissenschaftler haben kurze Beschreibungen ihrer Projektvorschläge auf dem Spendenportal RocketHub eingestellt, ein Blog begleitet das Projekt mit aktuellen Informationen. Bekannt gemacht haben die Gründer ihr Projekt per Mundpropaganda über Mailinglisten und Social-Media-Plattformen.
Auf dem Webportal RocketHub stellen sich alle beteiligten Projekte vor. Jedes Projekt hat seine eigene Seite, auf der Details zum Autor, dem Projekt selbst und der Spendenstand verzeichnet sind.
Abhilfe sollen frei zugängliche Zusammenfassungen schaffen, die permanent aktualisiert werden. Damit will er die Zeit, die Forschungsfinanzierer, Patienten, Journalisten und nicht zuletzt die Forscher selber aufbringen müssen, um in ihrem Fach auf dem Laufenden zu bleiben, deutlich reduzieren. Fast 800 Dollar sind in weniger als einer Woche für sein Projekt zusammengekommen. Das Geld soll in die Programmierung der Software und die technische Infrastruktur fließen.
Die meisten anderen Projekte der SciFund Challenge dagegen zielen auf klassische Forschung. Die Archäologin Kristina Killgrove aus Tennessee möchte DNA aus römischen Skeletten analysieren, um Migrationsmuster im Altertum zu entschlüsseln, der Chemiker Jeffrey Bodwin entwickelt Katalysatoren, um Pflanzenmaterial für die Biosprit-Produktion aufzuschließen. Schon am Ziel ist die Parasitologin Kelly Weinersmith: Für ihr Projekt über hirnverändernde Fischparasiten hat sie schon etwas mehr als die angestrebten 3500 Dollar eingeworben.
Die Summen, die auf diese Weise zusammenkommen, sind gering im Vergleich zu den Budgets großer Organisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft – ein geregeltes Einkommen für Vollzeitforscher werden die Kleinspenden sicher so bald nicht hergeben. Zumal die Spendenbereitschaft für verschiedene Projekte stark schwankt: Sympathische Tiere und Dschungelexpeditionen haben es beim Publikum offenbar leichter als ein spezialisiertes Projekt über Stressreaktionen bei Mikroorganismen, ganz unabhängig von der Bedeutung der Fragestellung. Die weitaus meisten Forschungsprojekte aus wenig anschaulichen Fachgebieten wie Chemie, Materialwissenschaften oder Molekularbiologie fänden bei einem breiten Publikum wohl wenig Gnade.
Trotzdem trifft die SciFund-Challenge einen Nerv. Viele Wissenschaftler beklagen schon seit geraumer Zeit die Intransparenz der Forschungsfinanzierung, auch angesichts der oft frustrierend hohen Ablehnungsquoten. "Am Crowdsourcing, wie es in der SciFund-Initiative praktiziert wird, gefällt mir vor allem, dass der Bewerbungsprozess um Fördergelder öffentlich stattfindet", sagt auch Daniel Mietchen.
Und wer weiß? Vielleicht haben die spendenden Laien ja doch auch manchmal ein besseres Gespür dafür, welche Forschung wichtig sein könnte. Erst kürzlich gab der Mediziner John Ioannidis von der Stanford University in einem Nature-Editorial zu bedenken, dass ein Drittel aller nobelpreisträchtiger Forschungsarbeiten gar nicht von institutionellen Geldgebern finanziert gewesen sei. In Zukunft aber vielleicht durch Spenden.


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