Viele Wissenschaftler widmen ihre Karrieren dem Studium von Phänomenen, die sie für langlebig halten. Lebensformen beispielsweise verändern sich immer im Lauf von Generationen, also werden Evolutionsbiologen immer etwas zu tun haben. Das Phänomen, dem ich mich widme, könnte allerdings am Ende sein.
Ich habe mich mehr als drei Jahrzehnte mit dem wissenschaftlichen Genie beschäftigt, dem höchsten Niveau der Forscherkreativität [1]. Der kreative Gelehrte hat Ideen, die originell und nützlich sind. Ein wissenschaftliches Genie jedoch präsentiert Ideen, die originell, nützlich und auch noch überraschend sind. Solche bedeutenden Sprünge – seien es Theorien, Entdeckungen oder Erfindungen – erweitern nicht einfach nur bestehendes, fachbezogenes Wissen: Das wissenschaftliche Genie begründet eine ganz neue Disziplin.
Albert Einsteins spezielle Relativitätstheorie erfüllte diese drei Kriterien; Grundlagenlehrbücher mussten umgeschrieben werden. Denn Einstein ersetzte das newtonsche Konzept von absolutem Raum und absoluter Zeit und deckte einen bahnbrechenden Zusammenhang zwischen Masse und Energie auf, ausgedrückt in seiner berühmten Gleichung E=mc2.
Genies haben in der Wissenschaft vor allem auf zwei Wegen eine maßgebliche Rolle gespielt: Zum einen haben sie ganz neue wissenschaftliche Disziplinen begründet, so wie Galileo Galilei die teleskopgebundene Astronomie. Zum anderen haben Genies etablierte Disziplinen revolutioniert. Charles Darwin zum Beispiel postulierte natürliche Selektion als Evolutionsmechanismus zu einer Zeit, als viele Biologen glaubten, dass Lebensformen durch einen biblischen Schöpfer unveränderlich geschaffen worden waren.
Meiner Ansicht nach sind jedoch zurzeit für Wissenschaftler weder eine neue Disziplin noch eine Revolution in Sicht. Unsere Theorien und Instrumente erkunden die ersten Sekunden und fernsten Ecken des Universums, und wir können die kleinsten Lebewesen und kurzlebigsten subatomaren Teilchen untersuchen. Es ist schwer vorstellbar, dass Wissenschaftler ein Phänomen übersehen haben, das als eigene Disziplin neben Astronomie, Physik, Chemie und Biologie bestehen könnte. Seit mehr als einem Jahrhundert ist jede neue Disziplin ein Hybrid aus den eben genannten, wie Astrophysik, Biochemie oder Astrobiologie. Zukünftige Fortschritte werden wohl eher auf bereits Bekanntem aufbauen als die Grundlagen des Wissens völlig umkrempeln. Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre war die Entdeckung des Higgs-Bosons – dessen Existenz bereits vor Jahrzehnten vorhergesagt wurde.
Die Tage, da ein Doktorand alleiniger Autor von vier revolutionären Publikationen sein konnte, während er Vollzeit als Assistent in einem Patentamt arbeitet – wie Einstein im Jahr 1905 – sind wohl lange vorbei. Die Naturwissenschaften haben sich so ausgedehnt und die Wissensbasis wurde so komplex und spezialisiert, dass der größte Teil der modernsten Forschungsarbeiten von umfangreichen, gut geförderten Teams stammt, in denen viele Wissenschaftler zum Gesamterfolg beitragen.
Wissenschafts-Olympioniken
Lassen Sie mich hier drei Sachen klarstellen. Erstens behaupte ich nicht, dass wissenschaftlicher Fortschritt aufhört. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass die Wissenschaft immer "höher, schneller, weiter" wird. Man wird weiterhin Kapitel in Lehrbüchern aktualisieren müssen. Im schlimmsten Fall werden sich manche Disziplinen einer willkürlichen Grenze in Genauigkeit und Verständlichkeit annähern, wie es auch in manchen Wettbewerbssportarten geschieht. So wie Athleten eine Goldmedaille gewinnen können, indem sie alle anderen um den Bruchteil einer Sekunde schlagen, so wird es Nobelpreise geben für Arbeiten, die das Erklärungsspektrum von Theorien erweitern oder die Genauigkeit von Messungen. Diese Laureaten sind also weiterhin "Olympioniken der Wissenschaft".
Zum Zweiten argumentiere ich nicht, dass Wissenschaft "verdummt" oder heutige Forscher weniger intelligent seien als Nikolaus Kopernikus, René Descartes, Isaac Newton, Marie Curie oder Louis Pasteur. Wissenschaftler heute haben im Allgemeinen sehr hohe Intelligenzquotienten [2]. Eher brauchen Wissenschaftler heute noch mehr Intelligenz, um überhaupt in die vordersten Ränge aufzusteigen als im "heroischen Zeitalter" der wissenschaftlichen Revolution im 16. und 17. Jahrhundert. Das zeigt sich allein schon daran, wie viel Information und Erfahrung Forscher heute aufbauen müssen, um gut zu sein. Es ist schwer abzuschätzen, ob Pierre-Simon Laplace oder James Clerk Maxwell intelligent genug gewesen wären, um beispielsweise die anspruchsvolle Mathematik der Superstringtheorie zu beherrschen.
Zu guter Letzt behaupte ich nicht, dass brillante Wissenschaftler heute keine neuen Paradigmen oder sogar neue Disziplinen einführen können. Es scheint nur so, dass dies heute schlicht unwahrscheinlicher ist. Gemäß Thomas Kuhns klassischer Analyse der wissenschaftlichen Revolutionen hat ein Paradigmenwechsel in einer Disziplin der Physik oder Biologie sowieso erst dann eine Chance, wenn sich diese Disziplin in der Krise befindet, weil sich kritische Befunde angehäuft haben, die sich nicht erklären lassen [3]. Die spezielle Relativitätstheorie beispielsweise brachte einen Ausweg aus dem Dilemma, den "Äther" des Universums zu finden, der die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen fördern sollte. Unter anderem hatten die US-amerikanischen Physiker Albert Michelson und Edward Morley 1887 vergeblich in Experimenten danach geforscht.
Die meisten, wenn nicht gar alle Disziplinen der Naturwissenschaften scheinen derzeit jedoch weit entfernt von einer solchen Krise. Die Kerndisziplinen haben lediglich ein paar lose Enden angesammelt, die sich in dem einen oder anderen Weg werden verknüpfen lassen. Eine mögliche Ausnahme ist die theoretische Physik, die bislang noch nicht in der Lage ist, die Schwerkraft mit den drei anderen Naturkräften in Einklang zu bringen.
Ich hoffe natürlich, dass meine These falsch ist. Ich hasse den Gedanken, dass das wissenschaftliche Genie ausgestorben sein könnte und meine Arbeit dementsprechend obsolet geworden ist. Ein einziges wissenschaftliches Genie würde das Gegenteil beweisen.
Der Artikel erschien ursprünglich unter dem Titel "Scientific genius is extinct" in Nature 493, S, 602, 2013.

Der Autor ist Professor für Psychologie an der University of California in Davis. 


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1. Kannn sein, muss aber nicht
21.02.2013, Robert OrsoIm Jahre 1875 reichte der Leiter des amerikanischen Patentamts sein Abschiedsgesuch ein und schlug vor, das Amt zu schliessen, da, wie er meinte, es nichts mehr zu erfinden gäbe.
(David Louis; Wussten sie schon, dass? Heyne-Buch Nr. 4673)
Anfang des 20. Jahrhunderts war die Welt praktisch vollständig verstanden. Lediglich ein "paar lose Enden" mussten noch zusammen geknüpft werden. So ließ sich etwa der fotoelektrische Effekt noch nicht recht mit den Wellengleichungen beschreiben und auch die rechnerische "Ultraviolett Katastrophe" passte nicht zu den Beobachtungen.
Ich bin nicht überzeugt, dass sich die aktuellen "losen Enden" früher oder später durch kontinuierliche Weiterführung der bekannten Ideen lösen lassen. Es sind genau diese Dinge, die lose bleiben, eben WEIL hier ein grundlegendes Problem nicht verstanden ist.
Ein Wesensmerkmal des Genies ist ja eben, dass die Erkenntnis "überraschend" erfolgt. Insofern ist eine Zukunftsprognose schwierig. Ich bin ganz zuversichtlich, dass auch in Zukunft irgend jemand eine verblüffende und unerwartete Idee haben wird, die unsere Sicht auf das Universum grundlegend verändern kann. Es kann aber leicht sein, dass das ein paar Jahre auf sich warten läßt. Die massive Häufung von Genies Anfang des 20. Jahrhunderts ist historisch gesehen bisher ein Ausnahmefall.
2. Wie will ein Mensch alle Richtungen ermessen
21.02.2013, TedeMeiner Ansicht nach gibt es immer noch Genies, die sehr interessante Sorte davon. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sie von der gesamten Gesellschaft außen herum gedeckelt bzw nicht im geringsten gefördert werden. Wenn ein Genie niemals eine Förderung erfährt, sondern immer nur einen starken Anpassungsdruck von außen sowie lebenslange Ablehnung der Ideen... tja, wie soll es dann berühmt werden oder weiter kommen. Auch, wenn das potentielle Genie keinen Zugang zur angemessenen Bildung bekommt. Natürlich gibt es dazwischen immer wieder resiliente Kinder, die es trotzdem weiter schaffen, aber selbst die brauchen wenigstense eine Bezugsperson, außerdem muss neben der Resilienz auch das Kriterium des Genies erfüllt werden.
Solcherart von der Außenwelt enttäuscht, verschachteln sich viele Genies nach innen, glaube ich. Sie bauen ihre Ideen und alles nach innen immer weiter aus, bis sie nicht mehr wissen, wie sie sich nach außen mitteilen sollen und vllt haben sie auch nicht die Energie dafür, wieder alle möglichen Leute gegen sich zu haben und denen dann auch noch ihren genialen Einfall zu erklären, und schwieriger noch, zu veranschaulichen.
Auch das Internet ist kein wirklich guter Platz, um sich zu entwickeln. Man kann zwar einseitig Information aufnehmen, sich jedoch nie rückversichern, noch dazu muss man aus gefühlten 90 % Unrelevantem, Halbwahrheiten und mit eigenen Ansichten Vorbelastetem die Essenz finden (Auch in der Literatur kommt es mittlerweile zu unübersichtlichen "Flut", die man sich erst mal leisten können muss, falls das Genie aus ärmlicheren Verhältnissen stammt). Man kann auch keine Konversationen mit Gleichgesinnten führen, weil Genies nun mal nicht an jeder Straßenecke zu finden sind, noch dazu geben sie sich häufig nicht zu erkennen. Darüber hinaus findet die meiste Konversation im Internet auf einem diffamierenden und/oder eher alltäglichen Niveau statt, viele Gebildete, die sich als solche nach außen zeigen, verhalten sich eingebildet und abweisend. Also auch hier keine Anschlusspunkte für potentielle Genies. Selbst wenn es einmal Anschluss finden sollte, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Genie schon früh seinen Gesprächspartner überflügeln wird, viele Menschen reagieren auf so etwas extrem empfindlich und fangen dann an, den Gegenüber zu behindern, in diesem Fall erfährt das Genie wieder Ablehnung und Hinderung in der Entfaltung.
Ein weiterer Aspekt ist meiner Ansicht nach, dass sich viel zu viele auf schon angelegten Wegen bewegen. Kaum jemand geht zurück, bevor gewisse Entdeckungen gemacht wurden und fragt sich "Was hätte man noch aus dem Problem lernen können?". Es wird als komplette Zeit- und Ressourcenverschwendung angesehen, sich solche Gedanken zu machen, man wird dafür beschimpft und ausgelacht, also kann auch auf so einer Ebene kein Austausch stattfinden. (in diesem Fall eine persönliche Erfahrung)
Zusätzlich findet in Wissensbereichen heutzutage eine hohe Spezialisierung statt. Viele kreative Impulse kommen jedoch aus anderen Gebieten, die man auf einmal in Kombination ganz anders sehen kann. Nur, soweit lernt heutzutage kaum noch jemand, es wird ja auch nicht verlangt und nicht im Geringsten gefördert, viele Genies brauchen aber im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche Impulse, wie ich finde.
Einstein hatte im Patentamt ein Milieu, wie es sich ein neugieriger, offener Geist nur wünschen kann. Viele potentielle Genies haben das heutzutage nicht mehr. Wenn sie sozial ungeschickt sind, werden sie schon von frühester Kindheit an gewaltsam verbogen, weil die moderne Gesellschaft eine Gesellschaft ist, die immens viel Druck ertragen muss und deshalb auch auf vermeintlich Schwächere ausübt. Viele Genies haben solche "Schwachstellen", bevor sie überhaupt jemand anhört, müssen sie sich erst einmal ihren Platz erkämpfen und es bleibt offen, ob sie dann noch die Muse haben, sich mitzuteilen oder sogar überhaupt erst einmal ihr Talent zu entdecken. Und falls sie es entdeckt haben, und es steht in Widerspruch zu ihrem gerade erkämpften Platz... dann bleibt es offen, ob sie es weiter verfolgen werden.
Nicht zuletzt hat sich das Umfeld heute entscheidend verändert. Vor einiger Zeit gab es diese erschlagende Informationsflut nicht, es gab kein Internet und es gab keine weit fortgeschrittene Globalisierung. Viel Aufmerksamkeit lag noch auf den Leuten in der eigenen Kommune (wegen der fehlenden Internetvernetzung, die meiner Ansicht nach das Sozialleben extrem verändert hat) und es gab vergleichsweise weniger Existenzdruck, weil die Firma nicht mal eben beschlossen hat, nach Taiwan zu gehen. Man musste sich nicht auf so viele schnelllebige Dinge gleichzeitig konzentrieren, wie das heute ist.
All diese Vermutungen setze ich aus zahlreichen Teilaspekten und Beobachtungen zusammen. Ich denke, es braucht schon weitaus mehr, als nur ein seltenes Genie zu sein, um seine Theorie zur Blüte zu bringe oder um überhaupt erst mal zu merken, auf welchem Gebiet man ein besonderes Genie ist. Es braucht spezielle fördernde Umstände von außen, die sind ungefähr genauso selten oder sogar seltener, als Genies an sich. Und eigentlich bräuchte es auch weitaus mehr als nur diesen Kommentar, um das alles in Worte zu fassen.
3. Ignorant und arrogant
21.02.2013, Karl Heinz HerzogDas sehe ich als ignorant, arrogant, da hier das Ende der Wissenschaften ignoriert wird, sobald es gilt, lebende Organismen zu erfassen. Ich will mal gar nicht an die Frage gehen, wieweit man dabei auch Tiere mit einbeziehen muss, da uns dies mit unseren Ernährungsgewohnheiten konfrontiert (mein Essen hat gedacht?). Bleiben wir einfach beim Menschen und dem Versuch der zahlenbasierten Wissenschaft, den Menschen zu definieren. Das Ergebnis kennen wir. Wir stehen am Ende der zahlenbasierten Wissenschaften oder wenigstens der rein auf Zahlen basierten Ansätze. Je längere Zahlenketten wir finden, wird es doch nur zeigen, wo unsere Lücken sind. Das Genie, dessen Aussterben Sie prognostizieren, wird eine Wendung zurück sein, auf die tatsächlichen menschlichen Qualitäten. Der Wissenschaftler wird mutiger sein müssen, da der Filz der Lobbys heute noch wirksamer neue Strebungen unterbinden kann und wer hier Rücksichten auf seinen wissenschaftlichen Ruf nehmen muss, braucht hier ein dickes Fell, aber Arbeit gibt es genug.
Ich kenne hier leider nur ein Gebiet, in dem so etwas real stattfindet und das ist die traditionelle Heilkunst. Im Bereich einer "4-Elementenlehre" wird hier versucht einen neuen Denkansatz zu finden, der flexibler auf den Gegenstand der Bemühungen zu reagieren, weil die Parameter dem Objekt entlehnt werden. Zugegebenermaßen ein diffiziles Sujet, alleine, wenn es das Lieblingsziel der Zahlen geht, Mengen und Normen, aber ich kenne einige der Arbeiten und bin beeindruckt. Es fällt schwer, die Rettungsleine der Zahlen los zu lassen und durch so "schwammige" Begriffe wie Wasser/Feuer/Erde/Luft zu ersetzen, aber die Wirkung ist verblüffend.
Ich denke hier wird in Zukunft das neue Tätigkeitsfeld für die neuen Genies liegen.
mfG
Karl Heinz Herzog
4. Einfache Erklärungen für einfache Menschen
21.02.2013, Robert OrsoDas Problem bei der modernen Wissenschaft ist nicht der Mangel an Erklärungskraft sondern das explosionsartige Anwachsen der Information und der erkennbaren Komplexität des Universums. Jede gelöste Frage wirft zwei neue auf.
Kein Wunder dass viele Menschen mit dieser Komplexität schlicht überfordert sind. Sie wünschen sich "die gute alte Zeit" zurück, in der die Welt aus nur vier Elementen bestand, alle Unwägbarkeiten des Lebens auf das rätselhafte Wirken eines fernen Gottes zurückzuführen waren und man sich sonst keine Gedanken machen musste.
Tatsächlich haben wir immer noch das gleiche Gehirn, das schon unsere Vorfahren vor 30.000 Jahren hatten. Das ist offenbar noch dafür ausgelegt, Biochemie, Quantenphysik oder komplexe Wirtschaftszusammenhänge zu verstehen. Umso wichtiger ist es, diejenigen, die sich darum bemühen zu fördern und zu unterstützen.
Es ist enorm wichtig, auch etabliertes Wissen immer wieder zu hinterfragen. Das Ziel muss aber bleiben, Erklärungen zu finden, die jeweils besser sind als die etablierten.
Die "Rückbesinnung zu den Wurzeln" und die Ablehnung des mühsam errungenen und funktionierenden(!) Wissens ist hingegen kein Bisschen "Genial". Es zeigt lediglich, wie niedrig die Latte für manche Menschen gelegt werden muss um sie nicht zu überfordern.
5. Kreativität
21.02.2013, Rüdiger KuhnkeBis ein begabter Physiker auf dem Weg über Studium, Promotion und Habilitation sich das notwendige Wissen (z. B. die über "Versöhnung" von Quantenphysik und Relativitätstheotrie) angeeignet hat, ist er über 40 und nicht mehr kreativ genug für den "großen Wurf".
Zugegebenermaßen etwas pessimistisch, und ich hoffe, daß ich falsch liege.
6. systematischer bitte!
23.02.2013, Walter Weiss(1) Da ja heutige Forscher offenbar sogar höhere IQ-Werte aufweisen als frühere herausragende Denker, soll das vom Verfasser gesehene Manko also mit dem IQ wohl nichts zutun haben. Da wird man ihm folgen können, denn die Welt ist voll von sehr Intelligenten (am IQ gemessen), die gleichwohl horrenden Unsinn vertreten und verbreiten.
(2) Bleibt die wissenschaftliche Phantasie, also die Fähigkeit, fast visionär jenseits des 'gesicherten' Wissenschaftsgebäudes ohne Verbindung zu ihm eine Ergänzung gewissermaßen 'in der Luft' zu sehen, die erst nach und nach durch Beobachtungen und Experimente feste Verbindung zum Gebäude erhält. - Ich könnte mir denken, dass derartige Visionen täglich produziert werden, in der Regel aber ohne jede Chance, diese Verbindung jemals erhalten zu können.
(3) Als dritte Ursache ist immerhin denkbar, dass das Universum in jeder Richtung inzwischen derart genau ausgelotet ist, dass für revolutionäre Ergänzungen des Wissenschaftsgebäudes tatsächlich gar kein Raum mehr ist. Auch das überzeugt nicht - man kann ja schlecht Unvorhergesehenes mit Unvorhersehbarem gleichsetzen.
(4) Wenn wirklich revolutionäre Wissenschaftsideen - stellvertretend: wie bei Einstein und Darwin - längere Jahre nicht mehr vorgekommen sein sollten, könnte es ja auch an einer einmaligen Kombination von Genmutation, Zufall, Gelegenheit und Fleiß liegen, die eben trotz der Milliardenzahl der Menschen sehr selten ist.
Im Ergebnis regt der Artikel zu allerlei Überlegungen an - darin erschöpft er sich aber, zumal diese Überlegungen erkennbar nicht weiter führen.
7. Bemerkung zum Beitrag Meinung: Ende des Genies? von Dean Keith Simonton
24.02.2013, Lutz MucheDie Befürchtungen des Autors Dean Keith Simonton sind teilweise berechtigt;
ich möchte zu seiner Argumentation jedoch zwei andere Gedanken äußern:
Die meisten heutigen Forschungsprojekte sind stark von wirtschaftlichen Interessen geprägt. D.h. es ist für eine vorgeschriebene Problemstellung in einer vorgegebener Zeit eine Lösung zu finden. Die Möglichkeiten zum Beschreiten völlig neuer Wege sind somit stark eingeschränkt.
Die meisten Wissenschaftler von heute haben in der Forschung keine langfristige Perspektive. Sie können mit befristeten Stellen einige Jahre Forschung betreiben. Viele Wissenschaftlerkarrieren' enden aufgrund engstirniger bürokratischer Regularien spätestens nach sechs bzw. zwölf Jahren. So werden alljährlich zahlreiche mit Leib und Seele an ihrer Arbeit hängende Wissenschaftler aus den öffentlichen Forschungseinrichtungen herausgedrängt und
hoffnungsvolle Wissenschaftlerkarrieren vorzeitig abgebrochen.
Wir brauchen mehr Professuren und entsprechend mehr unbefristete Wissenschaftlerstellen,
auf denen sich engagierte Forscher ohne äußeren Druck entfalten können. (Die dazu nötigen finanziellen Mittel könnten ohne weiteres bereitgestellt werden, würde man sich endlich darauf konzentrieren, die immer weiter ausufernden Verwaltungsapparate zu beschränken.)
Dann würde es an qualitativ neuen Ideen und Theorien bis hin zur Begründung völlig neuer Disziplinen nicht fehlen.
8. und noch etwas
01.03.2013, Fritz Kronberg9. Die Überheblichkeit der Forschung
03.03.2013, Michael Hoffmann10. Dir grossen Fragen bleiben - mit oder ohne Genies
04.04.2013, Peter UetzZ.B. kann nach wie vor kein Mensch (Computer...) berechnen, wie sich eine Zelle oder ein Organismus verhält - schlicht, weil wir nicht genügend Informationen haben. Die Ameisen müssen also weiterhin die Funktionen aller Proteine, Metaboliten etc. aufklären. Irgendwann wird man diese Informationen zusammenführen und Modelle haben, die dann genau vorhersagen, wie solche komplexen Systeme funktionieren.
Es ist zwar schade, dass es grosse Würfe wie die Relativitätstheorie nur noch selten gibt, aber man braucht nicht bis Einstein zurückgehen. Unter den jüngeren Nobelpreisträgern gibt es einige Genies, z.B. Fred Sanger, der in den Siebzigern das Sequenzieren von DNA "entdeckt" hat. Genial!