Würmer im Darm helfen gegen Autoimmunkrankheiten - zumindest theoretisch. Dass bislang ein Nachweis fehlt, ist immer mehr Betroffenen egal: Sie therapieren sich auf eigene Faust.
Die Autorin ist freie Wissenschaftsjournalistin in Köln
A. ist 14 Monate alt, als bei ihr eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) diagnostiziert wird. Ihr hyperaktives Immunsystem greift das Darmgewebe an, das Kind kränkelt ständig, die Medikamente haben starke Nebenwirkungen. Nach eingehenden Recherchen entschließen sich die Eltern zu einer umstrittenen Therapie: Bei einer Fahrt ins Ausland lassen sie ihrer Tochter eine Dosis Peitschenwurmeier verabreichen, gewonnen aus dem Stuhl eines infizierten Spenders. Die Darmparasiten sollen den Verdauungstrakt ihrer Tochter befallen und dort eine Abwehrreaktion auslösen.
Wenn das Immunsystem ihres Kindes ein neues Ziel bekommt, so hoffen die Eltern, könnte dies die Attacken auf die Darmflora verhindern. Nach ein paar Wochen stellen sie die Erfolgsmeldung ins Netz: Endlich heilen die Läsionen im Darm, und die Blutwerte normalisieren sich.
Wundergeschichten wie diese kursieren zu Tausenden im Internet - lanciert von Anbietern unorthodoxer Therapien und missionarisch beseelten Betroffenen? Überprüfen lassen sich die Anekdoten kaum. Aber die Fachliteratur zeigt, dass solche Verzweiflungstaten ein solideres evolutionsbiologisches Fundament haben als viele etablierte Therapien.
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