Nichts bedroht den Fortbestand unserer Zivilisation so sehr wie der Zusammenbruch ganzer Staaten durch plötzlichen Nahrungsmangel. Ursache solcher Hungerkrisen sind letztlich verschlechterte Umweltbedingungen.
Rapide Veränderungen kommen meist ganz unerwartet. Wir sind
gewohnt, bisherige Trends in die
Zukunft zu extrapolieren, und in
der Regel funktioniert das – doch manchmal
versagt es total. Dann werden die Menschen
von plötzlichen Ereignissen wie der gegenwärtigen
Wirtschaftskrise einfach überrollt.
Erst recht mag der Gedanke, die gesamte
Zivilisation könnte zusammenbrechen, auf den
ersten Blick absurd erscheinen. Wer glaubt
schon im Ernst, wir müssten eines Tages unseren
gewohnten Lebensstandard völlig preisgeben?
Welche Indizien sprechen für eine derart
düstere Prognose – und wie sollen wir darauf
reagieren?
Wir haben uns so sehr an eine lange
Liste höchst unwahrscheinlicher Katastrophen
gewöhnt, dass wir sie pauschal mit einem Schulterzucken abtun: Gewiss, unsere Zivilisation könnte im Chaos versinken – aber die Erde könnte auch mit einem Asteroiden kollidieren!
Seit vielen Jahren befasse ich mich mit globalen
Trends in Landwirtschaft, Bevölkerungsentwicklung,
Umwelt und Wirtschaft sowie deren
Wechselwirkungen. Alles in allem laufen
die Folgen – insbesondere die davon erzeugten
politischen Spannungen – auf den Kollaps
von Regierungen und Gesellschaften hinaus.
Dennoch habe ich mich bis vor Kurzem gegen
die Idee gesträubt, Nahrungsmittelknappheit
könnte nicht nur einzelne Staaten zu Fall bringen,
sondern auch unsere gesamte Zivilisation.
Doch ich vermag diese Gefahr nicht mehr
zu ignorieren. Da wir nach wie vor nicht im
Stande sind, die ökologischen Trends zu stoppen,
welche die weltweite Nahrungsmittelproduktion
untergraben – insbesondere Grundwasserabsenkung,
Bodenerosion und Erderwärmung
–, muss ich einen globalen Kollaps
in Betracht ziehen.
Schon ein flüchtiger Blick auf die ökologischen
Probleme unserer gegenwärtigen Welt erhärtet
leider meine Schlussfolgerung. Wer sich
mit Umweltfragen beschäftigt, beobachtet nun
schon seit drei Jahrzehnten negative Entwicklungen,
aber keine nennenswerte Anstrengung,
auch nur einen dieser Trends umzukehren.
In sechs der zurückliegenden neun Jahre blieb
die Weltgetreideerzeugung hinter dem Verbrauch
zurück und führte zu ständig sinkenden
Lagerbeständen. Als 2008 die Ernte begann,
reichten die weltweiten Vorräte gerade
noch für 62 Tage – fast ein Rekordtief. Infolgedessen
kletterten die Getreidepreise im
Frühjahr und Sommer 2008 auf den höchsten
je verzeichneten Stand.
Wenn die Nachfrage nach Nahrungsmitteln
schneller steigt, als diese nachwachsen können,
geraten die Regierungen von Ländern,
die ohnehin am Rand des Chaos taumeln,
durch ungehemmt steigende Nahrungspreise
massiv unter Druck. Hungrige Menschen, die
Getreide weder kaufen noch selbst anbauen
können, gehen auf die Straße. Schon vor dem
steilen Anstieg der Getreidepreise im Jahr
2008 nahm die Anzahl "scheiternder Staaten" ...