szmtag
Spektrum der Wissenschaft spektrumdirekt Sterne und Weltraum Gehirn&Geist epoc SciLogs WIS wissenschaft-online naturejobs
 
Notizen | 20.11.2009
DISKUTIEREN SIE MIT

Mit 60 Euro den Klimawandel verhindern?

Thilo Körkel
Die Kosten, um die globalen CO2-Emissionen nachhaltig zu mindern, dürften sich auf dreistellige Milliardenbeträge pro Jahr addieren. Doch wie soll man sie einsammeln und verteilen? Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung machte kürzlich einen weitreichenden Vorschlag. Diskutieren Sie mit.
Der Klimawandel wird uns teuer zu stehen kommen, wenn wir die Kohlendioxidemissionen nicht begrenzen. Weltweit wären wachsende Schäden durch Überschwemmungen und Tornados zu erwarten, Ernteausfälle und Wassermangel würden möglicherweise auf Dauer gestellt. Die Wirtschaft ginge auf Talfahrt. Der "Stern-Report" aus dem Jahr 2006 prognostizierte ein Minus von fünf bis zwanzig Prozent für das globale Bruttoinlandsprodukt. Die sozialen und politischen Konsequenzen wären ohnehin unabsehbar. Nicht wenige halten sie – je nachdem, wie folgenreich der Klimawandel ausfällt – gar für eine Bedrohung des Weltfriedens.

Der Versuch, all dies zumindest abzumildern, läuft letztlich auf eine finanzielle Anstrengung der reichen industrialisierten Länder mit ihren rund 1,5 Milliarden Bürgern hinaus. Sie müssten dafür Sorge tragen, dass die weltweiten CO2-Emissionen so stark begrenzt werden können, dass wir maximal an der "2 Grad Celsius-Leitplanke" entlangschlittern. Die weltweite Durchschnittstemperatur dürfte sich also maximal um diesen Wert gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöhen.

Das würde uns eine Menge kosten, jährlich wohl einen dreistelligen Milliardenbetrag – zumindest über die Größenordnung scheint einige Einigkeit zu herrschen. Das ist hundert Mal mehr als derzeit die Weltbank im Klimaschutzbereich bewilligt, wo sie sich zur zunehmend zentralen Finanzierungsinstanz entwickelt. Die Hälfte des Geldes würde in Entwicklungsländern fällig. Hinzu kommen Anpassungskosten an die bereits erfolgenden Klimaveränderungen, die von der Weltbank auf weitere 75 bis 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt werden.

Aus vielerlei Gründen lässt sich das Problem auch nicht einfach aussitzen. Fatih Birol etwa, Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur in Paris, warnt derzeit vor steigenden Ölpreisen. So könnten sich die jährlichen Energieausgaben Europas bis 2030 auf rund 500 Milliarden Dollar verdoppeln.

Doch was sollen die Zahlenspiele, solange nicht klar ist, wer wann wieviel bezahlt? Stefan Rahmstorf, Klimaforscher und Mitglied des "Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung" (WBGU), plädiert in der aktuellen Spektrum-Ausgabe ("Last Exit Copenhagen", SdW 12/2009, S. 88) darum für einen vom WBGU entwickelten Budgetansatz. Dieser Verteilungsschlüssel würde die bis 2050 noch "erlaubten" weltweiten Kohlendioxidemissionen auf Pro-Kopf-Basis auf die Länder verteilen. Wer sein Budget aufgebraucht hat, muss von Niedrigemissionsländern Quote hinzukaufen. Ärmeren Ländern würde dies jährlich 30 bis 90 Milliarden Euro bescheren, mit denen sie ihre Wirtschaft auf Nachhaltigkeit umstellen müssten. Und die Menschen in den reichen Industriestaaten kostete dieser Finanztransfer jährlich bis zu 60 Euro pro Kopf – die USA, Deutschland und Russland wären nämlich schon heute "kohlenstoffinsolvent".

Wie gerecht ist dieser Plan? Besteht überhaupt die Chance, ihn politisch in einem überschaubaren Zeitraum zu verwirklichen? Und wenn ja: Wie groß sind die Erfolgsaussichten, dass die Erwärmungsbremse tatsächlich noch vor der "Leitplanke" greift? Sagen Sie uns Ihre Meinung!
LESERBRIEFE

Leserbrief schreiben

zu 'Mit 60 Euro den Klimawandel verhindern?'
nicht artikelbezogen

wird nicht angezeigt
E-Mail-Adresse darf angezeigt werden
Beitrag darf veröffentlicht werden
Folgende Zahl bitte eingeben.
+- weitere Beiträge
Anzeige
 
weitere Artikel zum Thema
+- Spektrum der Wissenschaft
Anzeige
 
Anzeige
 
Lesershop
Die Sammelkassette von Spektrum bietet Platz für 12-15 Hefte. »
Umwelt: Versauernde Meere durch Treibhausgase • Energie: Amerikas Weg ins Solarzeitalter • Ethik: Klimaschutz - eine Frage der Moral? • Wetter: Verheerende Stürme • … »
 
Abonnement
Astronomen präsentieren ihre schönsten Aufnahmen im Großformat. Das Kalendarium bietet zusätzlich auch wichtige Hinweise auf herausragende Himmelsereignisse. »
 
Science-Shop
Maurits C. Escher
Seine Vögel verwandeln sich zu Fischen. Auf seinen Treppen verliert man die Orientierung. »
 

Science Jobs der Woche


Mehr Jobs von naturejobs.com und Spektrum der Wissenschaft finden sie hier.
 

Spektrum finden Sie auch hier



 

DenkMal

Welche Höchstgeschwindigkeit erreicht eine Weinbergschnecke?
Weinbergschnecke
0,6 Meter pro Stunde
3 Meter pro Stunde
10 Meter pro Stunde
330 Meter pro Stunde
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
Impressum - AGB - Datenschutz - Spektrum Custom Publishing
Internationale Ausgaben:
Brasilien | Frankreich | Italien | Spanien | USA | mehr...