Diskutieren Sie mit
Mit 60 Euro den Klimawandel verhindern?
Die Kosten, um die globalen CO2-Emissionen nachhaltig zu mindern, dürften sich auf dreistellige Milliardenbeträge pro Jahr addieren. Doch wie soll man sie einsammeln und verteilen? Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung machte kürzlich einen weitreichenden Vorschlag. Diskutieren Sie mit.
Thilo Körkel
Der Versuch, all dies zumindest abzumildern, läuft letztlich auf eine finanzielle Anstrengung der reichen industrialisierten Länder mit ihren rund 1,5 Milliarden Bürgern hinaus. Sie müssten dafür Sorge tragen, dass die weltweiten CO2-Emissionen so stark begrenzt werden können, dass wir maximal an der "2 Grad Celsius-Leitplanke" entlangschlittern. Die weltweite Durchschnittstemperatur dürfte sich also maximal um diesen Wert gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöhen.
Das würde uns eine Menge kosten, jährlich wohl einen dreistelligen Milliardenbetrag – zumindest über die Größenordnung scheint einige Einigkeit zu herrschen. Das ist hundert Mal mehr als derzeit die Weltbank im Klimaschutzbereich bewilligt, wo sie sich zur zunehmend zentralen Finanzierungsinstanz entwickelt. Die Hälfte des Geldes würde in Entwicklungsländern fällig. Hinzu kommen Anpassungskosten an die bereits erfolgenden Klimaveränderungen, die von der Weltbank auf weitere 75 bis 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt werden.
Aus vielerlei Gründen lässt sich das Problem auch nicht einfach aussitzen. Fatih Birol etwa, Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur in Paris, warnt derzeit vor steigenden Ölpreisen. So könnten sich die jährlichen Energieausgaben Europas bis 2030 auf rund 500 Milliarden Dollar verdoppeln.
Doch was sollen die Zahlenspiele, solange nicht klar ist, wer wann wieviel bezahlt? Stefan Rahmstorf, Klimaforscher und Mitglied des "Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung" (WBGU), plädiert in der aktuellen Spektrum-Ausgabe ("Last Exit Copenhagen", SdW 12/2009, S. 88) darum für einen vom WBGU entwickelten Budgetansatz. Dieser Verteilungsschlüssel würde die bis 2050 noch "erlaubten" weltweiten Kohlendioxidemissionen auf Pro-Kopf-Basis auf die Länder verteilen. Wer sein Budget aufgebraucht hat, muss von Niedrigemissionsländern Quote hinzukaufen. Ärmeren Ländern würde dies jährlich 30 bis 90 Milliarden Euro bescheren, mit denen sie ihre Wirtschaft auf Nachhaltigkeit umstellen müssten. Und die Menschen in den reichen Industriestaaten kostete dieser Finanztransfer jährlich bis zu 60 Euro pro Kopf – die USA, Deutschland und Russland wären nämlich schon heute "kohlenstoffinsolvent".
Wie gerecht ist dieser Plan? Besteht überhaupt die Chance, ihn politisch in einem überschaubaren Zeitraum zu verwirklichen? Und wenn ja: Wie groß sind die Erfolgsaussichten, dass die Erwärmungsbremse tatsächlich noch vor der "Leitplanke" greift? Sagen Sie uns Ihre Meinung!



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1. Geld zur Begrenzung des Klimawandels?
22.11.2009, Dr. Armin Quentmeier, DortmundWeder die kleine Eiszeit noch die hochmittelalterliche Warmzeit, das Temperaturoptimum der römischen Kaiserzeit noch andere Klimaschwankungen in historischer oder prähistorischer Zeit sind von der Menschheit ausgelöst worden, von den zahllosen Klimaschwankungen bis zurück ins Präkambrium ganz zu schweigen. Hier gab es mehrere Eiszeiten bis hin zu einer Millionen Jahre währenden Totalvereisung und ebenso Millionen Jahre dauernde Phasen mit extremem Treibhausklima.
Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Mahnungen besorgter Wissenschaftler vor gerade einmal 40 Jahren, der Erde würde eine neue Eiszeit drohen? Und nun gab es nicht einmal 30 Jahre lang eine leichte Erwärmung - von ca. 1970 bis 1999; seitdem ist die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr angestiegen - und schon bricht in Deutschland eine regelrechte Klimawandel-Hysterie aus! Hier könnte ein Blick auf ein paar grundlegende Fakten nicht schaden: Unser Land trägt mit 880 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr nicht einmal 3 Prozent zum globalen CO2-Ausstoß von 28 Milliarden Tonnen bei; gegenüber 1990 ist diese Menge um 20 Prozent zurückgegangen, vor allem wegen des Kollapses der Energie verschwendenden DDR-Industrie, gleichzeitig ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland kräftig gestiegen!
Kaum ein anderes Industrieland nutzt Energie in jeder Form so effizient wie Deutschland. Kaum ein anderes Land unternimmt ähnliche Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz, im Gegenteil: der größte Energieverschwender der Welt, die USA, haben den CO2-Ausstoß seit 1990 noch einmal um 17 Prozent gesteigert.
Andere Länder holen auf, vermutlich ist China schon jetzt der größte CO2-"Sünder" der Welt; pro Kopf sind es zwar nur 4 Tonnen pro Jahr gegenüber 10 Tonnen in Deutschland und 20 Tonnen in den USA, aber 1,3 Milliarden Chinesen produzieren somit über 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr – und diese Menge wird sich in den nächsten 30 Jahren dank der stark steigenden Wirtschaftsleistung noch einmal verdoppeln.
Indien wird im gleichen Zeitraum seine CO2-Emissionen verdreifachen und in vielen anderen Ländern wird es ähnliche Entwicklungen geben, allen schönen Reden und Lippenbekenntnissen zum Trotz. Es ist völlig gleichgültig, ob wir 60 Euro oder meinetwegen 600 oder 6000 Euro pro Kopf und Jahr zahlen – der Energiehunger der Welt, verbunden mit einem rapiden Bevölkerungswachstum, wird für weiter steigende CO2-Emissionen sorgen.
Bevor mich irgendwelche Klimawandel-Fanatiker gleich wieder falsch verstehen (wollen): Wir müssen unsere Anstrengungen zu noch effizienterer Energienutzung beharrlich weiterverfolgen, allein deshalb, weil sich alle Energieträger wegen stark ansteigender Nachfrage schon in naher Zukunft dramatisch verteuern werden. Volkswirtschaften mit effizienter Energienutzung sind dabei deutlich besser aufgestellt als alle Energieverschwender. Also sollten wir lieber mehr Geld für effizientere Energieausnutzung im eigenen Land ausgeben als Geldverschwendung mit der "globalen Gießkanne" zu betreiben!
2. An allen Fronten umdenken
23.11.2009, Hans Tappeiner, SüdtirolIst es nicht genau diese Wirtschaft, die uns beschert, wovor wir nun Angst haben? Und genau um diese Wirtschaft sollten wir uns nun Sorge machen? Wenn schon, dann werden wir an allen Fronten umdenken müssen.
3. Die größte Strafe
23.11.2009, Faulhammer, Wienverdienen. Wissenschaftler, die nicht im Sold der CO2-Mafia stehen, sagen etwas ganz anderes. Wir sollten eher schauen, dass die Menschheit sich anpasst, sonst droht die größte Strafe, die die Natur verhängen kann: das Aussterben.
4. Sinnlose Geldvernichtung
23.11.2009, Herbert Walther, 95339 NeuenmarktNiemend kann und wird dort nachprüfen, wozu das Geld verwendet wird. Viele werden sich die Taschen füllen und da wo nötig, wird nichts ankommen. Eine zusätzliche neue Verteilungsbürokratie würde entstehen. Der wissenschaftliche Beirat soll die Sache erst mal zu Ende denken.
Mein Lehrer hat uns bei Entwurf und Konstruktion beigebracht: Um die Ecke denken - denn dort tauchen die Probleme auf. Stattdessen läuft es wie in der gegenwärtigen Politik, Hauptsache "Action" - und wenn's schiefgeht, ist niemand zu fassen. Der Bürger zahlt wie immer und überall die Zeche.
5. Vom Freikaufen halte ich gar nichts
25.11.2009, R. W., Mannheim6. 60€ ja – aber auch andere Maßnahmen
25.11.2009, Peter Michael Mandl, 83224 GrassauMan könnte auch nachdenken, ob der Solidarbeitrag nicht langsam sinnvoller für die Belange des Klimaschutzes umgeleitet werden sollte.
Des Weiteren bin ich der Ansicht, dass die Stromerzeugung mittels Fotovoltaik nicht so viel CO2 einspart wie wenn man sein Brauchwasser mit kalorischen Sonnenkollektoren aufbereitet.
Die Begründung: 1. Höherer Wirkungsgrad und bedeutend weniger CO2-Ausstoß während der Herstellung der kalorischen gegenüber den Fotovoltaik-Kollektoren.
2. Ungleich günstiger in der Anschaffung sind die Anlagen mit kalorischen Kollektoren gegenüber den Anlagen mit Fotovoltaik-Kollektoren.
3. Durch die günstigeren Investitionen kann es durchaus sein, dass man mehr Sonnenwärme sammelnde Anlagen montieren würde als es heute mit den Sonnenstrom liefernden Anlagen der Fall ist.
Die Überlegungen fußen auf Anlagen jeweils gleicher installierter Leistung und darauf, dass die Vergütung der ans Netz gelieferten elektrischen Energie nicht wie bisher überhöht gegenüber dem üblichen Preis abgerechnet wird.
7. Keine Chance
27.11.2009, Fritz Kronberg, RondeshagenUnüberwindbar ist hingegen das Problem der Kontrolle, wie die Mittel in den profitierenden Ländern angewendet werden, zumal diese Länder am unteren Ende der Korruptionsskala rangieren. Die Frage der Gerechtigkeit spielt da eine eher untergeordnete Rolle.