Entwicklungsbiologie
Die Simulation der Embryonalentwicklung
Die Bildung eines komplexen Organismus aus einer einzigen Zelle - der befruchteten Eizelle - ist ein faszinierender Prozess. Mathematisch fundierte Modellbildung hat zum Verständnis der zu Grunde liegenden komplexen Mechanismen wesentlich beigetragen.
Der Versuch, die ungeheuer komplexe Embryonalentwicklung in ein paar Gleichungen zu fassen, mag zunächst hoffnungslos erscheinen. Man kann jedoch den Prozess in klar getrennte elementare Schritte zerlegen, die dann einer Theoriebildung zugänglich sind. Zusammen mit Alfred Gierer habe ich ab 1972 mathematische Modelle für einzelne Teilschritte entwickelt. Diese Modelle machten konkrete Voraussagen über den Charakter der beteiligten molekularen Wechselwirkungen. Insbesondere müssen gewisse Bedingungen mindestens erfüllt sein, damit lokale Signalzentren gebildet werden. Durch Computersimulationen haben wir gezeigt, dass die von uns postulierten Wechselwirkungen die beobachteten Vorgänge und ihre Eigenschaften sehr gut wiedergeben können


Hans Meinhardt hat Physik in Köln und Heidelberg studiert. Nach der Promotion 1966 und zweijährigem Aufenthalt am CERN arbeitete er von 1969 bis zu seiner Emeritierung 2003 am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Dort erarbeitete er gemeinsam mit seinem Kollegen Alfred Gierer die im Artikel beschriebenen Modelle für die Strukturbildung während der Entwicklung höherer Organismen. Er dankt Alfred Gierer für die sehr schöne Zusammenarbeit.
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