Wie findet man heraus, mit welchem der
drei Lichtschalter im Keller man die
drei Lampen auf dem Dachboden einschalten
kann? Und das alles mit nur einem Versuch.
So praktisch motiviert beginnen die
"Mathematischen Rätsel für Liebhaber" von
Peter Winkler.
In der Einleitung ("Diese Rätsel sind
nicht für jedermann") fordert der Autor vom
Leser eine gewisse Kondition im Anwenden
mathematischer Definitionen und Werkzeuge.
Anders als üblich ist das kein leerer
Satz; denn Winkler, zurzeit Professor für
diskrete Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung
am Dartmouth College in
New Hampshire, fordert den Leser mit jedem
Problem aufs Neue. Mich zumindest
hat er an meine Denkgrenzen gebracht.
Jedes der elf – nach steigendem Anspruch
geordneten – Kapitel beginnt mit einer
kleinen Einleitung und einer Begründung,
warum die folgenden Rätsel sich gut
unter die jeweilige Überschrift, zum Beispiel
"Algorithmen", ordnen lassen. Dann
wird die erste Aufgabe mitsamt der Lösung
vorgestellt, so dass der Leser schon eine
Vorahnung erhält, mit welcher Methodik
man die anschließenden Probleme lösen
könnte. Es folgen gut ein Dutzend Rätsel,
deren Lösungen, zum Teil mit verschiedenen
Lösungswegen, am Ende des Kapitels
stehen.
Das Buch gipfelt in einer bunten Sammlung
von ungelösten Rätseln. Dafür hat die
deutsche Ausgabe nicht nur auf Winklers
Originalwerk "Mathematical Puzzles: A
Connoisseur’s Collection" zurückgegriffen,
sondern auch auf dessen 2007 erschienenen
Nachfolger "Mathematical Mind-Benders". So kommt der deutsche Leser in den
Genuss von inzwischen gefundenen Lösungen
– und neuen Rätseln.
Neben den rein mathematischen Kapiteln
"Zahlen", "Geometrie" und "Kombinatorik
" gibt es auch "Spiele", "Erkenntnis"
und "Harte Nüsse", deren Probleme ohne
mathematische Begriffe formuliert sind,
aber dennoch mit mathematischen Methoden
gelöst werden. Immerhin würde angewandte
Logik bei diesem oder jenem Rätsel
auch ausreichen.
Die Aufgabentexte sind generell kurz
und sehen beim ersten Lesen manchmal
viel leichter aus, als sie sind; dafür sind die
Lösungen zum Teil ausufernd. So kann auch
der nicht allwissende Leser die zugehörigen
Gedankengänge im Detail verfolgen.
Wer eine bessere Lösung als die abgedruckte
oder – bei einem ungelösten Rätsel –
überhaupt eine findet, ist eingeladen, in direkten
Kontakt mit dem Autor zu treten. So
lebt das Buch weiter und entwickelt sich
fort. Auf
Peter Winklers
Homepage findet sich eine
Sammlung von Korrekturen und neuen Antworten.
Der Text besticht durch eine klare, präzis
formulierte Sprache. Peter Winkler legt sehr
großen Wert auf die genaue Motivation und
die Herkunft der Rätsel. Jede Quelle wird
angegeben. Hin und wieder stößt ein Problem
sogar an die gegenwärtigen Grenzen
der mathematischen Erkenntnis, und seine
Lösung nutzt jüngst erzielte Forschungsergebnisse.
Ein Lob an die Übersetzung, die dem Leser
kaum holprige Sätze auf den Teller legt
und ihm die Illusion verschafft, dass das Buch im Original auf Deutsch verfasst worden
sei.
Winkler will vor allem Mathematiker und
mathematisch gut vorgebildete Leser ansprechen.
Dieser zu Beginn geäußerten Maxime
bleibt er durchgehend treu und setzt
stellenweise viel voraus. Und wer diese Vorkenntnisse
nicht mitbringt, aber genügend
Interesse, um sich einzuarbeiten, findet
dank der klaren Sprache und der guten
Struktur einen Einstieg in das Buch.