Astronomie & Physik
Phoenix auf dem Mars
Die jüngste Marslandemission gilt als beendet - doch die Auswertung der Daten des Mars Phoenix ist in vollem Gange und noch für manche Überraschung gut. Auch neue Fragen haben sich ergeben, und die Folgemissionen zu ihrer Beantwortung sind schon in Vorbereitung.
Andererseits ist er – zumindest heute – eine unwirtliche Welt. Doch war dies immer so? Existierte einst vielleicht flüssiges Wasser auf dem Mars, war der Planet sogar feucht und warm? Falls ja, wie kam es zu den anschließenden Klimaveränderungen? Haben sich auf dem Mars je Lebensformen entwickelt? Und sollte dies der Fall sein: Ähneln sie terrestrischen Lebensformen und können wir sie als solche an der Oberfläche nachweisen? Diese Fragen beflügeln die Erforschung unseres Nachbarplaneten schon seit Mitte der 1960er Jahre.
Bislang allerdings ist die Geschichte der Marsmissionen von wechselhaftem Glück geprägt. Mitte der 1970er Jahre landeten Viking 1 und Viking 2 als erste Raumsonden funktionstüchtig auf der Oberfläche des Planeten. Von ihnen stammen auch die ersten Farbaufnahmen des Roten Planeten, und sie sendeten viel länger als erwartet, bis 1982 beziehungsweise 1980, Daten zur Erde. Doch ihre Suche nach mikroskopischen Lebensformen im Marsboden lieferte widersprüchliche Resultate und ist -– nach heutigem Stand – erfolglos geblieben. Ein voller Erfolg hingegen wurde, nachdem 1993 ein Mars-Orbiter gescheitert war, der 1997 in eine Umlaufbahn eingeschwenkte Mars Global Surveyor, dessen letzte Funksignale uns im Oktober 2006 ereichten. Ebenfalls im Jahr 1997 landeten Mars Pathfinder und sein Rover Sojourner sicher auf der Oberfläche des Planeten.
1999 jedoch gingen sowohl der Mars Climate Orbiter als auch der Mars Polar Lander verloren, und im Jahr 2000 wurde die Entwicklung des ursprünglich als Kombination aus Orbiter, Lander und Rover geplanten Mars-Surveyor- Programms gestoppt. Doch immerhin fand der Orbiter neue Verwendung: Unter dem Namen Mars Odyssey startete er 2001 (und diente später als Relaisstation für die 2004 gelandeten Zwillingsrover Spirit und Opportunity). 2003 feierte die europäische Weltraumbehörde ESA auch das erfolgreiche Eintreffen des Orbiters Mars Express, lediglich der Lander Beagle blieb verschollen. 2006 schließlich erreichte der Mars Reconnaissance Orbiter die Umlaufbahn um unseren Nachbarplaneten und schießt bis heute Bilder mit höchster Auflösung.
Das jüngste Projekt ist indessen Mars Phoenix. Nachdem im Jahr 2000 Katzenjammer geherrscht hatte, weil die noch unerforschten arktischen Regionen des Mars wieder außer Reichweite gerückt waren, führte Mars Odyssey die Wende herbei. 2002 entdeckte die Sonde ebendort dicht unter der Oberfläche große Mengen an Wasserstoff (siehe "Gefrorener Ozean unter dem Marsboden", SdW 9/2002, S. 12). Forscher interpretierten die weniger als einen Meter tief gelegenen Reservoire als Wassereis, das die lange gesuchten organischen Substanzen und damit Hinweise auf gegenwärtiges oder früheres Leben enthalten könnte


Walter Goetz, der 2002 am Center
for Planetary Science der Universität
Kopenhagen promovierte,
arbeitet als Physiker am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
(MPS) in Katlenburg-Lindau.
Im Jahr 2004 nahm er an der
dreimonatigen Primärmission der
Mars Exploration Rover am kalifornischen
Jet Propulsion Laboratory
teil. 2008 folgte die Mitwirkung an
der Phoenix-Primärmission an der
University of Arizona in Tucson.
Derzeit wirkt er auch am Bau von
Instrumenten für den geplanten
europäischen Rover ExoMars mit.
abrufen





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1. Wie lebensfeindlich ist Perchlorat?
20.04.2010, Prof. Dr. Dieter Rehder, HamburgZum einen finden sich auf unserem Planeten aber sehr wohl Bakterien, die Perchlorat verwerten, indem sie es mittels eines Enzyms, der Perchloratreduktase, zu Chlorit (ClO2-) reduzieren. Beispiele sind Paracoccus halodenitrificans, Citrobacter sp. und Dechlorosoma sp. Zum anderen können wässrige Lösungen von Perchlorat bis zu einer Temperatur von minus 70 Grad Celsius flüssig bleiben, und damit die "Liquidität" eines potenziellen wässrigen Lebensraums auch bei durchschnittlichen Oberflächentemperaturen auf dem Mars sicher stellen.
Weiterhin sei bemerkt, dass in dem vom Mars stammenden Meteoriten ALH84001 (1. Metoritenfund im Jahre 1984 in Alan Hills, Victoria Land, Antarktis) hochreine Kriställchen des (Bio-)Minerals Magnetit = Fe3O4 gefunden wurden. Hochreiner Magnetit wird auf unserem Planeten von magnetotaktischen Bakterien synthetisiert und daher von einigen Forschern als Biomarker angesehen (Quelle: K. L. Thomas-Keprta et al., "Origins of magnetite nanocrystals in Martian meteorite ALH84001", Geochim. Cosmochim. Acta 73 (2009) 6631-6677).
Die Mars-Magnetite in ALH84001 datieren 4,1 Milliarden Jahre zurück (zu jener Zeit besaß der Mars noch ein globales Magnetfeld), und sind damit 0,6 Milliarden Jahre älter als die primitivsten auf der Erde gefundenen Lebensformen.
2. Perchlorat und Leben auf dem Mars ...
10.05.2010, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindaubesten Dank für Ihren Kommentar zu meinem Artikel!
Die Frage nach möglichem Leben auf dem Mars ist in den letzten drei Jahrzehnten außerordentlich kontroversiell geworden - und bleibt doch das Leitmotiv für alle kommenden (gegenwärtig geplanten) Marsmissionen (siehe auch meinen Ergänzungsartikel unter www.spektrum.de/artikel/1026803)!
Ich vermute, dass Perchlorat in der Mars-Atmosphäre produziert wird (Catling et al, www.agu.org/pubs/crossref/2010/2009JE003425.shtml) und sich daher nur an der Oberfläche und in den obersten Bodenschichten befindet. Die Oberfläche gilt aber ohnehin als lebensfeindlich. Potentielle Mars-Organismen im tieferen Untergrund würden also wenig durch das Perchlorat beeinflusst werden (weder positiv noch negativ).
Das (unter Marsbedingungen stabile) flüssige Perchlorat-Medium, welches Sie ebenfalls ansprechen, ist von Rennó et al abgehandelt worden (www.agu.org/pubs/crossref/2009/2009JE003362.shtml).
Mit freundlichem Gruß,
Walter Goetz