Antibiotika
Neue Strategien gegen Superkeime
Krank machende Bakterien entwickeln zunehmend Resistenzen gegen gebräuchliche Antibiotika, oft sogar gegen mehrere zugleich. Nur innovative Forschung kann der Medizin den dringend benötigten Waffennachschub verschaffen.
Um dieselbe Zeit war die Studie eines großen Forscherteams erschienen, wonach MRSA allein in den USA jährlich schätzungsweise 196 000 Todesfälle verursacht – mehr als das Aidsvirus HIV (in Deutschland, wo andere Stämme kursieren, sind es schätzungsweise 500 bis 2000, meist infolge einer "Blutvergiftung"). Im Fall einer ernsten Infektion starben rund 20 Prozent der Betroffenen und – was noch brisanter ist – darunter zunehmend junge Menschen, die sich den Superkeim bei Alltagsaktivitäten zugezogen hatten.
Früher beschränkte sich das MRSA-Problem auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, wo viele Patienten abwehrgeschwächt und daher anfälliger sind. Selbst wenn MRSA-Infektionen nicht tödlich verlaufen, verursachen sie hohe Kosten: Wer sich als Patient im Krankenhaus eine zuzieht, muss im Durchschnitt zehn Tage länger stationär behandelt werden. In den USA verschlingt die stationäre Behandlung aller MRSA-Patienten jährlich immerhin drei bis vier Milliarden Dollar. Dabei sind Staphylokokken nicht die einzigen Keime, die sich zunehmend schwieriger bekämpfen lassen. Die moderne Medizin verliert mehr und mehr Boden im Kampf gegen bakterielle Krankheitserreger, die bereits als besiegt galten. Um das Blatt zu wenden, bedarf es dringend innovativer Ansätze zur Entdeckung und Entwicklung weiterer Antibiotika.
Die Geschichte von MRSA illustriert beispielhaft, wie schnell Resistenzen gegen vorhandene Medikamente entstehen können. Die natürlichen Mechanismen, die bei Staphylokokken und anderen Bakterien dahinterstehen, führen praktisch zwangsläufig dazu – und machen einen konstanten Nachschub an neuen Antibiotika notwendig


Christopher T. Walsh ist
Hamilton-Kuhn-Stiftungsprofessor
für Biochemie und molekulare
Pharmakologie an der Harvard
Medical School in Cambridge
(Massachusetts) und zudem als
Berater beziehungsweise im Vorstand
mehrerer Biotechnologie- und
Pharmaunternehmen tätig. Ihn interessiert
besonders, wie Mikroorganismen
Antibiotika oder andere
Moleküle von möglichem therapeutischem
Nutzen produzieren.
Michael A. Fischbach war bis vor
Kurzem als Junior Fellow in der
Abteilung für molekulare Biologie
am Massachusetts General Hospital
in Boston tätig. Dort hatte er mit
Walsh begonnen, Bakteriengenome
auf Gene zur Antibiotikaproduktion
zu durchmustern. Nun arbeitet er
als Assistenzprofessor im Fachbereich
Biotechnologie und Therapiewissenschaften
an der University of
California in San Francisco.
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