Erdöl
Berg- oder Talfahrt?
Pessimisten meinen, dass die Erdölförderung ihren Zenit überschritten hätte und die Reserven nur noch wenige Jahrzehnte reichten. Doch immer bessere Prospektions- und Fördertechnologien geben Anlass zur Hoffnung, der Gipfel sei noch nicht erreicht.
Die wundersame Ölvermehrung hat einen einfachen Grund: Alle Abschätzungen beruhten auf dem jeweiligen Stand der Fördertechnik, aber die hat sich weiterentwickelt. Chevron konnte die Produktivität des Kern-River-Ölfelds in den 1960er Jahren dank einer neuen Technologie, der Dampfinjektion, deutlich steigern. Später taten neuartige Explorations- und Bohrtechniken das ihre, um diese einst als so schwierig eingestufte Lagerstätte in ein wahres Füllhorn zu verwandeln. Mit Dampfinjektionen wollen auch die Konzerne Royal Dutch Shell und Exxon einem Erdölfeld nahe dem holländischen Städtchen Schoonebeek zu Leibe rücken. Es war 1996 unrentabel und deshalb stillgelegt worden, ab Ende dieses Jahres bis 2030 soll es nun 120 Millionen Barrel des Schwarzen Goldes liefern.
Gemäß der Lehrmeinung folgt die Ausbeute eines Erdölvorkommens einem glockenförmigen Verlauf. Ist es zur Hälfte gefördert, erreicht die nach dem Geologen M. King Hubbert benannte Kurve ihren Scheitelpunkt; von da an sollte es immer teurer werden, den Rest zu fördern. Die Hubbert-Kurve gelte aber auch für die Gesamtheit aller Erdölfelder weltweit. Viele Analysten sagen nun schon seit Jahren voraus, dass die globale Ölproduktion in den nächsten Jahren ihren Zenit erreichen und dann rückläufig sein wird. Das ist keine gute Nachricht, denn selbst wenn die Nutzung fossiler Brennstoffe Umwelt und Erdklima gefährden: Alternative Energieträger können in puncto Kosten, Vielseitigkeit sowie Transport- und Speicherfähigkeit noch nicht konkurrieren. Erdöl ist nach wie vor weltweit mit einem Anteil von etwa 35 Prozent am Primärenergieverbrauch der wichtigste Energieträger und damit zumindest für eine Übergangszeit unverzichtbar. Zudem wird ein zwar kleiner, aber unverzichtbarer Anteil der geförderten Menge in der chemischen Industrie beispielsweise zu Kunststoffen verarbeitet.
Vor zwei Jahren lag der Verbrauch weltweit noch bei jährlich 30 Milliarden Fass. Die Finanzkrise hat ihn zwar sinken lassen, er dürfte in naher Zukunft aber das alte Niveau wieder erreichen. Bliebe er dann konstant, reichten die derzeit nachgewiesenen Ölreserven unseres Planeten von 1,1 bis 1,3 Billionen Barrel noch etwa 40 Jahre lang. Doch nicht nur Kern River hat alle Erwartungen übertroffen


Der Ökonom Leonardo Maugeri ist
Vizepräsident der Strategieabteilung
des italienischen Ölkonzerns
Eni. Er lehrt als Gastdozent am
Massachusetts Institute of Technology
(MIT) in Boston und gehört
zum Energieberater-Stab des
Instituts.
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1. Anlass zu Hoffnung?
01.06.2010, Matthias HoneggerSie schreiben davon, dass die Erdölvorräte wohl noch länger als nur wenige Jahrzehnte halten werden, und sagen im gleichen Atemzug, dass diese Aussicht Anlass zur Hoffnung ist.
Ich möchte gerne die Konklusion umkehren und sage hier, es würde mir Anlass zu Hoffnung geben, wären die fossilen Energieträger endlich sichtbar und fühlbar nicht mehr derart billig und einfach zu haben. Damit wir auf dem absteigenden Ast Vernünftigeres damit anstellen würden als sie einfach zu verbrennen.
Auch müssen wir uns fragen, ob wir nur glücklich sein können mit einem ständig wachsenden Energieverbrauch oder ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt.
In diesem Sinne auf eine Glockenkurve, welche früh genug fühlbar wird!
Mit freundlichem Gruss
2. Risiken und Nebenwirkungen
25.06.2010, Peter Spang, Dillingenwie sich die Ausbeutung "unkonventioneller" Lagerstätten gestaltet, ist derzeit ja live im Golf von Mexico zu bewundern. Den Abbau von Teersand, Öl- und Asphaltschiefer darf man dann wohl als terrestrisches Gegenstück zur Meereskatatstrophe sehen. Wir sollten uns alle schon mal gedanklich vom Öl verabschieden, nicht nur vom "easy oil".
Solche Artikel wie der Ihre, sind wenig dazu angetan, hier einen Sinneswandel zu befördern, zumindest sollten sie nicht
ohne "Beipackzettel", der über Risiken und Nebenwirkungen informiert, veröffentlich werden.