Zwerggalaxien
Das kosmologische Standardmodell auf dem Prüfstand
Die noch rätselhafte Dunkle Materie soll eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Galaxien spielen. Besonders in den Satellitengalaxien der Milchstraße würden sich ihre Einflüsse bemerkbar machen. Doch Beobachtungen in unserer kosmischen Nachbarschaft nähren Zweifel an der Existenz dieser Materieform.
Seit 13,7 Milliarden Jahren existiert das Universum. Doch wie gelangte es zu seiner großräumigen Struktur? Und welche Materiearten und Kräfte spielten dabei die wesentlichen Rollen? Es gibt vieles, was wir schon wissen. Die Häufigkeit der Elemente, der kosmische Mikrowellenhintergrund, die Expansion des Universums: All diese Phänomene sind gut untersucht und lassen uns aus vielen Gründen vermuten, dass der Kosmos einst in einem Urknall entstand. Seither ist es vor allem die Schwerkraft, die unserem Universum seine von Galaxien und ganzen Haufen von Galaxien strukturierte Form gab.
Doch das so genannte kosmologische Standardmodell, mit dessen Hilfe Forscher gegenwärtig die Entwicklung des Universums beschreiben, macht noch weitere Vorhersagen. Eine davon lautet: Galaxien setzen sich nicht nur aus sichtbarer Materie zusammen. Vielmehr verfügen sie neben der "normalen" baryonischen Materie, aus der Sterne ebenso wie Menschen bestehen, über eine weitere Zutat: die Dunkle Materie. Diese ist nicht nur das Salz in der Suppe, sondern soll gleich 85 Prozent aller Materie im Universum ausmachen.
Nachgewiesen wurde sie bislang nicht, aber vor allem in unterirdischen Labors fahnden Forscher bereits nach ihr, und auch auf der Internationalen Raumstation wird bald ein 1,5 Milliarden Euro teures Instrument installiert, das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS, siehe die kommende Ausgabe von SdW), um die Suche aufzunehmen.
Doch gibt es diese Dunkle Materie wirklich? Für ihre Existenz führen die Astronomen


Pavel Kroupa hat an der englischen
University of Cambridge
promoviert. Derzeit leitet der australische
Staatsbürger die Arbeitsgruppe
Sternpopulationen und
Sterndynamik am Argelander-Institut
für Astronomie der Universität
Bonn. Sein Forschungsinteresse
gilt der Dynamik von Sternen
und Galaxien. In Zukunft will er sich
den Varianten der modifizierten
newtonschen Dynamik widmen.
Marcel Pawlowski promoviert
an der Universität Bonn im Fachbereich
Astrophysik.
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1. Gravitationslinseneffekte nicht diskutiert
10.08.2010, Dr. Timm Deeg, Wachenheim an der WeinstraßeAuch die Diskussion des kosmologischen Standardmodells gibt Rätsel auf. So sei die Frage ungelöst, ob die Raumzeit "überhaupt unabhängig von Masse existieren kann". Richtig ist, dass sich Einstein anfänglich heftig gegen die Vorstellung eines leeren Universums gewehrt hat. Aber ebendieses offenbarten wenig später die Friedmann-Lemaitre-Lösungen seiner Feldgleichungen, die bis heute Bestandteil des Standardmodells sind. Aber selbst wenn, wie behauptet, diese Frage noch ungeklärt wäre, lieferte sie kein brauchbares Argument. Denn auch die mit der Dunklen Materie konkurrierenden Hypothesen handeln von Materie, nicht von einem leeren Universum.