Serie: Nachhaltige Mobilität
Zwei Milliarden Autos
China, Indien - die Schwellenländer boomen, und die Automobilhersteller wetteifern darum, sich die neuen Märkte zu erschließen. Innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte dürfte sich die Zahl der Autos weltweit von einer auf zwei Milliarden verdoppeln. Damit aber würden auch die Kohlendioxidemissionen rasant ansteigen – sofern nicht umweltverträglichere Antriebstechnologien auf breiter Front eingeführt werden.
Effizient oder nicht, Autos wurden zum Transportmittel Nummer eins, und unsere Abhängigkeit von ihnen wächst immer weiter. In Deutschland und den USA hat fast jeder, der alt genug dafür ist, einen Führerschein und ein eigenes Auto. In den USA gibt es erstaunlicherweise sogar mehr Autos als Fahrer und mehr als zwei Kraftwagen je Haushalt. Praktisch überall auf der Welt legen Fahrzeuge immer weitere Strecken zurück. Nur zwei Prozent der Amerikaner reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sogar in Ländern, wo das Benzin teuer ist, das öffentliche Verkehrsnetz hervorragend und die Bevölkerungsdichte sehr hoch wie in Europa, erledigen Autos 80 Prozent aller Transportaufgaben (2008 fuhren in Deutschland 59,6 Prozent der Erwerbstätigen mit einem Pkw zur Arbeit, 13 Prozent nahmen öffentliche Verkehrsmittel, die Red.). Das Auto hat seine Konkurrenten schon fast besiegt.
Es ist grotesk: Ein typisches Fahrzeug wiegt bis zu 20-mal so viel wie die Person, die es transportiert, und steht 95 Prozent seiner Lebenszeit nutzlos herum. Vor allem aber: Diese Beförderungsmonokultur verschwendet Rohstoffe und produziert Treibhausgase. Bei einem durchschnittlichen Benzinverbrauch von 12 Litern pro 100 Kilometer für Autos und 18 Litern für Kleintransporter, Minivans und Geländefahrzeuge vernichtet diese Blechlawine in den USA heute mehr als 1,4 Milliarden Liter Erdöl pro Tag. Weil sich weltweit die Anzahl der Pkws von derzeit etwa einer bis zum Jahr 2020 auf zwei Milliarden verdoppeln wird, dürfte die Versorgungslage immer angespannter werden. Dazu kommt noch


Daniel Sperling lehrt Ingenieur- und
Umweltwissenschaften an
der University of California in Davis;
er ist Gründungsdirektor des UC-Davis-
Instituts für Verkehrsstudien.
Die Analystin Deborah Gordon
berät Kommissionen und Regierungen.
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1. Mehr als ein technisches Problem
11.10.2010, Iko TönjesDer Satz "In Deutschland .. hat fast jeder, der alt genug dafür ist, einen Führerschein und ein eigenes Auto." stimmt so nicht. Die große Studie "Mobilität in Deutschland 2008" hat ermittelt, dass immerhin 20 Prozent der deutschen Haushalte kein Auto besitzen, in Großstädten sogar fast 30 Prozent. Und der Trend bei jungen Großstadtbewohnern zum Führerschein und Auto ist schon leicht rückläufig.
Ob ein Auto das "komplexeste" Konsumprodukt ist, ist zweifelhaft. Ob es technisch komplexer ist als ein Computer, darüber mag man streiten; wenn man nur auf das Produkt und nicht auf die Produktion schaut, ist schon eine simple Topfpflanze bzw. jede einzelne ihrer Zellen wohl um ein Vielfaches komplexer. Das ist ein Punkt, den Ingenieure meist vergessen.
Dass die Reduzierung der Schadstoffe eine "Erfolgsgeschichte" ist und dass die Abgase manchmal sauberer sind als die Umgebungsluft, ist zumindest für Stickoxide und Partikel sicher nicht zutreffend. Viele europäische Großstädte haben Probleme, die gültigen EU-Grenzwerte für Partikel (PM10) und NO2 einzuhalten, und das gerade an Hauptstraßen.
Als vor ca. 10 Jahren einige Vorzeige-Sparmodelle (VW Lupo, Audi A2) zu kaufen waren, waren die Preise so hoch angesetzt und wurde in den Autohäusern aktiv vom Kauf abgeraten, dass es kein Wunder war, dass die Modelle kein Erfolg wurden. Es lag wohl nicht in erster Linie an den Kunden.
Es ist nicht die Technik, die die Probleme des Autoverkehrs lösen kann, sondern die gesellschaftliche Organisation:
- Solange das Geschäftsmodell und die Kalkulation der Autoindustrie davon ausgeht, dass der größte Gewinn mit dem Verkauf der größten Autos gemacht wird, solange werden sparsame Autos eher PR-Objekte als Massenprodukt sein. Und verbrauchsunabhängige Kosten für die Dienstwagennutzung unterstützen das.
- Solange das Konzept der privaten
Allzweck-Reise-und-Transport-Renn-Limousine mit Insassenschutz bis 200 km/h die Regel ist, solange werden Autos weiterhin zu schwer sein und fast nur herumstehen, und dann werden sich technische Innovationen auch nur mit großer Verzögerung verbreiten.
Ohne moderne Konzepte von CarSharing (s. Car2go in Ulm und Mu von Peugeot), bei denen man sich für jeden Nutzungszweck das passende Fahrzeug mietet, und einen intelligenten Verkehrsmittelmix inklusive (E-)Fahrrad und Bahn wird sich weder das Elektroauto durchsetzen noch wird der Autoverkehr global überleben können.
"Wir behalten unsere bisherigen Autos und bauen nur einen neuen Motor ein", das wird nicht die Zukunft sein.
2. Geringerer Wirkungsgrad
29.10.2010, Karl-Heinz Haid, Isny-BeurenErzeugt man den Strom aus Wasser oder Wind, ist die Gesamtbilanz mit 80% bis 85% günstiger, doch auch hier gilt: der Umweg ist immer länger als der direkte! Auch bei den nachwachsenden Rohstoffen ist es energetisch innvoller, das Erzeugnis, Gas oder Alkohol, im Verbrennungsmotor des herkömmlichen Autos zu verwerten, als es zu verstromen um dann die Batterie eines Elektroautos zu laden, die dann die Energie wieder an den Motor abgeben muss, was alles mit Verlusten verbunden ist. Abgesehen davon, dass die Batterien eine zusätzliche Belastung der Umwelt mit Problemstoffen mit sich bringen.
Der Elektroantrieb für Fahrzeuge kann nur in Städten sinnvoll sein, um das Abgas- und Feinstaubproblem nach draußen zu verlagern. Und dann wäre es am besten, den Individualverkehr vollständig aus den Zentren zu verbannen und die Personenbeförderung mit durch Oberleitungen versorgte Busse und Straßen- und U-bahnen durchzuführen.