Anthropologie
Als die Menschen fast ausstarben
Beinahe wäre unsere Spezies gleich wieder ausgestorben. Vor mehr als 120 000 Jahren überstanden nur wenige moderne Menschen das damals anhaltend harte Klima Afrikas. Doch die Südküste des Kontinents bot durchgehend gute Lebensbedingungen – am Meer.
Über diese Kaltzeit liegen für Afrika keine genauen Klima- und Umweltdaten vor. Doch immerhin erlauben Befunde von jüngeren Kältephasen einige Rückschlüsse. Demnach dürfte ein kühles, trockenes Klima geherrscht haben. Die Wüstenzonen waren viel weiter ausgedehnt, und viel weniger Land war für Menschen bewohnbar. Unter den schwierigen Verhältnissen schrumpfte ihre Zahl bedenklich


Curtis W. Marean hat an der Arizona State University in Tempe eine Professur an der School of Human Evolution and Social Change inne und gehört zur Leitung des Institute of Human Origins. Er ist leitender Forscher eines Studienprojekts an der südafrikanischen Küste, das die Urzeit des modernen Menschen und die Randbedingungen untersucht.
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1. Schlecht begründete Katastrophentheorie
01.12.2010, Eduard Kirschmann, HannoverZitat: "Frappant ist ja unsere geringe genetische Vielfalt im Vergleich zu der vieler anderer Arten - gerade auch der Schimpansen -, die oft wesentlich kleinere Populationen und Verbreitungsgebiete aufweisen. Am besten läßt sich das Phänomen mit einem Populationszusammenbruch irgendwann beim frühen Homo sapiens erklären."
Das Klima war also in Afrika so trocken, dass moderne Menschen fast ausgestorben sind, aber gleichzeitig so feucht, dass die Schimpansenpopulationen nicht in gleichem Ausmaß betroffen waren? Ist das die besagte "beste Erklärung"?
Der Autor hätte besser daran getan eine der erwähnten "alternativen Erklärungen" im Detail zu überprüfen. Z.B. die These, dass eine kleine, lokale Population (vielleicht infolge der Nutzung von Meeresressourcen und der damit verbundenen, höheren Bevölkerungsdichte) einen deutlichen kulturellen Vorsprung entwickelt hat. Ein derartiger Vorsprung hätte ihr dann erlaubt sich in Afrika ebenso auf Kosten ihrer Nachbarn auszubreiten, wie später in Europa und Asien. Für den "Flaschenhals" bedarf es da nur noch der Annahme, dass sich die Eroberer mit den Ureinwohnern kaum vermischt haben - vielleicht weil sie auf Stammesebene ebenso endogam waren, wie wir es von Naturvölkern kennen.
2. Prähistorischer Kleber
04.01.2011, Gerhard Struhal, WienDanach gibt es eine Rückschritt und ein Wiederaufblühen vor etwa 45 000 Jahren (PNAS, 11.5.2009; Science 324, S. 1293).
3. Weibliche Welt
13.01.2011, Birgit Ergezinger, GöttingenFür eine Welt, die weiblicher werden will, ist der archäologische Befund erfreulich. Es gab also schon einmal eine Zeit, in der es vernünftiger zuging, als genug Nahrung für alle da war, aus der Erde und aus dem Meer. Ein Matriachat in Afrika, von dem wir vielleicht alle abstammen, erklärt den Ursprung von Glaubensvorstellungen des Altertums. Das Urbild der Mondgöttin, als Sinnbild der Fruchtbarkeit, geht letztendlich auf Bedingungen der Natur zurück. Das wußten wir vor diesem Artikel noch nicht so gut.
4. Leben an der Küste – Rettung oder tödliche Gefahr?
31.01.2011, Dr. Franz X. Faust, Popayan, KolumbienDer Körper des modernen Menschen trägt viele Merkmale, die sich wohl in einer oder mehreren Phasen unserer Evolution entwickelt haben, in denen wir an der Küste lebten und uns vorrangig von Meeresfrüchten ernährten. Dafür spricht zum Beispiel unser Kälteschutz durch Unterhautfett, das der weibliche Koerper dazu gebraucht, um seine visuellen sexuellen Reize aufzubauen. Die wurden nötig, da sich Geruchssignale bei der im Wasser watenden Nahrungssuche kaum übermitteln lassen.
Selbst der Menstruationszyklus der Frauen lässt sich mit der küstengebundenen Lebensweise erklären. Alle Monat zweimal legen die Gezeiten lange Küstenstreifen frei, die der Frau erlauben Muscheln zu sammeln, ohne zu waten, zu schwimmen oder zu tauchen. Mit dieser Synchronisation vermeidet sie, dass sie mit dem Menstruationsfluss z.B. Haie anlockt. (Zwei Menstruationen pro Monat wären für den Körper der Frau zu viel Stress.)
Dies und vieles mehr weist unsere Vorfahren als die Küstenart unter den Hominiden aus. Diese Lebensweise birgt aber auch tödliche Gefahren für die ganze Art. Ein Megatsunami im Indischen Ozean kann ein wahre Sintflut für die frühe Menschheit dargestellt haben. Nur die Suche nach dem für unsere frühen Artgenossen typischen Muschelhaufen auf dem Schelf vor Ostafrikas Küsten kann Klarheit geben, ob das Leben an der Küste uns gerettet hat oder fast die Existenz gekostet hat.