Man schrieb das Jahr 1944. Der Zweite Weltkrieg neigte sich dem Ende zu. Wie es aussah, würde Japan allerdings nicht so schnell kapitulieren. Deshalb fürchteten die Alliierten, ihnen könne der Treibstoff für den weiteren Kampf ausgehen. Und so beschloss die US-Marine, ein 93 000 Quadratkilometer großes Erdölfeld in Nordalaska zu erschließen, das ihr gehörte und als sehr ergiebig eingeschätzt wurde. Es gab nur ein Problem: Von dem Gebiet existierten keine Karten. Also ließ die Navy eine Serie außergewöhnlich hoch aufgelöster Luftbilder anfertigen.

Die Vermessungsingenieure starteten mit einer zweimotorigen Beechcraft vom Flugfeld Ladd bei Fairbanks. In die offene Tür hatten sie eine große K-18-Kamera montiert. Während ihres langsamen, tiefen Flugs schossen sie mehrere tausend Fotos von der North Slope, einem flachen Tundragebiet zwischen dem Nordpolarmeer und der Brooks Range, sowie von den Tälern, die sich südlich daran anschließen. Diese liegen in der borealen Waldzone: einem auch Taiga genannten breiten Streifen aus Nadel- und Laubbäumen, der sich quer durch die Arktis zieht (siehe Karte S. 88). Die 23 mal 46 Zentimeter großen Negative lieferten gestochen scharfe Bilder, auf denen sogar die Hufspuren von Elchen zu erkennen waren. Heute ist die Serie von unschätzbarem Wert für die Klärung der Frage, wie arktische und subarktische Gebiete auf den Klimawandel reagieren. …