Curtis W. Marean von der Arizona State University in Tempe, USA, beschreibt in der Dezember-Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" eine Zone, die seines Erachtens zu dieser Zeit als Rückzugsgebiet des Menschen gedient haben könnte: Die afrikanische Südküste. Eine derart vielfältige Flora und Fauna wie dort in einem so kleinen Landstrich ist einmalig auf der Erde. Speziell der Reichtum an Pflanzen mit unterirdischen Speicherknollen macht es praktisch unmöglich, dort zu verhungern. Dazu kommt die Nähe zum Meer, das in dieser Gegend außerordentlich viele Schalentiere wie Muscheln, Schnecken und Krebse ernährt.
Marean stützt seine These auf Ausgrabungen in einer Höhle an dieser Küste. Sie war während der langen Kaltperiode oft bewohnt und zeugt von bisher nicht vermuteten Fähigkeiten jener frühen modernen Menschen. Diese ernährten sich offenbar schon vor 164.000 Jahren regelmäßig vom Meer, behandelten Stein für bessere Qualität mit dem Feuer und nutzten roten Ocker zum Bemalen von Körper und Gegenständen. Es war für sie vermutlich notwendig, die Ernte der Meeresfrüchte nach den Flutphasen mit einem Mondkalender zu planen und sich zusätzlich die Standorte essbarer Pflanzen zu verschiedenen Jahreszeiten einzuprägen.
Mehr noch, sie mussten diese Informationen untereinander austauschen und an die nächste Generation weitergeben. Ohne eine aufwändige Sprache hätten sie das sicherlich nicht gekonnt. Bisher glaubten Anthropologen, die geistige Kompetenz des Menschen sei erst allmählich über viele Jahrtausende komplexer geworden und höhere kognitive Aktivitäten seien erst lange nach der Evolution des Homo sapiens hinzugekommen. Mareans neue Funde sprechen allerdings dafür, dass unsere Art schon von Anfang an zu weit höheren mentalen Leistungen fähig war als angenommen. Der moderne Mensch war schon immer hoch intelligent.




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