
Michael Kramer ist
Direktor am Max-Planck-Institut
für Radioastronomie
(MPIfR) in Bonn und Professor
für Astrophysik an der Universität
Bonn sowie an der
University of Manchester. In
seiner Arbeit verbindet er
Gravitationsphysik und Kosmologie mit der Erforschung von Pulsaren
und ihren Vorgängersternen. Der Radioastronom gehörte
dem Team an, das 2003 den Doppelpulsar entdeckte.
Norbert Wex
ist theoretischer Astrophysiker und leitet am MPIfR die Theoriegruppe
in der Abteilung Radioastronomische Fundamentalphysik.
Er befasst sich insbesondere mit relativistischen Theorien der
Gravitation, mit Gravitationswellen und Schwarzen Löchern sowie
den Möglichkeiten des Pulsar-Timings.
1. Direkte Messung von Gravitationswellen möglich?
24.08.2011, Dr. Dr. Hans Georg Wulz, WienEs ist unbestritten, dass die indirekte Beobachtung von Gravitationswellen durch die Messung der Bewegung von sehr großen Massen wissenschaftlich bestätigt ist und bisher sehr erfolgreich war (das Thema Ihres Artikels in der Juli-Ausgabe).
Eine direkte Messung von Gravitationswellen aber erscheint mir in einem ersten Überlegungsansatz jedoch als nicht möglich.
Nach den Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie, ART, bewirkt jede "Störung" des vierdimensionalen Zeit-Raum-Kontinuums durch Masse oder durch Energie (als "Ursache", beschrieben durch den Energie-Impuls-Tensor) eine Verzerrung des Zeit-Raum-Kontinuums (als "Wirkung", beschreiben durch den riemannschen Krümmungstensor).
Im beispielsweisen Fall eines rotierenden Doppelsternsystems emittiert dieses Sternsystem periodisch variierende Gravitationswellen ab.
Diese Wellen aber treffen nicht auf ein Messsystem, etwa wie LISA, auf, wie in sehr vielen Publikationen beschrieben ist, sondern sie bewirken eine Verzerrung des gesamten Zeit-Raum-Kontinuums, einschließlich des Messobjekts, aber auch des darin befindlichen Messsystems.
Jede "Störung" des Zeit-Raum-Kontinuums durch bewegte oder beschleunigte Massen oder durch eine Energiewandlung bewirkt nach der ART eine Verzerrung des gesamten Zeit-Raum-Kontinuums einschließlich auch einer Meßeinrichtung wie LISA.
Der Messvorgang setzt voraus, dass ein externer, vom zum messenden Objekt unabhängiger Beobachter die Messung durchführt. Dies ist aber nach meiner Auffassung bei der künftig geplanten direkten Messung von Gravitationswellen nicht der Fall. Hier ist das Meßobjekt (z. B. ein rotierendes Doppelsternsystem) und der Beobachter, z. B. LISA) Bestandteil desselben Systems, desselben Zeit-Raum-Kontinuums. Alle durch die bewegten Massen oder Energie(wandlungen) bewirkten Verzerrungen des Zeit-Raum-Kontinuums betreffen nicht nur das Messobjekt, sondern im selben Maße auch die darin befindliche Messeinrichtung. Die Durchführung einer direkten Messung ist daher aus meiner Sicht nicht möglich.
2. Maßstab auch aus Gummi?
06.09.2011, Michael Mechtel, NürnbergWenn nun die Redaktion aber schreibt, 'Hier ergibt die Rechnung ...', dann muss ich natürlich kapitulieren, da ich die Rechnung nicht nachprüfen kann. Ist evtl. die Interpretation des Rechenergebnisses nicht korrekt?