Stimmenzahl und Macht
Man gebe dem, der hat, noch mehr, und es wird der Gerechtigkeit dienen. Auch die demokratischsten Abstimmungssysteme sind gelegentlich paradox.
Ian Stewart
„Ich schätze es überhaupt nicht, eine Abstimmung zu verlieren, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen, Schleicher.“
„Natürlich nicht“, beeilte sich sein persönlicher Referent zuzustimmen.
„Sie haben mir hoch und heilig versichert, daß vier der sechs Bezirke zustimmen würden, darunter Schafhausen, der größte.“
„Jawohl, Herr Präsident, und so war es auch.“
„Wie zum Teufel konnten wir dann verlieren?“
„Das liegt an dem gewichteten Wahlsystem“, erklärte Schleicher. „Wie Sie wissen, hat jeder Bezirk eine Stimmenzahl, die ungefähr proportional zur Anzahl seiner Einwohner ist. Schafhausen hat 300000 Einwohner und 10 Stimmen. Die anderen Bezirke – nun, sehen Sie selbst.“ Er kramte die stets griffbereite Tabelle der Stimmenzahlen hervor:
Schafhausen 10
Bonzenberg 9
Drosseldorf 7
Hintereck 3
Winzlingen 1
Insel Kleinau 1
„Insgesamt gibt es 31 Stimmen, also braucht man 16 für die Mehrheit. Schafhausen hat für Ihre Vorlage gestimmt, ebenso Hintereck, Winzlingen und die Insel Kleinau. Aber das macht zusammen nur 15 Stimmen. Bonzenberg und Drosseldorf waren dagegen, und die haben zusammen 16 Stimmen. So haben wir schließlich doch verloren.“
Präsident Finsterling riß sich mühsam zusammen und untersuchte die Zahlen sehr sorgfältig. „Schleicher, die Neuwahl des Präsidenten ist nächsten Monat, und ich möchte keine Wiederholung dieser Schlappe. Wenn wir die Wahlkreiskommission dazu bringen könnten, Schafhausen eine Stimme mehr zu geben und Drosseldorf eine weniger…“
Schleicher schüttelte den Kopf. „Das würde ich nicht empfehlen, Herr Präsident. Bon


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