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Magazin | 01.09.1995
WISSENSCHAFTSTRENDS

Komplexität in der Krise

John Horgan
In aller Welt sind Forscher auf der Suche nach einer einheitlichen Theorie hochstrukturierter Systeme – vom menschlichen Gehirn über die Wirtschaft bis zu Computernetzen. Doch die anfängliche Euphorie ist einer gewissen Ernüchterung gewichen.
Als Mekka der Komplexitätsforschung hat sich das kleine Santa-Fe-Institut in New Mexico – mit sechs festangestellten Wissenschaftlern und 50 externen Fakultätsmitgliedern – im Jahrzehnt seit seiner Gründung hohes Ansehen erworben. Hier lassen renommierte Gelehrte den klassischen, als langweilig empfundenen Reduktionismus gänzlich hinter sich – die systematisch-begründende Rückführung komplexer Therorien, Wirklichkeitsbereiche oder der gesamten Realität auf elementare Begriffe und Prinzipien; hier streben sie nach einer neuen, vereinheitlichten Sichtweise der unbelebten Natur, des Lebens, des menschlichen Sozialverhaltens, letztlich des ganzen Universums. Doch nun machen sich sogar einige Gründungsmitglieder Sorgen über die Kluft zwischen diesem hohen Anspruch und dem tatsächlich Erreichten.

Zu ihnen gehört Jack D. Cowan, der sich an der Universität Chicago mit mathematischer Biologie beschäftigt. Cowan ist gewiß kein puritanischer Wissenschaftler alten Stils: Er hat die neurochemischen Prozesse erforscht, die den von der Droge LSD hervorgerufenen bizarren visuellen Mustern zugrunde liegen. Außerdem war er einer der Promotoren des Instituts, gehört dessen Vorstand noch immer an und findet manches dort interessant und wichtig.

Aber er beklagt die "Tendenz zur Computerhackerei" und attestiert manchen Theoretikern "ein zu hohes Verhältnis von Mundwerk zu Gehirn", wie er sich ausdrückt. Viele Simulationsforscher wiederum leiden nach seiner Meinung an einer Art Ähnlichkeits-Syndrom: "Sie sagen, 'Schau nur, wie das einem biologischen oder physikalischen Phänomen ähnelt!' Sie tun so, als hätten sie damit schon ein brauchbares Modell für das Phänomen, aber meist hat es nur zufällig ein paar passende Eigenschaften." In Cowans Augen ist die bisher wichtigste Entdeckung des Santa-Fe-Instituts (SFI), daß komplexe Systeme sich nur sehr schwer erforschen lassen.

Doch andere Mitglieder erheben den ehrgeizigen Anspruch, man könne durchaus eine "vereinheitlich
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