Wissenschaftstrends
Komplexität in der Krise
In aller Welt sind Forscher auf der Suche nach einer einheitlichen Theorie hochstrukturierter Systeme – vom menschlichen Gehirn über die Wirtschaft bis zu Computernetzen. Doch die anfängliche Euphorie ist einer gewissen Ernüchterung gewichen.
Zu ihnen gehört Jack D. Cowan, der sich an der Universität Chicago mit mathematischer Biologie beschäftigt. Cowan ist gewiß kein puritanischer Wissenschaftler alten Stils: Er hat die neurochemischen Prozesse erforscht, die den von der Droge LSD hervorgerufenen bizarren visuellen Mustern zugrunde liegen. Außerdem war er einer der Promotoren des Instituts, gehört dessen Vorstand noch immer an und findet manches dort interessant und wichtig.
Aber er beklagt die "Tendenz zur Computerhackerei" und attestiert manchen Theoretikern "ein zu hohes Verhältnis von Mundwerk zu Gehirn", wie er sich ausdrückt. Viele Simulationsforscher wiederum leiden nach seiner Meinung an einer Art Ähnlichkeits-Syndrom: "Sie sagen, 'Schau nur, wie das einem biologischen oder physikalischen Phänomen ähnelt!' Sie tun so, als hätten sie damit schon ein brauchbares Modell für das Phänomen, aber meist hat es nur zufällig ein paar passende Eigenschaften." In Cowans Augen ist die bisher wichtigste Entdeckung des Santa-Fe-Instituts (SFI), daß komplexe Systeme sich nur sehr schwer erforschen lassen.
Doch andere Mitglieder erheben den ehrgeizigen Anspruch, man könne durchaus eine "vereinheitlich


John Horgan ist Redakteur von Scientific American.
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