Häutungshormon als Abwehrwaffe - chemische Verteidigung bei Asselspinnen
Ein mariner Gliederfüßer wehrt sich mit einem Hormon, das er selbst zur Häutung benötigt, gegen eine räuberische Krabbe. Diese wiederum hat eigens Sensoren entwickelt, damit sie den Wirkstoff nicht mit der Nahrung aufnimmt und so zu unzeitigem Panzerwechsel veranlaßt wird.
Dennoch bleiben sie gewöhnlich verschont. In der Abteilung von Detlef Bückmann an der Universität Ulm, wo sich seit mehr als zehn Jahren die weltweit einzige kontinuierliche Pantopodenzucht befindet, konnte einer von uns (Tomaschko) kürzlich das Verteidigungssystem der Asselspinne Pycnogonum litorale aufklären. Das knapp zwei Zentimeter große Tier kommt zusammen mit der Strandkrabbe Carcinus maenas im Felswatt Helgolands vor. Versuche zeigten, daß der Krebs die Asselspinnen ebenso wie andere Beutetiere mit seinen Laufbeinen und Scheren ergreift und zum Munde führt (Bild 1). Doch dann geschieht Überraschendes: Die Mundwerkzeuge schleudern das dargebotene Tier schleunigst wieder weg. Dieses Wechselspiel kann sich noch mehrmals wiederholen, bevor die Krabbe schließlich von dem Opfer abläßt.
Biochemische Untersuchungen ergaben, daß Pycnogonum in den Zellen der Außenhaut beträchtliche Mengen an Ecdysteroiden anreichern kann. Zu dieser Stoffklasse gehört das Häutungshormon 20-Hydroxyecdyson, das Gliederfüßer für ihre Entwicklung unbedingt brauchen und aus Cholesterin selbst synthetisieren. Ohne Ecdysteroide kann sich kein Spinnentier, Krebs oder Insekt häuten und bis zur Geschlechtsreife heranwachsen. Aber auch zuviel von dem Hormon ist schädlich: Entweder stirbt das Tier unmittelbar, oder es häutet sich unablässig und ist, bis der neue P


Dr. Rehfeld ist Biologe mit Spezialgebiet Evolutionsbiologie und arbeitet als freier Autor und Redakteur in Göttingen. Dr. Tomaschko ist inzwischen Professor für Zoologie in der Abteilung Tierökologie der Universität Bayreuth. Sein besonderes Interesse gilt der chemischen Kommunikation von wirbellosen Tieren, insbesondere den Wirkungsmechanismen der chemischen Signalwahrnehmung.
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