Je genauer die Neurowissenschaftler die Funktionsweise
unseres Gehirns zu beschreiben vermögen, desto deutlicher wird,
daß all ihre Messungen und Modelle just den zentralen Aspekt des Bewußtseins nicht
erfassen: das subjektive Innewerden von Qualitäten wie Farbe oder Geruch,
einer Überlegung oder einer Emotion.
Das bewußte Erleben unserer Sinneswahrnehmungen ist das vertrauteste und zugleich rätselhafteste Geschehen überhaupt. Über nichts wissen wir direkter Bescheid als über das Bewußtsein, aber sein Dasein läßt sich nur äußerst schwer mit allem, was wir sonst noch wissen, in Einklang bringen. Warum existiert es? Was tut es? Wie vermag es aus neuronalen Prozessen im Gehirn hervorzugehen? Solche Fragen gehören seit jeher zu den großen Rätseln menschlichen Forschens und Denkens.
Objektiv betrachtet ist das Gehirn ein einigermaßen verständliches Gebilde. Wenn Sie etwa diese Seite betrachten, läuft im Nu eine Serie von Verarbeitungsschritten ab: Ihre Netzhaut absorbiert Photonen, elektrische Signale wandern durch den Sehnerv zu verschiedenen Hirnarealen, und schließlich reagieren Sie vielleicht mit einem Lächeln, einem verdutzten Stirnrunzeln oder einer Bemerkung. Doch derselbe Vorgang hat auch einen rein persönlichen Aspekt. Wenn Sie die Seite anblicken, sind Sie sich dessen bewußt; Sie erfahren die Wörter und die farbige Abbildung unmittelbar als Teil Ihres eigenen geistigen Erlebens. Sie haben den lebhaften Eindruck bunter Blumen und eines leuchtenden Abendhimmels. Gleichzeitig könnten sich Gefühle regen und Gedanken formen. All diese Erfahrungen zusammen machen Bewußtsein aus: das subjektive Innenleben des Geistes (siehe "Was macht Bewußtsein zu einem Rätsel?" von Peter Bieri, Spektrum der Wissenschaft, Oktober 1992, Seite 48).
Viele Jahre lang mieden die Hirnforscher und sogar viele Psychologen den Begriff Bewußtsein. Man meinte, Wissenschaft sei auf Objektivität angewiesen und könne sich mit etwas so Subjektivem nicht abgeben. Die Behavioristen, Vertreter einer vor allem in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts mächtigen Strömung in der Psychologie, untersuchten nur extern beobachtbares Verhalten und verbaten sich jede Aussage über interne mentale Prozesse. Mit dem Aufschwung der Kognitionswissenschaften wandte man sich später zwar den Vorgängen im Gehirn