Immunschutz durch Muttermilch
Schon lange vor der Geburt wird der menschliche Organismus für die Abwehr von Krankheitskeimen gerüstet. Weniger bekannt ist, daß auch noch viele Bestandteile der Muttermilch den Säugling vor Infektionen bewahren, während sein eigenes Immunsystem erst ausreift.
Der eigentliche Grund dafür dürfte sein, daß die Muttermilch dem kindlichen Organismus in vielfältiger Weise hilft, mit Erregern fertig zu werden. Dieser Schutz ist gerade in den ersten Lebensmonaten wichtig, in denen das unreife Immunsystem selbst manche banalen Keime nicht wirksam bekämpfen kann. Der Internationale Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen (UNICEF) und die Weltgesundheitsorganisation empfehlen sogar, mindestens zwei Jahre lang zu stillen – die Abwehrkräfte sind nämlich frühestens bei Fünfjährigen voll ausgebildet.
Nun hat jedes Kind schon bei der Geburt einen gewissen Immunschutz durch bestimmte Antikörper der Mutter, die durch die Plazenta in sein Blut übergetreten sind. Diese Proteine, die sich gezielt gegen körperfremde Stoffe richten, bleiben noch Wochen und Monate aktiv. Sie machen Mikroben unschädlich, indem sie diese neutralisieren oder als zu zerstörendes Ziel kennzeichnen. Derart markierte Bakterien und Viren werden wie Zelltrümmer von Freßzellen – Phagocyten – verschlungen und abgebaut. Zwar verfügt ein Kind, wenn es zur Welt kommt, bereits über eigene Abwehrkräfte; doch sie sind zunächst noch schwach, und gerade einige der effektivsten Komponenten fehlen praktisch noch. Deswegen spricht man beim Neugeborenen auch von Leihimmunität.
Mit der Muttermilch bekommt der Säugling allerdings weitere Antikörper und zudem andere gegen Keimbefall hilfreiche Proteine und Immunzellen. Sie verhindern meist schon im Magen und Darm, daß Mikroorganismen überhaupt in die Gewebe vordringen.
Einige der Schutzmoleküle lagern sich an Erreger an,


Jack Newman ist am Kinderhospital von Toronto (Kanada) Direktor der Still-Klinik, die er 1984 gründete. Durch seine Initiative entstanden später an zwei weiteren Krankenhäusern der Stadt solche Einrichtungen. Newman hat 1970 an der Universität von Toronto, an der er heute Assistenz-Professor ist, in Medizin promoviert. Danach setzte er seine wissenschaftliche Ausbildung in Neuseeland und anderwärts in Kanada fort. Als Berater von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat er in Afrika, in Neuseeland sowie in Mittel- und Südamerika gearbeitet.
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