Schon lange vor der Geburt wird der menschliche Organismus
für die Abwehr von Krankheitskeimen gerüstet. Weniger bekannt ist, daß auch noch viele
Bestandteile der Muttermilch den Säugling vor Infektionen bewahren,
während sein eigenes Immunsystem erst ausreift.
Schon lange ist bekannt, daß gestillte Säuglinge weniger leicht Infekte bekommen als mit Milchpräparaten gefütterte. Noch vor kurzem schrieb man dies meist der Hygiene zu: Die Flaschennahrung läßt sich kaum wirklich steril zubereiten. Aber auch von den Kindern, bei denen das gewährleistet ist, erkranken mehr an Meningitis, Darm-, Ohr- und Atemwegsbeschwerden oder Entzündungen des Harntraktes.
Der eigentliche Grund dafür dürfte sein, daß die Muttermilch dem kindlichen Organismus in vielfältiger Weise hilft, mit Erregern fertig zu werden. Dieser Schutz ist gerade in den ersten Lebensmonaten wichtig, in denen das unreife Immunsystem selbst manche banalen Keime nicht wirksam bekämpfen kann. Der Internationale Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen (UNICEF) und die Weltgesundheitsorganisation empfehlen sogar, mindestens zwei Jahre lang zu stillen – die Abwehrkräfte sind nämlich frühestens bei Fünfjährigen voll ausgebildet.
Nun hat jedes Kind schon bei der Geburt einen gewissen Immunschutz durch bestimmte Antikörper der Mutter, die durch die Plazenta in sein Blut übergetreten sind. Diese Proteine, die sich gezielt gegen körperfremde Stoffe richten, bleiben noch Wochen und Monate aktiv. Sie machen Mikroben unschädlich, indem sie diese neutralisieren oder als zu zerstörendes Ziel kennzeichnen. Derart markierte Bakterien und Viren werden wie Zelltrümmer von Freßzellen – Phagocyten – verschlungen und abgebaut. Zwar verfügt ein Kind, wenn es zur Welt kommt, bereits über eigene Abwehrkräfte; doch sie sind zunächst noch schwach, und gerade einige der effektivsten Komponenten fehlen praktisch noch. Deswegen spricht man beim Neugeborenen auch von Leihimmunität.
Mit der Muttermilch bekommt der Säugling allerdings weitere Antikörper und zudem andere gegen Keimbefall hilfreiche Proteine und Immunzellen. Sie verhindern meist schon im Magen und Darm, daß Mikroorganismen überhaupt in die Gewebe vordringen.
Einige der Schutzmoleküle lagern sich an Erreger an,