Selten weckt eine wissenschaftliche Entdeckung nicht nur Begeisterung in Forscherkreisen, sondern bewegt auch die Phantasie der breiten Öffentlichkeit. In den letzten gut zehn Jahren passierte dies gleich zweimal: bei den Hochtemperatur-Supraleitern und bei den Fullerenen, jenen runden, käfigartigen Kohlenstoffmolekülen, die durch ihre Ähnlichkeit mit Fußbällen auch dem Laien unmittelbar sinnfällig sind. Und so stellte sich denn von Anfang an weniger die Frage, ob als vielmehr wann und wem für diese beiden Entdeckungen der Nobelpreis verliehen würde. Nachdem die Hochtemperatur-Supraleiter 1987 bereits an der Reihe waren, schien die Auszeichnung für die Fullerene fast schon überfällig.

Das überwältigende Interesse an den ungewohnt anschaulichen Kohlenstoff-Kugeln spiegelte sich auch in dieser Zeitschrift wider, in der zwischen 1989 und 1993 vier Beiträge darüber erschienen – darunter insbesondere im Dezember 1991 der Bericht von zwei der drei jetzt ausgezeichneten Forscher selbst (Curl und Smalley). Faszinierend war vor allem, daß in einer Zeit, in der sich die Wissenschaft zunehmend in der Erforschung immer komplizierterer Details verliert, noch eine so elementare Entdeckung gelang.

Vom Sternenstaub zu Nanosphären

Deren Geschichte ist zudem ausgesprochen spannend und in ihrem verschlungenen Verlauf zugleich ein Lehrstück darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnis gewöhnlich zustande kommt. Am Anfang stand, wie so oft, ein Theoretiker: Der Chemiker Eiji Osawa berechnete 1960 an der Universität Kioto, daß ein Molekül aus 60 Kohlenstoffatomen in Fußballform ungewöhnlich stabil sein müsse. Weil er seine Ergebnisse jedoch in Japanisch veröffentlichte, blieben sie so gut wie unbekannt.

So wußten auch Wolfgang Krätschmer vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg und Donald Huffman, der als Humboldt-Stipendiat bei ihm arbeitete, nichts davon, als sie 1982/83 durch Verdampfung und Kondensation von Kohlenstoff herauszufinden …