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Magazin | 01.06.1997

Das Informationsparadoxon bei Schwarzen Löchern

Prof. Dr. Leonard Susskind
Wenn diese kosmischen Mahlströme Materie verschlingen, scheinen sie auch die zugehörige Informationsmenge unwiederbringlich zu zerstören im Widerspruch zu den Regeln herkömmlicher Physik. Im Streit um des Rätsels Lösung zeichnen sich Umrisse einer Quantentheorie der Gravitation ab.
In einer Erdumlaufbahn treibt Professor Liszts Kapsel mit dem einzigen Exemplar einer für künftige Generationen lebenswichtigen mathematischen Formel. Doch seinem Erzrivalen, Professor Tück, ist es gelungen, eine Wasserstoffbombe mit Zeitzünder an Bord zu schmuggeln. Da! Ein greller Lichtblitz zeigt an, daß die Kapsel samt Formel in einer Wolke aus Elektronen, Nukleonen, Photonen und einigen Neutrinos verpufft ist. Liszt ist verzweifelt. Er hat keine Kopie und kann sich nicht mehr an die Herleitung der Formel erinnern. Deshalb bringt er den Fall vor Gericht: "Dieser Narr hat eine unersetzliche Botschaft an die Menschheit vernichtet und muß dafür büßen. Jagt ihn von der Universität!" "Unsinn", erwidert Tück gelassen. "Information läßt sich niemals zerstören. Sie sind bloß faul, Liszt. Ich habe zwar ein bißchen Unordnung gestiftet, aber Sie müssen nur jedes Teilchen der Explosionswolke ausfindig machen und seine Bewegung umkehren. Die Naturgesetze sind zeitsymmetrisch, und indem Sie alles rückwärts laufen lassen, setzt sich Ihre alberne Formel wieder zusammen." Daraufhin wird er freigesprochen. Doch Liszt weiß sich nicht weniger teuflisch zu rächen. Während Tück nicht in der Stadt ist, raubt er dessen Computer, auf dem eine Sammlung der raffiniertesten Kochrezepte gespeichert ist. Damit Tück sich gewiß nie wieder an seinem legendären Fischragout von Aalen – der Matelote d'anguilles mit Trüffeln – gütlich tun kann, schießt Liszt den Computer in den Weltraum, und zwar direkt in das nächste Schwarze Loch. Als die Streithähne einander vor Gericht wiedersehen, schäumt Tück: "Diesmal sind Sie zu weit gegangen, Liszt. Meine einmaligen Rezepte sind unrettbar dahin. Selbst wenn ich ins Schwarze Loch fliegen wollte, um sie herauszuholen, würde ich zerquetscht. Sie haben tatsächlich Information für immer zerstört. Ich fordere die Höchststrafe!" "Einspruch, Euer Ehren!" Liszt springt auf. "Jeder weiß, daß Schwarze Löcher irgendwann einmal verdampfen. Wenn man lange genug warte
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» Spektrum der Wissenschaft, 6 / 1997
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