Das Pinealorgan und sein Hormon Melatonin
Der tägliche Hell-Dunkel-Wechsel und die mit den Jahreszeiten schwankenden Lichtverhältnisse werden bei niederen Wirbeltieren wie den Fischen von speziellen mehrfunktionellen Sensoren eines Organs des Gehirns erfaßt und direkt in neuronale und hormonelle Aktivitäten umgesetzt. Bei Säugern ist dieses Organ, das photoperiodische Informationen nutzt, zu der von der Netzhaut gesteuerten Zirbeldrüse geworden.
Peter Ekström und Hilmar Meissl
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam dann aufgrund anatomischer Vergleiche mit anderen Wirbeltieren die Idee auf, diese Ausstülpung am Dach des Zwischenhirns könne Relikt eines sogenannten dritten Auges sein, des Pinealauges. (Bei einigen Reptilien ist eine mit dem Pinealorgan zusammenhängende Zwischenhirnausstülpung – das Parietalorgan – augenähnlicher ausgebildet, deshalb dort die Bezeichnung Parietalauge.)
Von der Medizin lange nur mehr als funktionsloses Überbleibsel angesehen, wurde das menschliche Pinealorgan erst Mitte unseres Jahrhunderts als Drüse und damit als Struktur mit Funktion quasi wiederentdeckt. Elektronenmikroskopische sowie funktionell ausgerichtete physiologische und biochemische Untersuchungen bewiesen seine außergewöhnliche Entwicklungsgeschichte: einen Formenwandel von einem relativ einfachen Lichtsinnesorgan – wie es das Pinealorgan heutiger Fische, Amphibien und Reptilien noch ist – zu einer von der Netzhaut der Augen gesteuerten Hormondrüse bei Säugern.


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