Psyche, Stress und Krankheitsabwehr
Gehirn und Immunsystem, die beiden übergeordneten Kontrollinstanzen des Organismus, arbeiten trotz aller Verschiedenheit ihrer Aufgaben eng zusammen. Sie tauschen sogar fortwährend biochemische Signale aus, häufig entlang den gleichen Bahnen. Dies erklärt manche psychischen Störungen bei körperlichen Erkrankungen und umgekehrt. Hier bieten sich neue Ansätze für wechselseitige Therapien.
Philip W. Gold und Esther M. Sternberg
Noch Anfang dieses Jahrhunderts hatten Ärzte und Pflegekräfte dem seelischen Zustand ihrer Patienten große Bedeutung beigemessen. Nun wartet gerade die Infektions- und Entzündungsforschung, nachdem vor allem sie solche Assoziationen jahrzehntelang geradezu verpönte, mit deutlicheren Belegen für Wechselwirkungen zwischen Psyche und Immunsystem auf.
Daran ist auch unsere Gruppe beteiligt, die dabei mit Kollegen der Nationalen Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland) zusammenarbeitet. Dank neueren Möglichkeiten von Molekularmedizin und Pharmakologie vermochten wir dazu beizutragen, das komplizierte Kommunikationsnetz zwischen Immunsystem und Gehirn zu erkennen, über das die beiden Instanzen immerfort und bei jedem neuen Anlaß unverzüglich Signale austauschen: Von der körperlichen Abwehr erzeugte Moleküle machen dem Zentralnervensystem Meldung, und dieses wiederum kontrolliert mit eigenen Substanzen die Immunaktivität. Eben diese biochemischen Signale beeinflussen auch das Verhalten bei Stress und die Reaktion darauf.
Ist dieses Kommunikationsnetz gestört, gleich ob aufgrund eines angeborenen Defekts, durch ein Medikament, nach einer Vergiftung oder infolge eines chirurgischen Eingriffs, zeigen oder verstärken sich bestimmte Krankheitsbilder, die sonst von den beiden Instanzen gedämpft oder verhütet werden: Infekte, Entzündungen und A


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