Die Ära der Antibiotika hat eine schon in der Antike entwickelte Überzeugung fast vergessen lassen: daß häufig auch die psychische Verfassung bei körperlichen Krankheiten maßgeblich mitspielt. Die großen Erfolge mit natürlichen und synthetischen Substanzen in der Infektionsmedizin seit gut einem halben Jahrhundert erweckten die Vorstellung, bei der Bekämpfung fiebriger und entzündlicher Prozesse komme es vor allem darauf an, den Erreger zu vernichten, oder allgemeiner, das verursachende Pathogen zu eliminieren. Intensiv wurde und wird denn auch nach weiteren solchen Wirkstoffen gefahndet.

Noch Anfang dieses Jahrhunderts hatten Ärzte und Pflegekräfte dem seelischen Zustand ihrer Patienten große Bedeutung beigemessen. Nun wartet gerade die Infektions- und Entzündungsforschung, nachdem vor allem sie solche Assoziationen jahrzehntelang geradezu verpönte, mit deutlicheren Belegen für Wechselwirkungen zwischen Psyche und Immunsystem auf.

Daran ist auch unsere Gruppe beteiligt, die dabei mit Kollegen der Nationalen Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland) zusammenarbeitet. Dank neueren Möglichkeiten von Molekularmedizin und Pharmakologie vermochten wir dazu beizutragen, das komplizierte Kommunikationsnetz zwischen Immunsystem und Gehirn zu erkennen, über das die beiden Instanzen immerfort und bei jedem neuen Anlaß unverzüglich Signale austauschen: Von der körperlichen Abwehr erzeugte Moleküle machen dem Zentralnervensystem Meldung, und dieses wiederum kontrolliert mit eigenen Substanzen die Immunaktivität. Eben diese biochemischen Signale beeinflussen auch das Verhalten bei Stress und die Reaktion darauf.

Ist dieses Kommunikationsnetz gestört, gleich ob aufgrund eines angeborenen Defekts, durch ein Medikament, nach einer Vergiftung oder infolge eines chirurgischen Eingriffs, zeigen oder verstärken sich bestimmte Krankheitsbilder, die sonst von den beiden Instanzen gedämpft oder verhütet werden: Infekte, Entzündungen und A