Gut dreißig Jahre ist es her, daß ich in einem Artikel für "Scientific American" aufregende neue Befunde über die Arbeitsweise des Gehirns resümierte. Sie waren mehreren Menschen zu verdanken, die sich wegen schwerer, anders nicht beherrschbarer Epilepsie einer tiefgreifenden Hirnoperation unterzogen hatten. Dabei war der Balken, das Corpus callosum, durchtrennt worden – jene mächtige Faserverbindung aus Neuronenfortsätzen, die wie eine Datenautobahn zwischen den beiden Großhirnhälften vermittelt (kleines Bild rechts). Als Therapie war der Eingriff recht erfolgreich, und meine Kollegen Roger W. Sperry (der 1981 den Medizin-Nobelpreis erhielt), Joseph E. Bogen, Philip J. Vogel und ich hatten verfolgt, was es bedeutet, wenn rechte und linke Großhirnhemisphäre nicht mehr miteinander kommunizieren können.

Ganz offensichtlich kam nun Sehinformation nicht mehr von einer Seite zur anderen. Wie im großen Bild zu erkennen ist, gelangen im heilen Gehirn Eindrücke aus dem rechten Teil des Gesichtsfeldes – also normalerweise von der linken Hälfte der Netzhaut beider Augen – zur linken Hemisphäre und umgekehrt. Das nutzten wir in Tests; wir ließen die Split-Brain-Patienten einen Punkt geradeaus fixieren und projizierten auf einen Schirm kurz rechts oder links davon Bilder. Was im rechten Gesichtsfeld auftauchte, demnach in der linken Gehirnhälfte verarbeitet wurde, konnten sie korrekt beschreiben; erschien dasselbe Bild jedoch im linken Feld, sahen sie – nun unter Benutzung der rechten Hirnhälfte – angeblich gar nichts. Sollten sie allerdings das Bild nicht benennen, sondern auf einen ihm gleichen Gegenstand deuten, konnten sie das ohne weiteres. Demnach sah das rechte Gehirn die Abbildung durchaus und vermochte eine sinnvolle Reaktion auszulösen, nur eben nicht in sprachlicher Form.

Vergleichbares stellte sich für den Tast- und den Geruchssinn und für das Hören heraus. Außerdem zeigte sich, daß die Muskulatur der Oberarme von bei-den Hemisphären gesteuert werden k