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Magazin | 01.05.1999

Riesenechsen im Kampf ums Überleben

Claudio Ciofi
Vielleicht fünftausend Komodo-Warane leben noch auf dem indonesischen Archipel. Restbestände dieser urtümlichen „Drachen“ haben nur eine Chance, wenn sie genügend größere Säugetiere, vor allem Hirsche, zum Fressen finden.
Seit Stunden lauert der Waran im hohen Gras neben dem von Tieren ausgetretenen Wechsel. Ein ausgewachsener Mähnenhirsch trottet direkt auf ihn zu. Dann passiert es: Im letzten Moment bricht das Reptil aus dem Hinterhalt und reißt das 90 Kilogramm schwere Huftier zu Boden.

Szenen wie diese werden auf Komodo und den angrenzenden indonesischen Inseln immer seltener. Die Einheimischen haben für die bedrohten, international unter strengem Schutz stehenden Raubtiere verschiedene Namen. Die Bewohner von Komodo nennen die an Drachen erinnernden Kriechtiere meist "ora", die Einwohner der Nachbarinseln Rinca und Flores sagen auch "buaja darat" – Landkrokodil –, doch die gigantischen Reptilien gehören nicht zu den Krokodilen. Wieder andere Bevölkerungsgruppen bezeichnen sie als "biawak raksaka", Riesenwaran – ein Name, der gut zu ihnen paßt.

Systematiker ordnen den Komodo-Waran, wissenschaftlich Varanus komodoensis genannt, bei den Schuppenkriechtieren ein, also bei der Gruppe von Echsen und Schlangen. Diese heute größte Waran-Art – und heute größte Echse der Erde überhaupt – lebt auf wenigen Inseln Indonesiens. Insgesamt bewohnt die Familie der Varanidae, die rund zwei Dutzend Arten umfaßt, tropische Regionen von Afrika bis Australien. Alle Arten haben den gleichen Gattungsnamen: Varanus. Rein an Körperlänge könnte allenfalls der Binden-Waran von Neuguinea, V. salvadorii, den Komodo-Waran übertrumpfen. Doch wirkt dieser schlank gebaute, mehr langschwänzige Verwandte neben seinem stämmigen Vetter von Komodo fast schmächtig.

Wenn ich vom Komodo-Waran berichte, fragen meine Zuhörer meist als erstes, wie groß diese Tiere werden. Das größte vermessene Exemplar eines Ora brachte es angeblich auf eine Länge von 3,13 Metern und wog 166 Kilogramm. Allerdings dürfte davon ein Gutteil unverdaute Nahrung gewesen sein. Für Tiere in freier Wildbahn ist ein Höchstgewicht um die 70 Kilogramm realistischer. In Gefangenschaft werden die Reptilien häufig überfüttert.
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» Spektrum der Wissenschaft, 5 / 1999
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Ein Vortrag Walter Auffenbergs findet sich unter www.si.edu/natzoo/hilights/lectures.htm
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