Spektrum: Herr Prof. Kotthaus, überall in der Republik entstehen Institute und Zentren für Nanotechnik, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat zudem diesbezügliche Aktivitäten von Hochschulen in überregionalen Kompetenzzentren zusammengeführt. Warum so üppig?



Prof. Kotthaus: Von üppig kann nicht die Rede sein, denn dies sind zunächst eher organisatorische Maßnahmen, die lediglich vorhandene Forschungskompetenz bündeln. Auch die Fördergelder fließen keineswegs stärker als zuvor, denn selbst das BMBF kann sein Geld nur einmal ausgeben. Es wird allerdings sichtbarer gemacht, wohin die Mittel fließen. Und natürlich hängt nun ein öffentlichkeitswirksames Etikett daran. Letztlich stehen also einige vorwiegend politische Erwägungen hinter der jüngeren Entwicklung.



Spektrum: Auch bei der Gründung des CeNS?



Kotthaus: In diesem Zentrum führen mehrere Lehrstühle der Universität ihre langjährige Forschungsarbeit auf diesem Gebiet zusammen, um wissenschaftliche Synergieeffekte zu erreichen. Nanowissenschaft ist noch weitgehend Grundlagenforschung und kann nach unserer Meinung nur interdisziplinär erfolgreich sein. Deshalb nennen wir die Einrichtung auch Center for NanoScience, von einer Technologie zu sprechen erscheint mir noch verfrüht.



Spektrum: Besteht nicht die Gefahr, daß unter dem Nano-Etikett mancher auf den rollenden Zug aufspringt, um Fördergelder zu kassieren?



Kotthaus: Den Effekt haben sie immer, wenn ein Forschungsthema Mode wird. Doch das beunruhigt mich nicht sehr. Zum einen durchlaufen alle Anträge eine strenge Begutachtung, auch beim BMBF, ob sie nun das Nano-Etikett tragen oder nicht. Soviel ich weiß werden im laufenden Jahr voraussichtlich weniger als ein Drittel der beim BMBF eingereichten Anträge bewilligt werden, die Fördersummen bleiben weit unter dem bereits beantragten Volumen. Zum anderen gibt es in den Nanowissenschaften noch sehr viel zu tun, so da