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Magazin | 01.10.2000
INTERVIEW: HIRN UND KI-FORSCHUNG

'Es geht ans Eingemachte'

Reinhard Breuer und Dr. Carsten Könneker
Zwei renommierte amerikanische Computerwissenschaftler stießen unlängst eine Diskussion an über mögliche Auswirkungen der Weiterentwicklung von Robotik, Gen- und Nanotechnik. In seinem Buch "Homo s@piens" (siehe Rezension) behauptet Ray Kurzweil, dass die Roboter des späten 21. Jahrhunderts über eine so ausgefeilte künstliche Intelligenz verfügen werden, dass sie von den ihrerseits durch Neuro-Implantate technisch "weiterentwickelten" Menschen praktisch nicht mehr zu unterscheiden sind. Noch einen Schritt weiter geht Bill Joy, der Technologie-Berater des amerikanischen Präsidenten. Vor dem Hintergrund der Möglichkeit, die Menschheit könnte schon in wenigen Generationen durch eine sich selbst reproduzierende Roboter-Spezies verdrängt werden, fordert er ein Moratorium, bestimmte Forschungen schon heute einzustellen. Spektrum der Wissenschaft hakte nach und befragte den Neurobiologen und Hirnforscher Gerhard Roth und den Wissenschaftsphilosophen Gerhard Vollmer, ob die artikulierten Ängste begründet sind oder nicht.
Spektrum: Halten Sie es für möglich, dass Ihre Urenkel von Robotern regiert werden?

Roth: Nein, aus Gründen der Machbarkeit halte ich das nicht für möglich. Dazu bedarf es intelligenter, entscheidungsfähiger Maschinen.

Spektrum: Aber man arbeitet doch bereits daran, das menschliche Gehirn künstlich nachzubauen.

Roth: Es ergeben sich da enorme Schwierigkeiten. Ray Kurzweil behauptet, wir würden das menschliche Gehirn auf Siliziumbasis in seinen Funktionen nachbauen und sogar verbessern können. Dazu müssten wir das Gehirn aber erst einmal verstehen. Dies jedoch ist schon mit großen Schwierigkeiten verbunden. Ganz zu schweigen davon, dass es auf der Grundlage herkömmlicher Computertechnik ein System, das die Leistung unseres Gehirns erbringt, wahrscheinlich grundsätzlich nicht geben kann. Das Argument lautet: Das Gehirn ist nicht nur eine elektrische, sondern noch viel mehr eine neuro-chemische "Maschine". Auf Siliziumbasis ist da nichts zu machen.

Spektrum: Auch nicht durch Kombinationstechniken, Neuro-Implantate zum Beispiel, die gewisse sensorische oder andere Leistungen des menschlichen Gehirns erweitern?

Roth: Wenn wir Hybrid-Systeme nehmen, also Siliziumtechnik mit Bio-Membranen kombinieren, dann halte ich die punktuelle Verbesserung bestimmter Hirnfunktionen durchaus für möglich. Man lässt ja schon heute natürliche Nervenzellen auf Computerchips wachsen. Dazu laufen etliche Projekte.

Spektrum: Und wie steht es mit einer gentechnischen Optimierung?

Roth: Ich habe ein Jahr lang mit Harry Jerison, dem bekannten amerikanischen Hirnforscher, an der Frage gearbeitet, auf welche Weise man das Gehirn des Menschen überhaupt noch verbessern könnte. Die überraschende Antwort lautet, dass das menschliche Gehirn bereits &
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