hne die Erfindung der Wasserleitung gäbe es unsere moderne Zivilisation nicht, und wir wären – wie die frühen Ackerbau-Kulturen – auf regelmäßige Regenfälle und ganzjährig Wasser führende Flüsse angewiesen. Erst die Erfindung der Bewässerungskanäle machte es möglich, auch in Trockengebieten und -zeiten die Felder zu bestellen. Dank Rohrleitungen können wir uns auch im 23. Stockwerk eines Wolkenkratzers oder in der Wüste die Hände unter fließendem Wasser waschen.

Bereits vor 5000 Jahren wurden die Siedlungen des Indus-Tals mit einem System aus Wasserleitungen und Abwasserkanälen ausgestattet. Athen und Pompeji unterhielten – wie die meisten Städte im antiken Griechenland und Rom – ein ausgeklügeltes System für die Wasserver- und -entsorgung. Technische Meisterleistungen wie Dämme und Aquädukte brachten das lebensnotwendige Nass selbst über weite Distanzen in die Städte (SdW 5/1989, S. 122). Zur Blütezeit ihres Reiches waren die Einwohner Roms an ein System aus Wasserrohren und Abwasserkanälen angeschlossen; ihr Pro-Kopf-Verbrauch entsprach dem unsrigen heute. Wasser bildete stets auch die Grundlage für Gewerbe und Industrie. Während der industriellen Revolution des 19. und 20. Jahrhunderts stieg die Nachfrage enorm.

Heutzutage befördern Rohrleitungen Trinkwasser über Hunderte oder Tausende von Kilometern, sodass sogar in der Wüste Städte erblühen. Ausgefeilte Bewässerungstechniken ermöglichen es, dass inzwischen weltweit 40 Prozent der Nahrungsmittel von künstlich bewässerten Anbauflächen stammen – und der Hunger von immer mehr Menschen gestillt werden kann. Dank Kanalisationen verloren auch die durch verunreinigtes Wasser verursachten Krankheiten wie Cholera und Typhus mancherorts ihren Schrecken. Schadstoffarme Kraftwerke, deren Turbinen von Wasser angetriebe