Vermutlich bin ich die einzige Astronomin, die jemals in einem Käfig mitten im Strahlengang eines Großteleskops auf dem Gipfel des 4200 Meter hohen Mauna Kea auf Hawaii gefangen war. Mein Missgeschick ist zwanzig Jahre her. Damals saßen die Astronomen während ihrer Beobachtungen noch nicht in klimatisierten Computerräumen, sondern in sehr kleinen Kabinen im Primärfokus der riesigen Spiegelteleskope. Die langen Winternächte waren unerträglich kalt, aber wir genossen von dieser Position aus den spektakulären Anblick des Sternenhimmels, während wir Bilder und Spektren von fernen Himmelskörpern aufzeichneten.

Am Ende einer solchen Nacht geschah es: Wegen einer fehlerhaften Position des Fernrohrs blieb ein Fahrstuhl stecken – und damit war es mir unmöglich, die Beobachterkabine zu verlassen. Das bedeutete mehr als nur eine kleine Unbequemlichkeit: Immerhin befand sich die nächste Toilette zwölf Meter unterhalb von mir. Und ich war höchst unbequem in zwei dicke Schneeanzüge verpackt. Es dauerte sieben Stunden, bis endlich eine Gruppe von Technikern eintraf – sie mussten erst den Berg hinauffahren, und unterwegs hatten sie noch eine Reifenpanne. Meine Retter kletterten an der Seite der Kuppel hoch und bekamen den eingeklemmten Fahrstuhl endlich mit einer Brechstange wieder frei. Warum nur nimmt ein Wissenschaftler solche Unannehmlichkeiten auf sich?

Als beobachtende Kosmologin kann ich versichern, dass der Erfolg die gelegentlichen Unbequemlichkeiten mehr als wettmacht. Das Ziel ist anspruchsvoll: Meine Kollegen und ich wollen herausfinden, wie das Universum entstanden ist und wie es sich entwickelt hat. Unsere langwierigen Beobachtungen und Experimente liefern uns letztlich wichtige Zahlen: die Werte der so genannten kosmologischen Parameter. Diese Zahlen können uns wichtige Dinge über den Kosmos sagen, nämlich wie viel Materie es gibt, ob der Raum gekrümmt oder flach ist und ob das Universum für alle Zeiten expandiert oder irgendwann wieder in sich zusa