Sprache und Gehirn
Hirnforscher und Linguisten bürsten gängige Ansichten über unsere kommunikativen Fähigkeiten gerne gegen den Strich. So etwa die Vorstellung, dass Mehrsprachigkeit das kindliche Gehirn verwirre und in seiner Entwicklung störe. Oder dass Gebärdensprache keine "richtige" Sprache sei. Oder dass Gespräche mit 6-Jährigen weniger komplex seien als solche mit 16-Jährigen.
Heute können Wissenschaftler dank moderner bildgebender Verfahren dem lebenden Gehirn bei der Arbeit zusehen. So entdeckten Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften um die Neurolinguistin Angela Friederici in den vergangenen Jahren, dass beim Spracherwerb des Kindes nacheinander verschiedene Hirnregionen aktiv werden – in einer festen zeitlichen Reihenfolge. Die linke Hemisphäre ist dabei für Syntax und Semantik zuständig, die rechte für die Prosodie – die Satzmelodie.
Das wachsende Wissen gerade um die erstaunlich früh ausgebildete passive Sprachfähigkeit von Säuglingen und Kleinkindern hat auch handfeste Implikationen für den Umgang mit unserem Nachwuchs: Wer viel mit seinem Baby spricht und ihm vorliest, fördert auf natürliche Weise dessen geistige Entwicklung. (ck)



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1. Auf was es bei "Sprache" ankommt
19.10.2009, Ingo-Wolf Kittel, AugsburgDer entscheidende Schritt "auf dem Weg zur Sprache", wie wir sie kennen und verwenden, ist dagegen rein psychologischer Art.
Unter Bedingungen, wegen denen Lautfolgen als Signale, also "Zeichen" immer nützlicher, wenn nicht sogar nötig wurden, müssen sich mehr oder weniger gleichartige Lautfolgen frühen Menschen in Verbindung mit denselben - zunächst nur situativ erfassbaren - "Intentionen", also Absichten so "eingeprägt" haben, dass es zu einer gedächtnismäßig ausreichend sicheren Verankerung der "Verbindung" von an sich beliebigen Lauten oder Lautfolgen mit jenen sinnlich(!) vermittelten Eindrücken gekommen sein, die sich im situativen Erleben mit dem Schwerpunkt auf dem jeweils intendiert Erlebten oder Erfassten und dabei ggf. auch Bezeichneten! (von "zeigen" wie z.B. "zeichnen" und sonstigen "Zeichen") zunächst mit eingeprägt hatten.
Erst dann und nur dann kann das auftreten, worauf es bei "natürlichen Sprachen" aller Art ankommt: das für Sprache typische Phänomen, dass sich beim bloßen Wiederhören dieser Lautfolgen zu einem anderen und dann immer späteren Zeitpunkt und vor allem auch noch in ganz anderen Situationen mehr oder weniger zuverlässig auch die damit "assoziierten" Erinnerungen einstellen, innere "Bilder", die nötig sind, um sich den, treffender Weise als "Sinn" bezeichneten Gehalt oder "Inhalt" des Gesagten allein "im Kopf" vorzustellen.
Zur eminent wichtigen Rolle von Vorstellungen beim Reden und Sprachverstehen s. Kapitel 12 "Bedeutung" in dem Buch Das geistige Auge – Von der Macht der Vorstellungskraft von Colin McGinn, Darmstadt 2007, S. 163 ff.
Nach meiner Erfahrung wird dieser psychologische Zusammenhang bei Reflexionen auf Entstehung und Eigenart von SPRACHE selten berücksichtigt, wenn er überhaupt bekannt ist oder erkannt wird. M.E. hätte schon die Tatsache, dass die Erfindung der Schrift vor etwa 5000 Jahren gezeigt hat, dass für Sprache Sprechen weder nötig noch wesentlich ist, zu denken geben können, haben doch beliebige andere "Zeichen" das Lauteerzeugen seitdem ersetzt: Markierungen ("Keilschrift"), Schriftzeichen, Tastzeichen ("Blindenschrift") oder eigens erfundene "Zeichen" ("künstliche Sprachen", Programmiersprachen etc.) Gesten ("Gehörlosensprache"), ja selbst Bilder (Bilderschriften aller Art bis hin zu "Symbolen")! In beliebiger Ausweitung dazu kann man sogar "alles" als "Zeichen" auffassen bis hin zu dem Schritt, nachgerade alles und damit "die Welt" als Zeichen für etwas anderes oder von etwas anderem "jenseits" von ihr zu halten. Selbst die einfache Tatsache, dass Sprachen ineinander "übersetzbar" sind, hätte schon lange darauf hinweisen können, dass bloßes und beliebiges Lauteerzeugen nicht das ist, worauf es bei Sprache ankommt!
2. Die Überlegungen von Julian Jaynes zur Sprachentwicklung
24.11.2011, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg3. Weitere Linkkorrektur
12.04.2012, Ingo-Wolf KittelHoffentlich bleibt die komplette URL dieses Mal erhalten. Wenn nicht, kann die Anzeige leicht über die Suchfunktion auf der HP des Primus-Verlags gefunden werden.