Ich stimme Augustinus darin zu, dass es kein wahrhaft irdisches Glück geben kann, aber nicht aus theologischen Gründen, sondern aus biologischen Gründen. Evolutionstheoretisch sind wir nicht auf dieser Welt, um uns zu amüsieren, sondern um uns zu reproduzieren. Alles, was der Weitergabe unserer Gene zuträglich ist, geht mit Lust einher, und alles, was der Weitergabe unserer Gene abträglich ist, geht mit Unlust einher. Das offenkundigste Beispiel hierfür ist natürlich der Sex. Damit wir uns reproduzieren, hat Mutter Natur uns das Verlangen in die Wiege gelegt. Wann immer wir unser Verlangen befriedigen können, empfinden wir Lust und sind glücklich; wann immer wir unser Verlangen nicht befriedigen können, empfinden wir Unlust und sind unglücklich.
Sich erfolgreich fortzupflanzen, erfordert jedoch weit mehr, als nur gelegentlich Sex zu haben. Es erfordert in aller Regel, einen Partner zu finden, ihn an sich zu binden, mit ihm eine Familie zu gründen und die gemeinsamen Kinder so gut wie möglich zu versorgen. Um vor dieser keineswegs leichten Aufgabe nicht gleich zu kapitulieren, gängelt uns die Natur geschickt mit Hilfe von Gefühlen, die, objektiv betrachtet, alles andere als angenehm sind: Um einen Partner zu suchen, empfinden wir Sehnsucht und Begierde; um uns auf der Suche nach einem begehrenswerten Partner gegen unsere Mitbewerber durchzusetzen, empfinden wir Neid und Ehrgeiz; und um unseren Partner nicht an Rivalen zu verlieren, empfinden wir Eifersucht und Raserei. Insofern wir von diesen Gefühlen fast unser gesamtes Leben lang getrieben werden, kann es wohl schwerlich dauerndes Glück, sondern bestenfalls vorübergehendes Glück geben.